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Aichach-Friedberg

10.02.2020

Sturmtief: Erste Bilanz für das Wittelsbacher Land

In der Friedberger Frühlingsstraße wütete der Sturm. Ein Baum stürzte auf ein Auto.
Bild: Willi Erhard

Plus Am Nachmittag ziehen Einsatzkräfte eine erste Bilanz zum Orkan „Sabine“: Notbetrieb an Schulen, kein ÖPNV - und ein Bäcker, der dem Sturm davon fährt.

Gegen 4 Uhr morgens erreichte der Orkan „Sabine“ am Montag das Wittelsbacher Land – genau die Uhrzeit, zu der Bäckermeister Richard Scharold in Derching in den Lieferwagen voll Brot stieg. „Auf dem Weg nach Altomünster konnte ich gerade noch von Tödtenried nach Kiemertshofen fahren, gleich hinter mir wurde die Straße wegen umgestürzter Bäume gesperrt“, erzählt er später.

Auch sonst musste er auf seiner Tour Umwege in Kauf nehmen. Aber: Alles wurde ausgeliefert, alle Mitarbeiter waren pünktlich und unbeschadet erschienen. Nur in der Laimeringer Filiale drückte der Sturm ein Fenster ein. „Das hat die Feuerwehr in einer Viertelstunde repariert.“ So wie der Friedberger Bäcker waren am Montag viele im Wittelsbacher Land betroffen von dem Orkan, Helfer waren im Dauereinsatz; schlimme Schäden gab es zum Glück nicht.

Einsatzkräfte in Aichach-Friedberg ab 4 Uhr morgens im Einsatz

Der Unterricht an allen Schulen war am Sonntagabend abgesagt worden, Kinder wurden jedoch bei Bedarf betreut; viele Kindertagesstätten hielten einen Notbetrieb aufrecht. Polizei, Feuerwehren und Bauhöfe waren ab 4 Uhr morgens im Einsatz, im Landratsamt hielt sich die Führungsgruppe Katastrophenschutz bereit. In mehreren Orten fiel zeitweise der Strom aus.

In Aichach, Friedberg und Mering wurden Krisenstäbe eingerichtet, welche die Lage vor Ort im Blick behielten. Laut Landratsamt gab es im Raum Friedberg allein bis zum Mittag 90 Einsätze, in Aichach 25 und in Mering 20 Einsätze.

An einem Industriegebäude im Gewerbegebiet Kissing Mitte wurde die Fassade zerstört.
Bild: Bernhard Weizenegger


Der folgenschwerste Unfall im Landkreis ereignete sich um 6.15 Uhr auf der Straße von Bachern nach Ottmaring: Ein 53-Jähriger fuhr dort nach Angaben der Polizei Friedberg auf Höhe des Trimm-dich-Pfades gegen einen umgestürzten Baum. Der Fahrer und sein 51-jähriger Beifahrer wurden leicht verletzt ins Krankenhaus Friedberg gebracht.

Orkan "Sabine" legt den Verkehr in Aichach-Friedberg lahm

Auf den Verkehr hatte das Sturmtief insgesamt erhebliche Folgen: Zahlreiche Straßen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt, teils in Wohnvierteln, teils kleine Ortsverbindungsstraßen, jedoch auch wichtige Staatsstraßen wie die zwischen Friedberg-Ottmaring und Bachern sowie der Autobahnzubringer zwischen Ried-Zillenberg und Weitenried. Die Sperrungen dauerten oft länger, weil die Feuerwehren und Bauhöfe wegen der gefährlichen Situation die Schäden nicht gleich beseitigen konnten, berichtete die Polizei. Auch der ÖPNV lag zeitweise darnieder.

Wie heftig Sturm Sabine über den Süden Bayerns fegt, machen diesen Dachziegel deutlich, die vom First eines Wohnhauses in Mering im Garten einschlugen.
Bild: Bernhard Weizenegger


Die Bayerische Regiobahn verschob ihren Betriebsstart immer wieder nach hinten; die Strecke Augsburg-Ingolstadt war wegen Bäumen auf dem Gleis weithin gesperrt. Schulbusse fuhren ohnehin keine. Der AVV schickte zwar morgens Busse los, stellte den Betrieb jedoch zwischen 7.30 und 12 Uhr wieder ein. Weil die Fahrzeuge der Stadtwerke Augsburg trotz Sturm und Regen im Einsatz waren, erhielt die Firma Demmelmair auf Bitten von Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann einen Notbetrieb vom Park-and-ride-Platz hinauf in die Kernstadt aufrecht.

Nur wenige Schüler kommen zur Schule

Landrat Klaus Metzger hatte bereits am Sonntagabend offiziell informiert, dass die Schulen im gesamten Landkreis geschlossen bleiben. Es gab aber einen Notdienst. Kreisbrandrat Christian Happach sagt dazu: „Es war die richtige Entscheidung, die Schulen zu schließen.“ Am Gymnasium Mering löste sich laut Schulleiter Josef Maisch zum Beispiel ein Blech vom Gebäude und fiel auf die Ambérieustraße. Zudem war nach Angaben des Kreisbrandrats die Schulwegsicherheit nicht gegeben. Umherfliegende Dachplatten, Mülltonnen oder Altkleidercontainer könnten sich zu gefährlichen Geschossen entwickeln.

Sturm Sabine hinterlässt Schäden: Nahe der Straße nach Ruperetszell wurde vom Sturm die Birke entwurzelt.
28 Bilder
Sturmtief Sabine: Das sind die Schäden im Wittelsbacher Land
Bild: Erich Echter

Eltern und Schüler hatten sich auf die Situation eingestellt. Sie waren, so weit möglich, am Sonntagabend informiert worden. An den Einrichtungen erschienen keine oder nur sehr wenige Kinder und Jugendliche. Nur ein einziges Kind musste zum Beispiel an der Affinger Grundschule betreut werden. Seine Eltern hatten einen wichtigen Termin und nahmen daher das schulische Angebot wahr.

So sieht es mit der Müllabfuhr in Aichach-Friedberg aus

Die Müllabfuhr war anfangs noch unterwegs, die Firmen stellten die Abfuhr aber dann ein, und zwar für sämtliche Gefäße (Restmüll-, Bio-, Papiertonne) und die Gelbe Tonne, die von der Firma Kühl geleert wird. Die Gefäße sollen laut Landratsamt ab Dienstag wieder bereitgestellt werden, weil die Firmen die Abfuhr dann wieder aufnehmen wollen. Die (Nach-)Leerungen werden bei Bedarf auch noch am Samstag durchgeführt.

Die Wertstoffsammelstellen wurden am Montag ebenfalls geschlossen und werden angesichts der weiteren Wetteraussichten auch Dienstag nicht geöffnet.

Lesen Sie auch den Kommentar: Gemeinsam gegen den Orkan gekämpft

Hier geht es zu dem Bericht, der ständig aktualisiert wird: Orkantief "Sabine" fegt über das Wittelsbacher Land

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