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Derching

19.07.2010

Skulpturen aus Derching fürs Ministerium

Revierleiterin Judith Hofstetter hat den Durchblick. Wen allerdings der "Hohlkopf" von Rolf Banholzer (Zweiter von rechts) darstellt, das verrät der Förster nicht. Neben ihm stehen Forstdirektor Reinhold Hoyer, Forstbetriebsleiter Peter Graser und Dozentin Petia Knebel. Foto: Golling
Bild: Golling

Die Studenten der Uni Augsburg sägen und schleifen im Derchinger Forst wieder an ihren Kunstwerken. Die letztjährige Präsentation im Landratsamt Augsburg war ein solch großer Erfolg, dass die Kunstwerke heuer sogar im Landwirtschaftsministerium zu sehen sein werden. Von Martin Golling

Derching Sie sind wieder am Sägen, Stemmen, Schleifen und Hobeln. Die Studentinnen und Studenten der Uni Augsburg arbeiten im Derchinger Forst an ihren Kunstwerken. Heuer sollen die sich vermehrt aus dem Holz vom Baum des Jahres schälen, aus der Wildkirsche. Für den Forstbetrieb Landsberg der Bayerischen Staatsforsten, zu dem der Derchinger Forst seit der Reform gehört, hat sich der stellvertretende Forstbetriebsleiter Peter Graser ins Zeug gelegt, damit die künftigen Lehramtsinhaber für Grund- und Hauptschulen das richtige Rohmaterial zur Verfügung haben.

"Dabei ist die Wildkirsche sicher so was wie die Perle des Waldes", stuft Förster Rolf Banholzer das Geschenk der Bayerischen Staatsforste ganz hoch in der Werteskala. "Als Uni könnten wir es uns nicht leisten, derartige Hölzer in solcher Größe zur Verfügung zu stellen", weiß auch Dozentin Petia Knebel das Entgegenkommen zu würdigen. Ganz so uneigennützig handeln die Staatsforsten jedoch nicht, sollen doch die Kunstwerke heuer im Foyer des Ministeriums die Blicke auf sich ziehen. "Die letztjährige Präsentation im Landratsamt Augsburg war ein solch großer Erfolg, dass die Kunstwerke heuer sogar im Landwirtschaftsministerium zu sehen sein werden", bestätigt der leitende Forstdirektor Reinhold Hoyer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg.

In den sechs Jahren, seit die Studenten im Wald ihre Kunstwerke schnitzen, sind die Besuche der Forstfachleute im Freiluftatelier an der Derchinger Pflanzgartenhütte eine angenehme Pflicht geworden. Viel länger schon bemüht sich Förster Rolf Banholzer als Berater der Waldbauern im nordwestlichen Landkreis und Revierförster im Derchinger Forst um die sogenannte Waldpädagogik. Sein Anliegen ist es, jungen wie alten Menschen die wichtigen, nachhaltigen und manchmal erstaunlichen Funktionen dieses komplexen Ökosystems Wald nahe zu bringen. Auch die Arbeiten die Studenten stuft er aus waldpädagogischer Sicht ein: "Da arbeiten künftige Lehrerinnen mit dem Naturstoff Holz. Ihre Erfahrungen hier können sie in den kommenden Dekaden als Multiplikatoren an ihre Schüler weitergeben. Das ist BnE, Bildung nachhaltiger Entwicklung." Dozentin Petia Knebel berichtet von den Eindrücken ihrer Studentinnen: "Da ist Katharina mit ihrem abstrakten Kunstwerk, bei dem die Linien ineinander laufen. Sie ist fasziniert, wie das frische Holz der Schwarzerle riecht, wie es in den Stunden nach der Bearbeitung die Farbe wechselt, wie die Schattierungen mit den Jahresringen wechseln von orange, rot, bis hin zum violetten Schimmer. Außen sind gelbe, fast weiße Flecken zu sehen, bevor der Rest Rinde schwarz kontrastiert." Stefanies Figur erinnert an die Lüppertz-Aphrodite. "Sie übt für ihre Prüfung und hat deshalb das Thema Mensch gewählt", erklärt Petia Knebel.

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"Heuer ist sogar die Allansichtigkeit gelungen"

Während viele Künstler mit Kettensägen möglichst schnell ihr Ziel verfolgen, arbeitet Corinna nur mit dem Stechbeitel. "Sie möchte zum Einen die langsamen Veränderungen bewusst erleben, zum Anderen arbeitet sie sensibel die gewachsenen Strukturen des Holzes nach", erklärt Petia Knebel Corinnas Beweggründe. Viele ihrer Künstler gehen schon über Jahre immer wieder im Waldatelier zu Werke. Petia Knebel freut sich über die sichtbaren Fortschritte: "Ich sehe heute zum ersten Mal von allen Seiten durchgearbeitete Figuren. Heuer ist sogar die Allansichtigkeit gelungen."

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