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12.06.2019

Störche in Not – in der Region gibt es viele tote Küken

Störche haben eine gefährliche Kindheit. Neben dem Wetter sind oft auch Stromleitungen die Todesursache. Wenn sie ihren Kot auf solche Leitungen abgeben, sind sie meist sofort tot.
Bild: Gerhard Mayer

Nicht einmal die Hälfte der Jungstörche hat das Frühjahr überlebt. Das nasskalte Wetter machte ihnen zu schaffen. Ein anderes Problem dagegen lässt sich lösen.

Die Bilanz fällt bitter aus: Mancherorts starben alle Küken, anderswo weite Teile der Populationen. Die Situation der Störche in Augsburg und dem Umland ist kritisch. Im Landkreis Aichach-Friedberg stellt sich die Lage dramatisch dar. Insgesamt sind dort von 13 Küken acht gestorben. In Grimolzhausen, Teil der Gemeinde Pöttmes, überlebte durch das zeitweise kalte und nasse Wetter kein Einziges der vier Jungtiere, berichtet Gerhard Mayer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). In Pöttmes selbst kam eines von vier Küken durch. Unklar ist laut Mayer derzeit noch, ob der Nachwuchs in Aichach unbeschadet bleibt. Denn von den beiden Küken habe eines einen deutlich schwächeren Puls und stehe nur selten auf. Offenbar handelt sich um einen Nachzügler.

Besser sieht es grundsätzlich in Dasing aus. Die beiden dort lebenden Küken wirken gut genährt und haben die ungünstigen Wetterbedingungen gut überstanden. Gerhard Mayer vom LBV hat allerdings ein weiteres Jungtier bereits am 24. Mai tot unter dem Nest geborgen. Mayer geht davon aus, dass die Eltern ihr Küken runtergeworfen haben. Wäre das Tier tot im Nest geblieben, hätten Maden von Fleischfliegen das Essbare aufgefressen, erklärt Mayer. Das einzige Friedberger Storchenpaar kümmert sich bemüht um sein einziges Küken. Es ist wohlauf und zeigt keine Beeinträchtigungen.

Bewegen sich die jungen Störche lebhaft im Nest?

Im Augsburger Land scheinen die Storchenjungen die kalten Temperaturen und starken Niederschläge der vergangenen Wochen gut überstanden zu haben. Werner Burkhart, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Landkreis Augsburg (LPV), stattete erst vor wenigen Tagen einigen Nestern im südlichen Landkreis Augsburg einen Besuch ab. "Auf dem Kirchturm in Gennach kann man momentan ein Junges beobachten." Der junge Storch sei fit und groß und voll gefiedert, beschreibt Burkhart. In Hiltenfingen haben sogar beide Jungtiere im Nest auf einem Strommast die Kälte überlebt. "Sie machen einen guten Eindruck. Das erkenne ich an verschiedenen Merkmalen."

Der Experte vom LPV schaut sich zum Beispiel an, ob die Jungvögel sich lebhaft im Nest bewegen, ob sie auf die Eltern reagieren und ob das Gefieder schon so weit entwickelt ist, dass man keine Hautstellen mehr erkennt. Auch den Jungvögeln im Nest auf der Pfarrkirche Maria Immaculata in Zusmarshausen geht es nach den kalten und nassen Tagen gut. Sie sitzen in ihrem Nest und lassen sich von Mutter und Vater umsorgen. Den Zustand der Kleinen können Storchenfans leicht von zu Hause aus beobachten. Denn die Brauerei Schwarzbräu, die gegenüberliegt, hat bei sich auf dem Dach eine Webcam mit Livestream installiert.

Doch selbst wenn die Jungtiere die schwierigen Wetterverhältnisse überstehen, lauert meist in ihrer Nähe eine weitere Gefahr. Nach Erkenntnissen von Experten verunglücken wohl rund 25 Prozent der Jungstörche im ersten Lebensjahr durch Anflug an Strom- oder sonstige Leitungen. Nicht isolierte Sitzwarten auf Strommasten führen demnach zum Soforttod, wenn der manchmal über einen Meter lange Kotstrahl eine stromführende Leitung trifft. Aus diesem Grund informiert der Landesbund für Vogelschutz stets umgehend die Lechwerke und bittet um Isolierung der Leitungen, wenn Störche auf einem neuen Strommast ein Nest bauen.

Die Aufnahme zeigt ein Storchenküken, das Gerhard Mayer vom Landesbund für Vogelschutz am 24. Mai tot unter dem Nest der Eltern geborgen hat. Das nasskalte Wetter im Frühjahr hat dem Nachwuchs zugesetzt.
Bild: Gerhard Mayer

Die LEW Verteilnetz GmbH (LVN) ist zuständig für das regionale Stromnetz. Sie installiert in Abstimmung mit dem Vogelschutz, den Kommunen und Behörden Schutzmechanismen, erklärt LVN-Sprecher Ingo Butters. "Dazu gehört die Unterstützung bei der Montage von Nisthilfen für Störche oder eben auch die Isolierung von Leitungen an Storchennestern." Wenn LVN über ein Storchennest auf einem Strommast informiert wird, verschaffen sich die Mitarbeiter einen Überblick und stimmen die Schutzlösungen mit Vogelschützern ab. Dann werden zum Beispiel isolierende Kunststoffhülsen über die Leitungen gestülpt oder im Bereich des Nestes die Leiterseile durch eine isolierte Freileitung ersetzt. In der Region Augsburg hat LVN solche Schutzmittel zum Beispiel schon in Diedorf, Feinhausen, Dinkelscherben, Mittelneufnach, Bachern oder Dasing umgesetzt. Es gab aber auch schon den Fall, in dem LVN sich gegen eine Schutzvorrichtung entschieden hatte, da die Arbeiten die Vögel zu sehr bei der Brut beeinträchtigt hätten.

Wie erfolgreich diese Maßnahmen sein können, wird von Vogelschützern beobachtet. Der LBV pflegt seit Jahren Statistiken über die Populationen der Weißstörche. Die jetzige Zwischenbilanz habe noch nicht viel zu bedeuten. Es zählt letztlich nur das Ergebnis über die tatsächlich erfolgreich ausgeflogenen Jungstörche. Für diese Bilanz ist es jedoch noch zu früh.

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