Newsticker
Dänemark verzichtet auf Corona-Impfstoff von Astrazeneca
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Sven Freund aus Rinnenthal veredelt Oldtimer

Friedberg-Rinnenthal

30.01.2021

Sven Freund aus Rinnenthal veredelt Oldtimer

Mit seiner eigenen Yamaha hat Sven Freund vor drei Jahren begonnen, sich seinen Traum von der eigenen Firma zu erfüllen.
Foto: Jackseven

Plus Sven Freund hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Unter dem Namen Jackseven patiniert der Rinnenthaler alte Autos und Motorräder.

Alles fing an, als Sven Freund seine geliebte 22 Jahre alte Yamaha herrichtete. Original seien seitdem nur noch der Motor, die Reifengröße und der Tank, erzählt der Motorrad freak. Alle sonstigen Teile hat er neu eingebaut und seinem Motorrad einen neuen "verwegenen" Look verpasst. Den Kotflügel hat er mit der Hand gefertigt, die Kupferleitungen blitzen in der Sonne. Und das hatte Folgen: Was vor drei Jahren als Hobby begann, ist heute ein florierendes Geschäftsmodell.

Oldtimer: So kam Sven Freund aus Rinnenthal zu seinem Job

Stolz präsentiert der große schlanke Mann mit Bart und langen Haaren seinen "Bobber", wie er sein Zweirad jetzt nennen darf, vor seinem Haus in Rinnenthal. Seit zehn Jahren wohnt der gebürtige Münchner mit seiner Frau und seinem Sohn hier. Er fühlt sich pudelwohl auf dem Dorf und schätzt die gute Lage. Auf seinen zwei Reifen ist er viel unterwegs. "Für mich ist das wie eine Therapie, wenn ich für zwei Stunden mal schnell an den Ammersee fahren kann. Das liebe ich", schwärmt er.

Jedes Fahrzeug soll eine Geschichte erzählen: Zurzeit richtet Sven Freund in seiner Werkstatt eine hellblaue Ape aus dem Jahr 1966 her.
Foto: Sabine Roth

Der gelernte Karosseriebauer und Oldtimer-Restaurator erzählt: "Das viele Chrom und den Hochglanzlack meiner geliebten Yamaha zu putzen, kostete damals viel Zeit. Ein kleiner Kratzer tat schon sehr weh. So entschied ich mich, sie verkratzt zu lassen und machte mich ans Werk." Ein paar Lackdosen, Farben, Pinsel, Schleifpapiere, Schwämme und weitere Werkzeuge stehen im Regal in seiner kleinen Werkstatt. Mehr braucht er nicht zum Arbeiten.

Als er mit seiner auf alt gestylten Maschine bei einem Motorradtreffen vorfuhr, waren die Biker begeistert. "Nur Kenner wissen, dass es keine Harley ist. Mit dieser Patina ist aus meinem Motorrad etwas Besonderes geworden", sagt der 55-Jährige. Weil ihn dann immer mehr Motorrad- und Oldtimerfans ansprachen, ob er auch ihr Fahrzeug so stylen könnte, investierte er in dieses Hobby immer mehr Zeit. Die Firma Jackseven war geboren. Seinen Job als Projektleiter in Friedberg gab er auf und konzentrierte sich voll auf seine Leidenschaft: authentische Patina-Lackierung und Lackarbeiten im "Rat Rod Design".

Rinnenthal: Wie kam es zu dem Namen Jackseven?

Wie er zu dem Namen Jackseven Rat Bike Customs und Jackseven Fine Patina Art? In jungen Jahren war Freund mit dem Rucksack in der ganzen Welt unterwegs. Asiaten sagten oft Seven zu ihm, weil sie Sven nicht über die Lippen brachten. Und er ergänzte einfach Jack dazu.

Im Moment steht in seiner kleinen Werkstatt eine Ape aus dem Jahr 1966, die er für einen Sammler aus Nürnberg herrichtet. "Für unsere anspruchsvollen Sammler werden historischen Lacke eingemessen und in ihrer originalen chemischen Zusammensetzung reproduziert", sagt er. Von einer echten Patina ist seine mit der Hand künstlerisch aufgebrachte Patina schwer zu unterscheiden. Alle Arbeiten sind mit den Auftraggebern abgestimmte Unikate.

So sieht die 22 Jahre alte Yamaha von Sven Freund heute aus. Mit diesem Bobber hat alles begonnen.
Foto: Jackseven

Bevor er sich ans Werk macht, versetzt er sich in das Fahrzeug hinein und überlegt, wie es ausgesehen haben könnte. Dazu sucht er nach Originalbildern. Denn: "Jedes Fahrzeug soll eine Geschichte erzählen - mit Gebrauchsspuren. Es soll leben." Freund ist einer der wenigen Patinierer in Deutschland. In Zeiten von Corona sind zwar keine Treffen und Messen. Auch der Oldtimer-Stammtisch in Friedberg, wo er regelmäßig dabei ist, fällt aus. Doch er weiß sich zu helfen. Seine Website hat er Suchmaschinen-optimiert, wobei ihm sein Marketingstudium half, und eine Facebook-Seite mit über 11.000 Followern bringt ihm Kunden.

Sven Freund aus Friedberg-Rinnenthal lackiert Autos aus ganz Deutschland

Es kommen immer mehr Anfragen für US-Cars, VW Käfer, Hot Rods, Vespas und viele weitere. Freund sucht sich seine Kunden selbst aus: "Ich muss mich mit ihnen gut verstehen, und es muss einfach passen. Wenn das nicht gewährleistet ist, dann lehne ich den Auftrag ab." Er freut sich schon auf den nächsten Kunden, einen Porsche-Restaurator.

Matthäusmarkt: Beim Marktsonntag in Friedberg rollten die Oldtimer an
29 Bilder
Oldtimer-Treffen in Friedberg
Foto: Oliver Wolff

Seine Preise richten sich nach dem Zustand des Fahrzeugs, dem Material und dem Arbeitsaufwand. So wie seine Yamaha wird jedes Motorrad zu einem besonderen Charakter. Das können abgewetzte Lackschichten sein, echter Rost oder Farbschichten, die es älter aussehen lassen. Mit alten Trittbrettern aus Holz könne man zusätzliche schöne Details in Szene setzen, weiß Freund. Oft erkenne man gar nicht mehr, welches Bike sich dahinter verbirgt.

Zum Abschied winkt er mit seinem Handy, seinem "Mini-Büro", das 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche geöffnet hat. Denn Sven Freund brennt für seine Leidenschaft, und seine Fans und möchten es keine Sekunde mehr missen. Sein größter Wunsch: seine Lackkunst in die Welt zu bringen.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren