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06.03.2009

"Still und leise" zu einem Streetworker

Kissing Profis eingespannt hat die Gemeinde Kissing auf der Suche nach einem Streetworker in Teilzeitstellung (20 Stunden). Gestern wurde der Vertrag mit dem SIA (Sozialpädagogisches Institut der Augsburger Lehmbaugruppe e.V.) geschlossen, das sich jetzt auf die Suche nach einem geeigneten Sozialpädagogen machen kann.

Noch endgültig absegnen muss zwar der Kissinger Gemeinderat die Vertragslaufzeit von drei Jahren, da aber ist Bürgermeister Manfred Wolf ganz zuversichtlich. Schließlich hat das Gremium schon zugestimmt, dass die SIA die beste Wahl ist. "Wir haben dieses Feld in den Gremien still und leise beackert", erläutert Wolf, warum seit dem Ratsbeschluss, dass die Mittel für einen Streetworker heuer ausgegeben werden sollen, nichts mehr nach außen drang. "In der aufsuchenden Jugendarbeit gibt es Ergebnisse nicht gleich vorzuweisen, die lebt von längerfristigem Engagement", so Jürgen Mölle, der Geschäftsführer der SIA. Darum habe er dazu geraten, sich gleich drei Jahre zu binden. Das Geld sei gut angelegt.

Im diesjährigen Haushalt sind 27 000 Euro vorgesehen, das wird aber laut Wolf nicht ganz reichen, auch wenn die neue Kraft nicht vor dem 1. April anfängt. "Laut dem Fachkonzept braucht ein Streetworker ein gewisses Handgeld, denn er soll ja mit den Jugendlichen in Kontakt kommen. Dann tauschen sich die Streetworker untereinander aus, bilden praktisch eine Fachberatung untereinander. Und dann brauchen sie natürlich auch noch Arbeitsmittel", so Mölle. Das Kissinger JuZe dient dabei als Stützpunkt für den unabhängig arbeitenden Sozialpädagogen.

Überhaupt hält der SIA-Geschäftsführer Kissing für eine Gemeinde in einer noch glücklichen Lage: "Hier gibt es noch keinen Bereich, in dem schon etwas ,in den Brunnen gefallen' ist. Es gebe zwar die eine oder andere Auffälligkeit, einzelne Störungen, der Streetworker könne aber noch präventiv arbeiten. "Er wird noch nicht intervenieren müssen."

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Intakte Strukturen

Und er wird auf intakte Strukturen aufbauen können, auf ein Jugendzentrum, das seit Jahrzehnten funktioniert, auf eine Schulsozialarbeiterin, auf ein Mehrgenerationenhaus, mit denen allen er oder sie sich vernetzen kann. Und auf viele Vereine: Bürgermeister Wolf lud Mölle gleich zu einer günstigen Gelegenheit der Kontaktaufnahme ein: "Am 18. März haben wir unsere Vereinsvertreterversammlung, da können Sie gleich die aktiven Leute aus unseren Vereinen kennenlernen."

Der Landkreis werde keinen Zuschuss leisten, wusste Wolf. Etwas frustriert fügte er an: "Wir zahlen schließlich bloß 4,3 Millionen Euro an Kreisumlage - da können wir diese Kleinigkeit auch noch selber stemmen." Ihm und dem Gemeinderat geht es darum, Heranwachsenden, die sich nicht an Vereine oder ans JuZe binden wollen, Ansprechpartner anzubieten und ihnen das Gefühl zu nehmen, alleingelassen zu sein. "Ich selbst bin auch schon mehrfach mit Jugendlichen ins Gespräch gekommen, die mir dann ihr Herz ausgeschüttet haben." Denn oftmals stimme es bei kritischen Fällen auch im Elternhaus nicht. "Das, was ich da gemacht habe, kann ein Streetworker natürlich viel, viel besser", so Wolf.

Ob es zeitlich klappt mit der Anstellung bis zum 1. April, wollte Mölle nicht garantieren. "Mir ist es wichtig, eine Kraft zu finden, die schon auf Erfahrung zurückblickt."

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