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Sportskanone

11.12.2019

Trotz Verletzung: Anja Völker aus Dasing lebt ihren Kung-Fu-Traum weiter

Anja Völker, ehemalige Kung-Fu-Weltmeisterin, leitet seit einigen Jahren ihre eigene Kung-Fu-Schule in Dasing. Die 46-Jährige kann auf beachtliche sportliche Erfolge zurückblicken und weiß, wie man im Shaolin zwei Gegner mit Doppelschwertern abwehrt.
Bild: Sabine Roth

Plus Für Anja Völker aus Dasing ist die chinesische Kampfkunst Kung Fu das Größte. Eine Verletzung beendet ihre Karriere. Nun trainiert sie Kinder und Erwachsene.

Etwas nachdenklich wird Anja Völker schon, wenn sie von ihrer aktiven Laufbahn und ihren großen Erfolgen im Kung Fu erzählt. Im Jahr 2014 beendete die selbstständige Physiotherapeutin ihre aktive Karriere wegen einer Knieverletzung. „Sollte mir so etwas nochmals passieren, dann bin ich lange außer Gefecht gesetzt und das kann ich mir nicht mehr leisten“, sagt die 46-Jährige, die in Dasing ihre eigene Kampfschule hat.

Völker hat in Dasing eigene Schule für Kung Fu

Mit ihrer School of Chinese Kuoshu Dasing lebt sie ihren Traum weiter. In ihren Kursen trainieren Erwachsene und Kinder immer gemeinsam. „Kinder werden selbstbewusster, wenn sie den Erwachsenen ihr Können zeigen dürfen. Das funktioniert wunderbar“, sagt Völker. Kinder merken, dass Erwachsenen andere Stöße machen als sie. Das kann schon mal wehtun. Aber nur so lernen sie, ihre Technik anpassen. Dabei lernen sie sehr viel dazu. Das Vorurteil „Pampers-Liga gegen alte Herren“ komme dann erst gar nicht auf, weiß die Kung-Fu-Meisterin. Momentan gehen ihre Schüler nicht auf Wettkämpfe, weil viele Jugendlichen aufgrund der Ausbildung oder des Studiums aufgehört haben und sie den Nachwuchs erst aufbauen müsse.

Anja Völker kommt eigentlich aus dem Judo, wo der Schwerpunkt auf Wurf- und Hebetechniken liegt. Kung Fu ist mehr. Hier nimmt man auch mal Waffen und Stöcke oder exotische Hilfsmittel wie Fächer, den Mondsichelstab oder Löwen für die Kampfkunst her. Zum Kung Fu kam Anja Völker durch Zufall über einen Bekannten, dessen Tochter diese chinesische Kampfkunst ausübte. Das hat ihr dann sehr gut gefallen. Ihren ersten Meistergrad erlangte sie durch viel Zeit und harte Arbeit – übersetzt heißt Kung Fu „harte Arbeit“.

Völker aus Dasing: Kung Fu war in Ostdeutschland etwas Neues

Damals war Anja Völker 18 Jahre alt und wohnte noch in Dessau in Ostdeutschland. „Nach der Wende war Kung Fu etwas Neues. Wir waren 100 Mitglieder im Verein und bestritten viele interne Turniere. Wir traten Mann gegen Mann gegeneinander an und mussten Formenlaufen“, schwärmt Anja Völker. Das Formenlaufen ist wie eine Kür. Hier sind der kämpferische Aspekt, die Kraft, die Geschmeidigkeit der Bewegung und die Ausdauer gefragt. „Sehr bald haben wir uns im nationalen Vergleich mit anderen Kung-Fu-Schulen gemessen. Bald ging es dann auch international weiter“, erzählt Völker. Schnell war sie eine der Besten in ihrer Klasse. Im Jahr 1996 wurde sie Weltmeisterin im Vollkontaktkampf. Damit hat sie angefangen. „Leider ist das sehr verletzungsträchtig. Als ich dann meine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht haben, ging ich nur mehr zum Formenlauf über“, sagt Völker.

Auch hier feierte sie bald internationale Erfolge. Ihr persönlich größter war ein Shaolin-Contest in Ütrecht, Holland. Daran erinnert sie sich sehr gerne. Durch ihre Chinareise im Vorfeld, wo sie zehn Tage lang bei Shaolin-Mönchen ein Top-Training in einem Kloster genossen hatte, war sie optimal vorbereitet. Sie zeigte die beste Kür von 63 Teilnehmern.

Dasingerin kam durch Neffen und Nichten zu ihrer Kung-Fu-Schule

Bewertet wurde dieser Formenlauf von Shaolin-Mönchen. Seitdem ist der Kampf bei der Sportlerin ins Hintertreffen geraten, obwohl sie deswegen eigentlich mit Kung Fu angefangen hatte. Diese Philosophie hat sie seitdem beibehalten und gibt es so auch weiter. Bei ihren Kindern, die sie unterrichtet, steht auch nicht der Kampf im Vordergrund: „Sie sollen sich bewegen und einfach Spaß haben.“

Zu ihrer eigenen Kung-Fu-Schule kam sie über ihre Neffen und Nichten: „Sie wollten diese Sportart von mir unbedingt lernen. Das Interesse wurde immer größer und es kamen immer mehr Kinder aus der Region dazu“. Seit 13 Jahren wohnt sie in Aichach und fühlt sich dort sehr wohl. Sie arbeitet als Physiotherapeutin und hat dort inzwischen eine eigene Praxis.

Völker will mit Schülern Kung-Fu-Wettkämpfe bestreiten

„Im Jahr 2008 habe ich dann meine School of Chinese Kuoshu Dasing gegründet“, sagt Völker – und eine eigene Schule sei schon etwas Besonderes. Für viele Kinder sei es heute eine Überwindung, auch mal laut „Stop“ zu rufen. Bei der Kung-Fu-Meisterin lernen sie das. Sie werden selbstbewusster und beherrschen Techniken, um sich zu wehren. In der heutigen Zeit wird das immer wichtiger, sich auch gegen Erwachsene zu behaupten.

Völkers Traum ist es, wieder eine gute Mannschaft an Jugendlichen zu haben, mit denen sie auf Wettkämpfe gehen kann. Sie hofft auf den Nachwuchs, den sie selbst ausbildet. Sehr gerne zeigt sie ihren Schülern auch die Ursprünge des Kung Fu, und fährt mit einer Gruppe alle paar Jahre „zum Trainingslager“ in das berühmte Shaolin-Kloster in der Provinz Henan.

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