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Friedberg

12.06.2020

Sind die Schüler gut ausgestattet für den digitalen Unterricht?

Wegen der Corona-Pandemie werden zahlreiche Schüler in der Region digital unterrichtet. Doch was wenn es an der technischen Ausstattung mangelt? Eine Umfrage bei Schulen im Wittelsbacher Land.
Bild: Benjamin Liss

Plus Digitaler Unterricht ist wegen Corona auf dem Vormarsch. Ohne Internet und Rechner ist das schwer, wissen auch Lehrer in Friedberg oder Kissing.

Zur besseren technischen Ausstattung von Schülern will der Bund 500 Millionen Euro für den Unterricht am heimischen Computer zur Verfügung stellen – eine Lehre aus der Corona-Zeit. Bedürftige Schüler sollen dadurch einen Zuschuss von 150 Euro für die Anschaffung von entsprechenden Geräten erhalten. Wie sieht es im Moment an den Schulen im Landkreis aus?

Kinder ohne Computer seien benachteiligt, findet Michael Krupp, Elternbeirat der Theresia-Gerhardinger-Grundschule Friedberg. Der Elternbeirat hat daher einen Spendenaufruf gestartet und alte, noch funktionierende Rechner gesammelt. Auch wenn nach den Pfingstferien für alle Kinder zumindest phasenweise wieder Präsenzunterricht stattfindet, werden sich noch einige Zeit große Teile des Unterrichts online abspielen.

In Friedberg wurden 15 Rechner gespendet

„Der Hintergrund ist, dass die Rechner noch längerfristig gebraucht werden“, erklärt er. Um den Spendenbedarf einschätzen zu können, hat er alle Friedberger Schulen kontaktiert. In manchen Fällen werde ein Rechner dringender gebraucht als in anderen. Auf seinen Aufruf wurden bisher 15 Computer gespendet. Diese wurden von der Firma Satnetserver generalüberholt und den Schülern geschenkt.

Annika Lauter, Leiterin der Kissinger Grundschule, zeigt sich eigentlich mit der Situation beim bisherigen Homeschooling zufrieden: „Für die Kleinen ist das wie ein Lehrer im Wohnzimmer. Sie mögen es besonders, weil sie sich die Videos öfter anschauen können, wenn sie etwas nicht verstanden haben.“

Kissing: Der digitale Unterricht birgt Probleme

Sie ist sich jedoch auch der Probleme bewusst, die das digitale Unterrichtskonzept birgt. Es verfügen nicht alle über die nötige Ausstattung. Kinder im Grundschulalter arbeiten meistens über den PC der Eltern, der gleichzeitig im Homeoffice gebraucht wird. „Es ist immer für irgendjemanden schwierig“, sagt Lauter. „Trotzdem will man alle Kinder mitnehmen.“ Daher hat sich die Kissinger Grundschule für Videos entschieden, die zu jeder Uhrzeit angeschaut werden können.

Vor allem Asylbewerbern fehle oft ein Computer oder Internetzugang, so Lauter. Auch Schulamtsdirektorin Ingrid Hillenbrand hat von Asylhelfern und Sozialarbeitern die Rückmeldung bekommen, dass Rechner fehlen. Diese müssen sich mit ausgedruckte Arbeitsmaterialien behelfen, die sich alle Schüler wöchentlich in der Schule abholen können. Für Kinder ohne PC sei außerdem der Kontakt mit den Lehrern per Telefon umso wichtiger, sagt die Kissinger Direktorin. Jedes Kind werde mindestens einmal pro Woche angerufen, Kinder mit Förderbedarf oder ohne Rechner noch öfter. „Manche Lehrer sitzen eine halbe Stunde am Telefon, und die Schüler lesen ihnen vor“, berichtet sie lachend.

Die Schüler des Friedberger Gymnasiums sind laut Schulleiterin Ute Multrus digital gut ausgestattet.
Bild: Ute Krogull

Auch Ute Multrus, Leiterin des Friedberger Gymnasiums, verweist auf die Wichtigkeit des Telefonkontakts: „Für manche Lehrer bedeutet das intensivere Betreuung, als wenn Präsenzunterricht stattfindet.“ Ihre Schüler seien allerdings digital gut ausgestattet.

Der Rotary Club Friedberg unterstützt Schüler

Und wenn nicht? Weil Schulen direkt keine Spenden annehmen dürfen, bestehe die Möglichkeit, diese über den Förderverein der Schule zu organisieren, so Gisela Klaus, ehemalige Schulleiterin und jetzt Präsidentin des Rotary Clubs Friedberg. Diese können dann die Geräte weiterverleihen. Die Rotarier spendeten 5000 Euro an den Förderverein der Theresia-Gerhardinger-Schule, der mit diesem Geld zehn Tablets inklusive einer zweijährigen Wartung erwirbt. Der Lions Club Friedberg überweist denselben Betrag für weitere acht Tablets an den Förderverein; zwei Tablets gehen außerdem an den Förderverein der Vinzenz-Pallotti-Schule.

Schüler der Mittelschule Friedberg seien weitestgehend mit Rechnern ausgestattet, berichtet deren Leiterin Carmen Audilet. Audilet gibt jedoch zu bedenken, dass Probleme nicht nur digitaler Art seien: „Ein Kind, das keine Hausaufgaben macht, wird auch jetzt nicht anfangen, seine Hausaufgaben regelmäßiger zu machen.“

Wer zu Hause keinen Rechner hat, der ist beim Unterricht zu Corona-Zeiten benachteiligt.
Bild: Ulrich Perrey/dpa

Damit der Unterricht in diesen Zeiten funktioniert, sei ein enges Zusammenspiel aller Beteiligter notwendig „Das hat bisher erstaunlich gut geklappt. Was nicht heißt, dass digitaler Unterricht den normalen Schulbetrieb ersetzen kann“, erklärt sie. Schüler, Lehrer und Eltern müssen zusammenarbeiten und in engem Kontakt bleiben, ob per Internet oder per Telefon.

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