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Kultur in Friedberg

11.08.2017

Stadtarchiv zieht 2018 um

Matthias Lutz zeigt den Thermohygrographen im Stadtarchiv - ein kombiniertes Registriergerät zum Messen von Lufttemperatur und -feuchtigkeit.
Bild: Elisa Glöckner

Das Museumsdepot bietet ausreichend Platz und gute konservatorische Bedingungen. Langfristig wird aber wieder ein Standort in der Innenstadt angestrebt .

Im Laufe des Jahres 2018 kehrt die Dauerausstellung der städtischen Sammlungen vom Museumsdepot im Businesspark wieder in Schloss zurück. Im Depot werden dann Flächen frei, die dem Stadtarchiv zur Verfügung stehen. Mit dieser Rochade soll zumindest vorübergehend das Raumproblem des Archivs gelöst werden, kündigte Bürgermeister Roland Eichmann an. „Langfristig trägt das aber nicht. Es muss Überlegungen geben, wie wir dauerhaft weitermachen.“

Wie berichtet, gibt es bereits seit zehn Jahren Diskussionen über die unzureichende Unterbringung des Friedberger Archivs. Im Gebäude an der Pfarrstraße 6 fehlt zum einen der Platz, zum anderen sind die klimatischen Bedingungen alles andere als optimal. Rund ein Viertel der Dokumente weise Schimmelbefall auf, berichtete Archivar Matthias Lutz. Gerade die wertvollsten Stücke, alte Ratsprotokolle, sind besonders angegriffen, weil sie schon zuvor im Verwaltungsgebäude am Marienplatz nicht richtig eingelagert waren.

Inzwischen sind Restauratoren dabei, die Schäden zu beheben. In zwei Punkten konnten sie bereits Entwarnung geben: Zum einen ist die Ausbreitung des Schimmels derzeit gestoppt, zum anderen gibt es keine irreparablen Zerstörungen. „Jetzt geht es darum, den Bestand zu stabilisieren“, sagte der Archivar. Der Schimmel werde Blatt für Blatt abgesaugt, gegen den Wurmfraß sind Pheromonfallen im Einsatz. Die Richtwerte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden laut Lutz eingehalten.

„Franz Reißner hat völlig recht gehabt, dass er seit Jahren immer wieder alarmiert hat“, räumte Bürgermeister Eichmann im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Der Kulturpfleger des Stadtrats hatte regelmäßig die Zustände im Archiv kritisiert – lange Zeit aber ohne Erfolg. Als im vergangenen Jahr das Gutachten eines Münchner Ingenieurbüros den Befall mit einem gesundheitsgefährdenden Pilzbefall festgestellt hatte, reagierte der Stadtrat schnell. Bereits für 2017 wurden Mittel für die Restaurierung der Archivalien bereitgestellt.

Parallel zur Sicherung des Bestands laufen die Überprüfungen, welche Teile der Sammlung aussortiert werden können. 560 laufende Meter Dokumente umfasst das Archiv. Für den Herbst 2018 ist dann der Komplettumzug ins Depot geplant, das die Stadt 2014 im Businesspark am See gebaut hat. Nach der Wiedereröffnung des Museums im Schloss sind dort ausreichend Lager- und Büroräume frei.

„Eine pragmatische Lösung“, erklärte Matthias Lutz. Ebenso wie der Bürgermeister findet der Archivar aber, dass die Dokumentensammlung aus Gründen der Identifikation eigentlich in die Innenstadt gehört – eine Meinung, die auch der Heimatverein vertritt. Das größte Hindernis dabei: „Wenn ich wirklich ein vernünftiges Archiv haben will, brauche ich einen Neubau“, sagte der Bürgermeister. Doch geeignete Flächen sind im Zentrum rar.

Da stehen dem Friedberger Stadtrat also noch einige Diskussionen bevor – ebenso wie in der Frage, was eigentlich mit dem Archivgebäude geschehen soll. Bisher wurden nur der Anstrich und die Fenster erneuert. Eichmann schätzt, dass aus Kapazitäts- und Finanzgründen erst im nächsten Jahrzehnt eine grundlegende Sanierung angepackt werden kann. Bis dahin kann es wie gewohnt für Ausstellungen und für den Musikunterricht genutzt werden. Ob es langfristig dabei bleibt, ist allerdings offen.

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