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Kultur

29.09.2017

Umgeben von bunten Skulpturen

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9 Bilder
Der Künstler Erwin Fischer aus Friedberg-West hat sich eine Kunstoase geschaffen.
Bild: Sabine Roth

Erwin Fischer hat Haus und Garten in Friedberg-West mit kreativen Werken gefüllt, die er selbst geschaffen hat. Er lässt sich auf Reisen inspirieren – und verarbeitet auch, was andere wegwerfen.

Eine Kunstoase hat der 77-jährige Franz Fischer im Laufe der Jahre in seinem Haus in Friedberg-West geschaffen. Begrüßt wird man von einem Schwertfisch und einem Delphin aus Beton im Vorgarten. Die Hauswand zieren bunte Holzskulpturen. Betritt man Flur und Treppenhaus, reiht sich ein Bild an das andere.

Verkaufen will Fischer keines, denn sie sind für den gelernten Möbelschreiner etwas Besonderes. „Am liebsten habe ich Wohnzimmerschränke mit Schubladen und Buffets gemacht, alles ohne Scharniere“, erinnert er sich. Vor fast 50 Jahren hat er dann mit Intarsien angefangen. Hier hat Fischer die Eindrücke aus seinen Urlaubsreisen verarbeitet. So hängt der Papstpalast von Avignon in seinem Wohnzimmer - daran hat er fast einen halben Winter gearbeitet. Mit seinem 44 Jahre alten Wohnwagen reist er auch heute noch durch ganz Europa.

Seine Werke sind nicht auf eine Kunstform beschränkt

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Von seinen vielfältigen Kunstwerken erzählt er so gerne, dass er am liebsten nicht mehr aufhören möchte. Schnell wird einem bewusst, dass das auch gar nicht so einfach ist. Denn es sind unzählige Bilder und Skulpturen die in seinem Wohnhaus, dem Wintergarten und im Garten zu finden sind. Auch zu schnitzen hat er angefangen, und zwar nur mit dem Taschenmesser. Entstanden sind ein Kranich und eine chinesische Figur. „Im Jahr 1975 bekam ich Kontakt zu Theo Bechteler, einem Künstler aus Hochzoll. In seiner Werkstatt durfte ich anfangen, für mein Hobby zu arbeiten. Er hat mir auch Werkzeuge mitgegeben“, freut sich Fischer noch heute.

Dann fing er an, Bilder zu malen. Zuerst Ölbilder mit Motiven seiner Reiseziele: Dörfer in der Bretagne und der Toskana. „Das ist sehr filigran, da sieht man jede einzelne Wäscheleine an den vielen Fenstern der Häuser“, ist er stolz. Dann begann er aus Erde, Sand, Lehm, Marmorstaub und Mineralienfarbe Kunstwerke entstehen zu lassen. Als Stift dient ihm ein verbrannter Stecken, mit dem er die schwarzen Linien zeichnen kann.

Was andere wegwerfen, wird bei ihm zum Hingucker

Aber er verwendet auch viele Dinge für seine Kunstwerke, die er im Abfall oder in der Natur findet. „Ein altes Brett schmeißt man nicht weg. Da mache ich die Rinde weg, bringe es in Form und bemale es. Auch dann entsteht daraus eine Skulptur“, so Fischer.

Auch aus Baumstämmen, Terrassenfliesen oder Steinen macht er Kunstwerke. Felsenmalereien, die im Val Camonica in Italien zu finden sind, setzt er in seinen Bildern um - gestaltet mit Sand, Lehm und Mineralienfarben. „Ich habe schon viel mehr gemacht als so mancher Künstler in seinem ganzen Leben!“, sagt er stolz. Sein neuestes Werke hängt im Wintergarten: eine Unterwasserwelt mit bunten Fischen. Alles aus Mineralienfarben, Sand, Lehm und mit viel Liebe zum Detail. Inspiriert haben ihn seine Schnorchelgänge in Kroatien oder Frankreich.

Aber wie entstehen Skulpturen wie die Fische im Vorgarten? Zuerst bringt Fischer ein Gerippe aus Metall in die gewünschte Form. „Da ist nichts geschweißt, es wird alles mit Draht gebunden und dann wird darauf Schicht für Schicht Beton aufgetragen, bis die Figur fertig ist“, so der Künstler. Dann werde der Beton getrocknet und mit Patinierfarbe verkleidet. Weil der Beton schnell hart wird, müsse man sich beeilen. Besonders stolz ist er auf seinen sardischen Hirtenjungen, der in seinem Wintergarten einen Ehrenplatz bekommen hat. Hier hat er aber nicht Beton aufgetragen, sondern Ton.

Doch Fischer macht auch aus Marmorsteinen tolle Figuren. „Die hat man früher im Vinschgau vom benachbarten Steinbruch als Abfall in die Etsch geworfen und dann haben sie sich immer mehr geformt. Das ist der Grund, warum diese Steine so schön rund geworden sind“, erzählt er. Als er die Steine entdeckte, lud er einige in sein Auto. Heute sind sie zu Köpfen seiner Figuren geworden.

Im Sommer reist er, im Winter schafft er neue Kunstwerke

„Eigentlich will ich nichts verkaufen, ich möchte keine Konkurrenz zu den echten Künstlern sein“, sagt Fischer bescheiden. Deshalb ist er nur einmal im Jahr bei einer Ausstellung im Sissi-Schloss mit dabei. Er ist Mitglied im Verein AIC-Creativ. Und das schon seit 40 Jahren. Man trifft sich einmal im Monat und tauscht sich aus. „Manchmal mache ich meine Kunstwerke so teuer, dass sie keiner kauft und ich kann sie dann zum Glück wieder nach Hause mitnehmen“, verrät er und lacht.

Das meiste entsteht in den Wintermonaten. Da zieht er sich in seine Werkstatt im Dachgeschoss zurück. Und was macht der Rentner in der restlichen Zeit? „Da bin ich elf Wochen auf Reisen. Anfang Mai fahre ich gemeinsam mit meiner Frau los, im Juni kommen wir dann wieder heim und im September fahren wir dann nochmals“, sagt er. Am liebsten nach Südfrankreich, in die Toskana und nach Kroatien. Hier entstehen seine Ideen, die er selbstverständliche alle auf Fotos festhält.

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