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Einmachen in Mering

14.07.2018

Über süße saure Gurken und andere Genüsse

Gurken und Paprika im Glas gehören zu den Klassikern.
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Gurken und Paprika im Glas gehören zu den Klassikern.
Bild: Manuela Krämer

 Einmachen liegt wieder im Trend. Die Vielfalt im Glas zu konservieren, geht erstaunlich leicht von der Hand und schmeckt nach mehr. Der Obst- und Gartenbauverein zeigt, wie es geht.

Alte Rezepte und moderne Kochkunst vertragen sich gut. Das möchte der Obst- und Gartenbauverein Mering zeigen und pflegt eine lange Meringer Tradition, das Einmachen nicht nur von Essiggurken. Dazu trafen sich etwa 15 Teilnehmer am Vereinsheim in der Leonhardstraße zum Austausch mit Verkostung.

Das Haltbarmachen ist heuer besonders wichtig, denn 2018 ist ein Mastjahr. So bezeichnet man Jahre mit maximaler Samenproduktion in Wald und Flur.

„Bei mir platzt bald die Gefriertruhe, so viele Himbeeren haben wir dieses Jahr“, sagt Christian Galitzendorfer. Mit Tochter Josefine lauscht er gespannt den Einmachtipps. Tochter Josefine probiert derweil verschiedene Köstlichkeiten.

Dass nicht nur Gurken in den Gläsern schwimmen, kommt vielen gelegen, denn in den Gärten wuchern auch Zucchini, Paprika und weitere Früchtchen. Durch das Haltbarmachen kann man auch im Winter noch den Obst- und Gemüsesegen genießen.

Ohne Einkochen, ein Festessen an Heiligabend

„Einkochen war früher die Technik, die beherrscht werden musste, wenn man an Heiligabend noch etwas auf dem Teller haben wollte“, erklärt die erste Vorsitzende, Regina Martin, die Tradition. „Damals konnte man nicht am 24. Dezember eben in den Edeka gehen und einkaufen“, sagt sie. Das brauchen die Anwesenden auch heute nicht, denn die meisten haben Eingelegtes unterschiedlichster Art mitgebracht. Glas an Glas stehen hier Klassiker, wie saure Gurken „Meringer Art“, neben pikanten Gurken mit Paprika oder anderen Mischungen. Auch scharfe Zwiebel-Chutneys, Zucchini und Spargel stehen auf dem Tisch.

Geschwärmt wird von Gisela Schweglers Zitronengurken. Das Rezept? „Einfach“, sagt sie, „Man braucht nichts abzumessen. Ich paniere die Gurken mit dem Zucker bevor ich sie ins Glas stelle. Dann kommen Zitronenscheiben dazwischen, etwas Salz und ein Spritzer Zitronensaft darüber und ab in den Ofen.“

Sind die „Früchtchen“ samt heißem Sud und Gewürzen erst im Glas, kann man sie länger haltbar machen. Dazu braucht man nicht unbedingt einen klassischen Einkochtopf oder einen Schnellkochtopf mit Drahtgitter, erklärt Regina Martin. Besonders praktisch sei das Sterilisieren im Backofen. Dazu stellt man die Gläser auf ein tiefes Backblech ins Wasserbad und erhitzt das Ganze auf 150˚ C.

Eingekocht wird, was schmeckt. So schwärmt Franz Bachl für seine Zucchini im Glas, die er mit Kräutern würzt: „Liebstöckel, Petersil, Zwiebel und alles, was im Garten wächst, kommt dazu.“

Als Renate Bachl ihre rohgerührte Gemüse-Würzpaste aus der Tasche zieht, nicken alle anerkennend. Für die vitaminreiche Basis für Suppen oder Salatsaucen dreht sie einfach 1 Kilogramm Gemüse roh durch den Fleischwolf, fügt 250 Gramm Salz sowie Gewürze dazu und füllt die Würze in dunkle Gläser. „Das ist besser als alles andere“, sagt sie, vor allem ohne künstliche Zusatzstoffe.

Ein paar Dinge gebe es beim Einmachen zu beachten, fügt Regina Martin hinzu, denn nicht jedes Gemüse sei geeignet, manche, wie rohe Bohnen, giftig. Selbstgezüchtete Kürbisse, Zucchini und Gurken können sogar tödlich sein, wenn zu viel Bitterstoff enthalten sei, warnt sie. Saatgut solle z.B. nie selbst gewonnen werden, wenn giftige Zierkürbisse in der Nachbarschaft wachsen. Da die Befruchtung über Bienen erfolge, könnten so gefährliche Kreuzungen entstehen.

Gurken und Kraut sind nicht nur in Privathaushalten bereits seit Generationen beliebt. Einst gab es viele Gurken- und Krautbauern im Landkreis Aichach-Friedberg, die für die nahen Konservenfabriken, wie Sponsel in Merching, Scherer in Mering oder Durach im Todtenweiser Ortsteil Sand.

Seit wenigen Jahren ist die Tradition des Einkochens bei der jüngeren Generation von Köchen angekommen. So tauchen plötzlich die Rezepte der Ur-Großmütter im „Clean Cooking“, dem angesagten Kochen ohne Fertigprodukte, wieder auf. Den Einmach-Trend fördert auch die wachsende Gruppe von Veganern auf ihrer Suche nach Rezepten ohne Fleisch, Eier, Milch und anderen tierischen Produkten.

Wer den Meringer Obst- und Gartenbauverein mit seinen vielfältigen Angeboten kennen lernen will, hat dazu beim großen Sommerfest Gelegenheit. Dieses findet am Samstag, 22. Juli ab 10.30 Uhr statt an der Vereinshütte in der Leonhardstraße statt. Es gibt eine Feldmesse, Biergarten und Kinderprogramm.

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