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Friedberg

22.10.2015

Über diese Grammatik lacht die junge Kurdin

Auch für Kinder wie Lilava Mohammad, die aus Syrien kommt, ist die neue Asylothek der Friedberger Stadtbücherei gedacht.
Bild: Andreas Schmidt

Die neue Asylothek der Stadtbücherei hilft dabei, Deutsch zu lernen. Auch aus einem anderen Grund brechen morgen neue Zeiten an.

Von Andreas Schmidt

Dieses Deutsch-Grammatikbuch bringt die elfjährige Lilava zum Lachen. Da wird mit Fotos eines Mopses erklärt, was freudig und traurig bedeutet. So etwas hätte die junge Kurdin gut zum Lernen gebrauchen können, als sie vor zwei Jahren ohne Deutsch-Kenntnisse nach Friedberg kam. Die „Grammatik in Bildern“ zählt zur neuen Lektüre in der Friedberger Stadtbücherei. Sie präsentiert zum Tag der Bibliotheken am Samstag, 24. Oktober, ihre neue Asylothek. Damit stellt sich die Bücherei ein auf die steigende Zahl von Asylsuchenden.

Auch eBooks sind jetzt zu haben

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Neue Zeiten für viele Leser brechen morgen auch an mit der neuen eBook-Ausleihe. Auf einen Schlag können sie 16500 zusätzliche Medien (bisher 23000) dann online ausleihen. Weil das von überall her möglich ist, wäre ein Gang in die Stadtbücherei hinter der Stadtpfarrkirche theoretisch nicht mehr nötig. Doch am Tag der Bibliotheken will die Stadtbücherei mit Aktionen zeigen, dass es sich weiterhin lohnt vorbeizuschauen.

Büchereileiterin Eva Michl setzt darauf, durch die neue eBook-Ausleihe neue Nutzer zu gewinnen. Aus Erfahrungen andernorts weiß sie, dass beispielsweise Pendler, die gerne im Zug lesen, zum eBook greifen. Sie selber hat bisher das klassische Buch bevorzugt. Doch inzwischen weiß Eva Michl selber, die Vorzüge eines kleinen handlichen mobilen Endgeräts zu schätzen. Für den Urlaub an einem österreichischen See hat sie sich die Lektüre auf einen eBook-Reader geladen. Auch ein dicker schwedischer Krimi nimmt da keinen Platz weg.

Für die eBook-Ausleihe hat sich die Stadtbücherei dem Onleihe-Verbund Leo-Sued (Lesen Online Südbayern) angeschlossen. Daran beteiligt sind neuerdings 47 öffentliche Büchereien in Südbayern. Die Meringer Bücherei war schon vor der Friedberger mit dabei. Federführend bei Leo-Sued ist der St.-Michaelsbund, über den die Stadtbücherei auch die meisten richtigen Bücher bestellt. Eva Michl findet das Online-Ausleihen selbsterklärend. Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei helfen Interessenten aber gerne weiter. Neue – auch digitale – Leser müssen dort eh zumindest einmal vorbeischauen, um sich den Büchereiausweis zu besorgen.

Gibt es hitzefrei in Afrika?

Willkommen sind in der Stadtbücherei alle – auch Asylbewerber. Darum übernimmt Eva Michl eine mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Idee. 2012 wurde die erste Bücherei in einem Nürnberger Asylbewerberheim als Asylothek eröffnet. Mittlerweile findet sie deutschlandweit Nachahmer – nun auch in der Friedberger Stadtbücherei, wenn auch in kleinerem Rahmen. Immer wieder sind Tür an Tür gleich nebenan im Pfarrzentrum Asylsuchende für Sprachkurse oder Begegnungen. Nur vereinzelte von ihnen nutzen aber das Angebot der Bücherei.

Erweitert wird es jetzt um die Asylothek. Zu Beginn ist das ein kleiner Bücherturm nahe der Bedienungstheke. Dort stehen Bücher für Kinder und Erwachsene, die anschaulich dabei helfen, Deutsch zu lernen und Deutschland kennenzulernen. Die Asylothek ist aber keineswegs nur für Asylbewerber gedacht, sondern auch für alle anderen, die sich für das Thema interessieren. So kann man Fluchtgeschichten lesen, etwas über fremde Länder erfahren und bekommt eine Antwort beispielsweise auf die Frage: „Gibt es hitzefrei in Afrika?“

Die junge Kurdin Lilava Mohammad hat sich hingegen vorab ein Buch über Athen ausgeliehen. Denn das war eine Zwischenstation ihrer Familie auf der Flucht von Syrien nach Deutschland. Als sie vor zwei Jahren nach Friedberg kamen, sprach Lilava noch kein Deutsch. Da hätten ihr Bücher aus einer Asylothek helfen können. Doch mittlerweile hilft die Elfjährige selber in der Stadtbücherei mit – beispielsweise beim Einsortieren. Selber liest sie am liebsten Barbie-Bücher. Ein Zeichen, dass Lilava als ganz normales Mädchen in Friedberg angekommen ist.

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