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Zum Tod von Fred Rai

26.04.2015

Über einen der letzten Cowboys unserer Zeit - ein Nachruf

Fred Rai ist im Alter von 73 Jahren gestorben.
Bild: Fred Schöllhorn

Am Freitag starb Western-City-Gründer Fred Rai, 73, bei einem Reitunfall. Sein Lebenswerk bleibt.

Die letzten Minuten verbrachte er auf dem Rücken seines Pferdes: Fred Rai, 73, Gründer des Erlebnisparks Dasinger Western-City im Landkreis Aichach-Friedberg, starb am Freitagabend bei einem Reitunfall, nach Auskunft der Notärzte an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Ideen aber leben weiter: Am Samstag zogen Darsteller im Westernlook durch die Augsburger Innenstadt und verteilten Werbeprospekte für die Eröffnung der Westernsaison am 1. Mai. Sie waren überzeugt: „Er hätte es gewollt, dass wir weitermachen.“ Auch in Zukunft soll es die Süddeutschen Karl-May-Festspiele geben, die am 27. Juni eröffnet werden. Für den Bösewicht, den Fred Rai bei „Der Schatz im Silbersee“ mimen sollte, muss Western-City-Geschäftsführer Volker Waschk jetzt einen neuen Darsteller suchen.

Ersetzen kann Fred Rai in seiner Westernstadt ohnehin keiner: Seit annähernd 50 Jahren beschäftigte sich Manfred Raible, wie Rai mit Geburtsnamen hieß, mit Pferden. Er hat ihre Psyche und Verhaltensweise studiert. Er war der Erste, der vor mehr als 20 Jahren in seinem Buch „Ohne Peitsche, ohne Sporen“ darüber berichtete, wie der Mensch gewaltlos ein Pferd anleiten kann. Dass seine Überzeugung wissenschaftlich bestätigt wurde, bezeichnete Rai einst als „Krönung seines Lebenswerks“. Bis heute trägt der Reitstil seinen Namen: Rai-Reiten.

Fred Rai wurde als "singender Cowboy" bekannt

Rais künstlerischen Schaffen basierte auf einer fundierten Klavier-, Gitarren- und Gesangsausbildung. Als „singender Cowboy“ wurde er bekannt: Schallplatten im Western-City-Museum zeugen davon. Er unterhielt sein Publikum auf seinem berühmt gewordenen Pferd Spitzbub bei weit mehr als 7000 Auftritten und in über 150 Fernsehshows. Ein Pferdeleben reicht freilich nicht für so viele Auftritte: Mal war Spitzbub ein brauner Hengst mit weißer Stirn, mal ein Rappe.

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Immer wieder kam Fred Rai mit Spitzbub auf Märkten und Volksfesten den Menschen nahe. Oder er ritt in ein Seniorenheim. Oder in eine Schule. Oder ins Augsburger Hotel Drei Mohren zum Faschingsball. Parkett oder Treppen? Für Spitzbub kein Problem. Fred Rai – dieser Name wird durch solcherlei Anekdoten bleiben.

Als Cowboy mit Pferden und einer eigenen Westernstadt verwirklichte Fred Rai bis zu seinem Tod am 24. April 2015 seinen Kindheitstraum in Dasing.
14 Bilder
So lebte Fred Rai seinen Traum vom Wilden Westen
Bild: Sebastian Richly

Daran erinnern werden sich viele Prominente, mit denen Rai zu tun hatte. Schauspieler wie Horst Janson oder Karin Dor, die bei den Karl-May-Spielen aktiv waren. Oder der legendäre Film-Winnetou Pierre Brice, der in Dasing von den Fans bestürmt wurde. Unvergessen ist aber auch Rais Versuch um die Jahrtausendwende, die Western-City zu verkaufen. Ein Betrüger übergab ihm statt eines Koffers voller Geld einen, der in der Hauptsache mit Zeitungspapier gefüllt war. Vor dem Augsburger Landgericht erstritt sich Rai sein Recht – und behielt die City, mit der er vor zwei Jahren noch einmal viel Ungemach erlitt: Bei einem Brand entstand großer Sachschaden. Erst vor kurzem erstrahlte die Westernkulisse in neuem Glanz. Mit der Gründung des Erlebnisparks 1980 hatte sich Rai einen Kindheitstraum erfüllt.

Fred Rais neuestes Buch: "Wiedersehen im Paradies"

Für seinen Einsatz um einen artgerechten Umgang mit Tieren erhielt er unter anderem die Ehrenurkunde des Deutschen Tierschutzbundes. Vor ein paar Jahren veröffentlichte er ein neues Buch: Darin zeigt er sich überzeugt, dass er auch im Jenseits mit seinen Pferden vereint sein würde. Wie er es nannte? „Wiedersehen im Paradies.“

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