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Weihnachtsspiel

24.12.2014

Überfüllt und doch familiär

Ein großer Teil des Publikums kennt die Geschichten, doch alle lauschen gebannt, wenn die Well-Familie ihre Weihnachtsgeschichte erzählt.
Bild: Manuela Rieger

Die Wells zaubern ein Lächeln auf die Gesichter in Herrgottsruh

Scharen fanden die Geschichte vom Christkind imponierend. Wie seit Generationen war der Auftritt der Familie Well mit ihrem familiär geprägten Krippenspiel „Grüaß di Gott Christkind“ aus der Feder von Urgroßvater Hermann Well ein familiäres Ereignis, und sorgte in Friedberg doch für eine überfüllte Wallfahrtskirche Herrgottsruh.

Dieses Krippenspiel des ehemaligen Dorflehrers bietet ein sehr freies Potpourri an Spielszenen mit Herbergssuche, Musik und Liedern. Die Darsteller sind keine Profis. Inzwischen machen auch die Urenkel in der fröhlichen Schar der Nachkommen mit. Viele agieren routiniert, manches bleibt improvisiert. Und Traudl Well, umgeben von Kindern, Enkeln und Urenkeln, zupft in ihrem hohen Alter immer noch die Zither. Immer wieder regiert der Reiz der Unvollkommenheit, der jedem Besucher ein erkennendes Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Mit den kleinsten Wells geht es durch die Raunacht, zu Maria und ihrer Base Elisabeth, oder wie es im Krippenspiel heißt, „mei, so heilig kemma’s da szamm“. „Wer klopfet an“, rufen dann auch die Jüngsten begeistert. Nach dem bittenden „so lasset uns doch ein“, rufen voller Kraft die entsetzten Maria und Josef ins Mikrofon: „Oh nein, oh nein, das darf nicht sein!“ Und es wären nicht die Wells, wenn die Geschichte von der Geburt des Herrn nicht mit wohldosierter Gesellschaftskritik aktualisiert worden wäre: Der Watschnbaum fällt um, weil einer der Kleinen lieber Harry Potter sehen möchte statt zu singen.

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Schon seit über 40 Jahren führt die Familie Well am vierten Advent in Herrgottsruh das Weihnachtsspiel auf. Dann singen und spielen mittlerweile vier Generationen der Großfamilie mit und alle sind damit aufgewachsen. Mehr als ein Dutzend Wells sind um den Altar versammelt und sie spielen und singen, wie es in der Familie seit Generationen Brauch ist: feierliche Adventslieder, freche Nikolo-Verse, Instrumentalstücke vom Landler bis zum Walzer. Das klingt manchmal ein wenig schräg, wenn die Jüngsten voller Inbrunst ins Mikrofon plärren und erreicht Konzertniveau, wenn die Musikstudentinnen der Familie zu Cello und Violine greifen.

Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn dem Dorfschullehrer Hermann Well das Singen und die Musik nicht ebenso wichtig gewesen wären wie Rechnen und Schreiben. Gewiss hätte er seiner Kinderschar dann nicht so viele Lieder beigebracht, er hätte wohl auch nicht diverse Weihnachtsspiele wie das Klöpflesspiel für sie geschrieben. Die vielen Besucher bedankten sich zum Schluss mit langem Applaus.

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