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Integration

15.09.2015

So kann der Flüchtling seine Familie ernähren

Hossam Warak macht sich gut und dies freut zusammen mit Franz Wenninger, dem Leiter der Polsterei, auch Josef Gerner vom Bürgernetz Mering, der den jungen Syrer bei der Jobsuche unterstützte.
Bild: Heike John

Wie Hossam Warak aus Syrien in Deutschland eine Arbeit gefunden hat und warum Pfingsten 2016 ein ganz wichtiges Datum für ihn ist

In flottem Tempo wird in der Polsterei der Firma Segmüller produziert. Die Arbeiter an den Werkbänken schaffen im Akkord. Auch der Mann in Jeans und weißem T-Shirt in der letzten Reihe legt beim Beziehen der gerade gefertigten Armlehnen ein ordentliches Tempo vor. Mit Stolz nimmt dies auch Josef Gerner zur Kenntnis, der von Franz Wenninger, dem Leiter der Polsterei, durch die Fabrikräume geführt wird. Denn dass der ehemalige Asylbewerber aus Syrien beruflich Fuß fassen konnte, ist auch ein Stück weit sein Verdienst.

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Hossam Warak kam vor zwei Jahren mit seiner Frau und einer kleinen Tochter nach Deutschland und lebt in Mering. Die Familie hat eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis und ist als „Flüchtling im Sinne des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“ anerkannt. Das hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach: Hossam darf arbeiten und er will auch arbeiten. Doch wo und was?

Seine Frau Sali wandte sich hilfesuchend an die Gemeinde, und diese verwies an das Bürgernetz. Denn das ehrenamtliche soziale Netzwerk engagiert sich nicht nur für ältere Menschen, sondern hat sich auch die Unterstützung junger Familien auf die Fahnen geschrieben. Und wenn Hilfe vom Bürgernetz angefordert wird, dann wird es auch gerne aktiv. Josef Gerner, einer der beiden Vorsitzenden des Bürgernetzes, trat in Kontakt mit der Familie Warak.

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Familie will eigenständiges Leben in Deutschland führen

Die ist mittlerweile zu viert, denn vor einigen Wochen wurde Sohn Maximilian geboren. Das Ehepaar hat seinem Sohn einen deutschen Namen gegeben. Es will in Deutschland Fuß fassen, sich integrieren und ein eigenständiges Leben führen. Die fünfjährige Tochter Fahra geht in den Kindergarten und tut sich mit der deutschen Sprache natürlich sehr viel leichter als die Eltern. Aber auch diese haben mittlerweile einen ganz passablen Wortschatz, eine Voraussetzung dafür, das Hossam Arbeit finden konnte.

Der 34-Jährige hat in seiner Heimatstadt Aleppo Polsterer gelernt und auch mehrere Jahre in diesem Beruf in Beirut und Istanbul gearbeitet. Was lag also näher, als sich an die Firma Segmüller zu wenden? Josef Gerner stellte den Kontakt her, unterstützte den Syrer beim Verfassen der Bewerbung und des Lebenslaufs und begleitete ihn zum Vorstellungsgespräch. Denn obwohl die Firma Segmüller keine Stelle als Polsterer ausgeschrieben hatte, sucht sie in diesem Handwerk immer Leute.

„Wir bilden selbst Lehrlinge aus und müssen trotzdem oft Quereinsteiger einstellen“, erklärt Franz Wenninger. Denn nicht immer sind die jungen Leute, die im Werk in Friedberg ihre Ausbildung machen, wirklich für den Job geeignet und können im Anschluss übernommen werden. Ein Problem, das fast alle Handwerksbetriebe heutzutage kennen. Und so war auch der Betriebsleiter von Segmüller froh, einen neuen qualifizierten Mitarbeiter zu bekommen. Zur Einarbeitung stand dem 34-jährigen Syrer der Polsterermeister Hartmut Hopperdietzel mehrere Wochen zur Seite. „Ich war überrascht, dass es gut funktioniert, und habe bei den verschiedenen Arbeitsgängen gleich gesehen, dass er schon Erfahrung mitbringt“, lobt dieser. Nun müsse Hossam Warak seine Arbeitsleistung noch stabilisieren und auch sprachlich weiter Fortschritte machen.

Der Syrer selbst ist sehr zufrieden mit seinem Job, der ihm ein eigenständiges Leben in Deutschland ermöglicht. Durch seine bescheidene freundliche Art kommt er auch bei den Kollegen gut an. Im Team gibt es viele ausländische Kollegen, teilweise sind sie schon viele Jahre bei Segmüller.

„Ich komme selten hier an Hossams Arbeitsplatz vorbei und das bedeutet, dass alles gut läuft“, erklärt auch der Leiter der Polsterei. Allzu enthusiastisch will er aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen aber trotzdem nicht sein. „Viele starten mit großem Einsatz und lassen im Laufe der Zeit immer mehr nach“, weiß er. Wenn sich Hossam Warak bis Pfingsten nächsten Jahres weiter so entwickle, dann habe er es wirklich geschafft, prognostiziert Franz Wenninger.

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