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Ehrenamt in Mering

17.08.2018

So lernen Flüchtlinge in Mering Deutsch

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Die Sprache zu lernen ist für die Flüchtlinge eine große Herausforderung.

Seit 2012 organisieren Ingo und Ursula Reiser in der AWO Mering Sprachkurse. Die Syrerin Asmaa Dadesch hat es mit viel Fleiß zu beachtlichem Erfolg gebracht.

 Stolz zeigt Asmaa Dadesch aus Mering ihr B1-Zertifikat. Nur ein Punkt fehlt ihr zur maximalen Höchstpunktzahl. Es gilt als eines der wichtigsten Sprachzertifikate, das auch als Nachweis von Deutschkenntnissen am Arbeitsplatz anerkannt wird. Und auch im Gespräch zeigt die junge Syrerin, dass sie die deutsche Sprache nach gerade zwei Jahren im Land sehr gut beherrscht.

Schon im September möchte Asmaa Dadesch den nächsten Kurs mit der Qualifikation B2 in Augsburg beginnen. Bisher lernte sie in Mering: erst in der AWO und dann bei der Volkshochschule. Ihr Wunsch ist es, in Deutschland im Schulbereich, zum Beispiel im Hort oder bei der Hausaufgabenbetreuung, arbeiten zu können. In ihrer Heimat Syrien war sie in der Stadt Edlib als Grundschullehrerin beschäftigt.

2016 kam Asmaa Dadesch mit ihren Kindern Maysa und Shady, die jetzt neun und sieben Jahre alt sind, nach Mering. Ihr Mann Outsaida war bereits ein Jahr früher in Deutschland. Nach nur einem halben Jahr Deutschunterricht in der AWO Mering bei dem Team um Ingo und Ursula Reiser konnte Asmaa schon zum Integrationskurs wechseln. Im Juli besuchte sie einen Politikkurs, der mit einer Prüfung mit 300 Fragen abschloss. Dass sie bestimmt alle Fragen richtig beantwortet hat, sagt sie mit Gewissheit. „Besonders wichtig ist aus meiner Erfahrung der Kontakt zu Deutschen, um flüssig sprechen zu können“, betont Asmaa. Beim AWO-Kurs in Mering habe sie zwar sehr gute Grundlagen gelernt, aber sie unterhalte sich täglich mit ihren Nachbarn in St. Afra, höre viel Radio oder auch Beiträge auf YouTube an. Auch deutsches Fernsehen hilft.

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Seit dem Jahr 2012 organisiert das Ehepaar Ingo und Ursula Reiser die ehrenamtlichen Deutschkurse in der AWO Mering für Asylbewerber, aber auch für Migranten aus anderen Ländern. Das mehrköpfige Team unterrichtet derzeit Menschen aus Mering, Kissing, Unterbergen und Hofhegnenberg. Ursula Reiser organisiert den Alphabetisierungskurs, ihr Mann Ingo den Kurs für die Fortgeschrittenen. Der Unterricht umfasst täglich 1,5 Stunden. Die Unterrichtsmaterialien finanziert die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen mit Sitz in Augsburg, für Kopien stellt die Gemeinde Mering zusätzliche Gelder bereit.

„Im Alphabetisierungskurs sind meist Menschen, die in ihrer Heimat keine Schule besucht haben“, verrät Ursula Reiser, die zusammen mit Gisela Lawrence, Ingrid Fischer, Dietlinde Zinner und Ursula Kobras unterrichtet. Von den 14 Schülern sind viele aus Afghanistan, einige aus Syrien, Eritrea und aus Tadschikistan. Menschen aus Afghanistan sind vom Integrationskurs ausgeschlossen und können nur durch die Kurse in der AWO ihr Deutsch verbessern. Sehr wichtig für den Fortschritt seien Hausaufgaben, das Wiederholen des Erlernten und die korrigierten Aufgaben nochmals durchzusehen, sagen Ursula und Ingo Reiser einstimmig. Beide waren früher Lehrer an der Grundschule Kissing und haben somit viel Erfahrung. Beim Fortgeschrittenenkurs engagieren sich auch Ester und Wolfgang Obst-Kennedy und Uta Geyer. „Wir vertreten uns gegenseitig, wenn einer im Urlaub ist, sodass kein Unterricht ausfällt und niemand überfordert ist“, betont Ingo Reiser. Im Jahr 2014, als noch sehr viele Asylbewerber nach Mering kamen, waren es sogar vier Kurse.

„Durch Mundpropaganda schließen sich auch andere ausländische Bewohner von Mering unseren Kursen an. Wir hatten schon Teilnehmer aus Indien oder Rumänien“, weiß Ingo Reiser. Wer den Fortgeschrittenenkurs beendet hat oder bereits sehr gute Kenntnisse hat, kann in den Integrationskurs wechseln, den die Volkshochschule in Mering anbietet. „Wir stimmen uns mit diesen Lehrkräften ab. Leider ist es trotzdem schwierig, die Leute danach in Ausbildungen zu vermitteln, denn für die Berufsschulen ist sogar das Niveau B 2 erforderlich“, sagt Ingo Reiser betrübt. Hinzu komme derzeit das große Unsicherheitsgefühl bei Interessierten, wenn plötzlich trotz anderweitiger Abmachungen Menschen während der Ausbildung abgeschoben werden. „Wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, könnten sie sich doch in ihrer Heimat etwas Neues aufbauen“, ist seine Meinung.

Weitere Personen unterstützen das ehrenamtliche Team mit sprachlicher Förderung von Einzelpersonen, wie ein Student, der in St. Afra zwei Berufsschülern beim Lernen hilft, auch eine Schülerin der Hauswirtschaftsschule Maria Stern bekommt Einzelunterricht.

Die Asylkoordinatorin Maureen Lermer, die Neuankömmlinge an das Ehepaar Reiser verweist, lobt deren großes Engagement. „Sie bringen den Analphabeten die deutsche Sprache und Schrift bei und verstehen es als ehemalige Lehrer, sehr gut mit den Menschen umzugehen“, sagt sie. Auch bei Bewerbungsschreiben und der Arbeitsplatzsuche helfen sie den Schützlingen oder organisieren auch Babykleidung, wenn es nötig ist, weiß sie aus Erfahrung.

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