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Friedberg

29.11.2019

Stadt Friedberg greift Idee für Nahwärme wieder auf

Erhält Friedberg ein zentrales Nahwärmenetz?
Foto: Daniel Maurer, dpa

Der Ausbau eines Versorgungsnetzes für öffentliche Gebäude lag seit 2017 auf Eis. Jetzt kommt Bewegung in das Thema, weil sich auch der Landkreis beteiligen will.

Die Stadt Friedberg greift jetzt das Projekt einer zentralen Wärmeversorgung wieder auf: Schulzentrum, Max-Kreitmayr-Halle, Krankenhaus und andere Einrichtungen östlich der Aichacher Straße sollen an dieses Netz angeschlossen werden. Auch der Landkreis habe sein Interesse daran bekundet, hieß es im Werkausschuss des Stadtrats.

Seit Jahren diskutiert Friedberg über Nahwärmenetz

Über ein Nahwärmenetz wird in Friedberg bereits seit dem Jahr 2013 diskutiert. Ein solches Projekt wurde auch vom bifa-Umweltinstitut empfohlen, allerdings vom Stadtrat Mitte 2017 wieder vertagt. Um Zuschüsse aus einem Förderprogramm der EU zu erhalten, hätte das Netz nämlich bis zum Jahr 2021 in Betrieb gehen müssen. Dies war den Stadtwerken aus Kapazitätsgründen aber nicht möglich. Wegen des Altstadtfestes in diesem und der Landesausstellung im nächsten Jahr sollte die Innenstadt auch nicht mit Bauarbeiten belastet werden. Die Kosten wurden seinerzeit auf rund 5,3 Millionen Euro beziffert.

Jetzt kommt das Thema wieder auf die Tagesordnung, allerdings mit verändertem Schwerpunkt. Die Altstadt ist nicht mehr Teil des Konzepts. Dafür stehen Gebäude in einem Umkreis von 500 Metern rund um das Feuerwehrhaus im Fokus. Dazu gehören neben der städtischen Grund- und Mittelschule und der Stadthalle auch die städtischen Wohnungen an der Hermann-Löns- und Alois-Sperrer-Straße.

Dazu kommt das Schulzentrum des Landkreises mit Realschule, Gymnasium und FOS/BOS. Direkt daneben soll 2020 der Neubau der Vinzenz-Pallottischule beginnen. In kurzer Entfernung befindet sich außerdem das Krankenhaus mit dem Personalwohnheim. Für diese Liegenschaften denkt der Landkreis ebenfalls über die künftige Wärmeversorgung nach.

Energieverbrauch in Friedberg soll zunächst ermittelt werden

Durch die Einbeziehung der landkreiseigenen Gebäude werde die Realisierungschance eines solchen Wärmenetzes wesentlich erhöht, stellte Stadtwerke-Chef Holger Grünaug fest. Zunächst soll nun ein Quartierskonzept erstellt werden, das den Energieverbrauch in den betroffenen Liegenschaften ermittelt, Ausbauszenarien für die künftige Nahwärmeversorgung entwirft, die technische und wirtschaftliche Machbarkeit untersucht und mögliche Betreiberformen prüft. Der Ausschuss gab einstimmig ein solches Quartierskonzept in Auftrag, für das es auch Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt.

Wesentlicher Unterschied zu allen bisherigen Überlegungen ist laut Grünaug, dass es keine zentrale Heizanlage mehr geben soll, sondern eine Verknüpfung der unterschiedlichen Systeme. Siegbert Mersdorf (Parteifreie Bürger) sieht aber die Gefahr, dass das Projekt am Ende wieder scheitern könnte, weil man keine Abnehmer für die Energie habe. Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) verwies hingegen auf das Interesse des Landkreises an einer Zusammenarbeit.

Friedberger Afrastraße hat bereits Wärmetauscher

Auch für Martin Trübenbacher (CSU) ist der Aufbau des Verbundnetzes der richtige Weg. „Nach vielen Jahren ist es gelungen, die Akteure an einen Tisch zu bekommen“, stellte er fest. Marion Brülls (Grüne) erinnerte daran, dass schon vor 20 Jahren über ein Blockheizkraftwerk am Volksfestplatz diskutiert worden sei. „Wir hätten uns viel Geld und Emissionen sparen können“, sagte sie. Aus ihrer Sicht sei außerdem die zentrale Wärmeversorgung in der Altstadt nicht gestorben.

Bislang wurde in Friedberg nur ein Projekt erfolgreich umgesetzt: Für nahezu das gesamte Neubaugebiet an der Afrastraße wird zwölf Grad kaltes Grundwasser in einer Tiefe von sechs Metern entnommen. Wärmetauscher übertragen die Temperatur des Wassers auf ein Gemisch aus Salz und Wasser, die sogenannte Sole, die über ein Leitungsnetz in die einzelnen Häuser transportiert wird. Dort heizen Wärmepumpen das Brauch- und Trinkwasser so stark auf, dass keine Gefahr eines Legionellenbefalls besteht. Das auf etwa sieben Grad abgekühlte Grundwasser wird über zwei Schluckbrunnen wieder den wasserführenden Schichten im Erdreich zugeführt.

An die 400 Menschen sollen einmal in dem innenstadtnahen Gebiet unterm Berg eine Heimat finden. Die Stadt errichtet zwei Wohnblöcke mit 67 Sozialwohnungen, dazu kommen vier Mehrfamilienhäuser und 17 Reihenhäuser, vier Doppelhaushälfte und mehrere Einfamilienhäuser. Die Lechwerke gaben während der Planungsphase den Anstoß für Überlegungen, hier ein neues Energiekonzept zu entwickeln.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Mit dem Landkreis als Partner kann Nahwärmenetz in Friedberg gelingen

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