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Rinnenthal

23.01.2020

Sind die Silos eine Gefahr für den Kindergarten Rinnenthal?

An der Griesbachstraße in Rinnenthal soll neben dem Sportgelände des BCR ein Kinderhaus entstehen. Das Problem: In unmittelbarer Nähe befinden sich auch zwei landwirtschaftliche Silos.
Bild: Matthias Stegmeir (Archiv)

Plus Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann von der Uniklinik Augsburg bewertet die Risiken der umstrittenen Planung am Rinnenthaler Ortsrand.

Frau Prof. Traidl-Hoffmann, in Rinnenthal wurde die Sorge geäußert, dass von den beiden Fahrsilos in unmittelbarer Nähe des geplanten Kinderhauses eine Gesundheitsgefährdung für Kinder und Personal ausgehen könnte. Bestehen diese Befürchtungen zu Recht?

Claudia Traidl-Hoffmann: Emissionen von Fahrsilos mit Abfällen der Landwirtschaft können sehr gesundheitsschädlich sein. In den Silos startet ein Gärprozess, bei welchen Stickoxide an die Außenluft abgegeben werden könnten, wenn die Silos nicht entsprechend über mehrere Wochen abgedeckt bleiben. Stickoxide können einer Reihe von Krankheiten den Weg bahnen, da sie sowohl die Barriereschicht der Haut als auch die der Schleimhaut der Atemwege schädigen, diese durchlässig für Krankheitserreger und andere schädliche Partikel aus der Umwelt machen. Gelangen diese Stickoxide in die Innenluft, ist die Gefahrenlage entsprechend höher. Dies meint aber nicht generell eine Gesundheitsgefährdung durch eine landwirtschaftliche Umgebung. Die Nähe eines Bauernhofs kann sogar einen protektiven Faktor bilden, etwa vor Allergien schützen.

Gibt es noch weitere Gefahrenpotenziale durch die Silos?

Sind die Silos eine Gefahr für den Kindergarten Rinnenthal?

Traidl-Hoffmann: Weitere schädliche Emissionen könnten durch Schimmelpilzsporen entstehen, die über die Luft eingeatmet werden. Ob in den Silos die Menge an Schimmelpilzsporen entsteht, die schädlich sein kann, müsste durch eine Messstation in direkter Nähe von Kindergarten und Silo für die Außenluft und in den Räumen des Kindergartens für die Innenluft bestimmt werden.

Prof. Claudia Traidl-Hoffmann

Es gilt die Regel: Die Dosis macht das Gift. Zu viele Schimmelpilzsporen sind schädlich für die Gesundheit, wenige Schimmelpilzsporen nicht. Hierzu gibt es Richtwerte für den Innenraum.

Manche Menschen reagieren ja schon auf starke Gerüche empfindlich. Können die auch Gesundheitsbeschwerden auslösen?

Traidl-Hoffmann: Durch die Silos könnte eine Geruchsbelastung entstehen. Dies muss vor Ort überprüft werden. Besteht eine Geruchsbelastung durch die Silos, ist das für gesunde Menschen kein Problem. Für Gerüche anfällige und sensible Menschen kann eine dauerhafte Geruchsbelastung durchaus gesundheitsschädlich sein. Folgen einer dauerhaften Geruchsbelastung sind etwa Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Interview: Thomas Goßner

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann ist Direktorin am Lehrstuhl und Institut für Umweltmedizin des UNIKA-T (Universitäres Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Universitätsklinikum Augsburg). Sie erforscht die Interaktion Umwelt-Mensch und Umwelt-Umwelt mit Fokus auf der Barrierefunktion von Grenzflächen. Die Folgen des Klimawandels auf Umwelt und Gesundheit sowie epigenetische Veränderungen der Immunantwort sind die Kernthemen.



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