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Friedberg

13.10.2015

Und schon wieder tritt der Notfall ein

Voll besetzt war die Mensa bei der Informationsveranstaltung über Asylbewerber in Friedberg.
Bild: Andreas Schmidt

Ab den Herbstferien wird die Sporthalle des Gymnasiums erneut zur Unterkunft. Großes Interesse – noch größere Herausforderungen.

Von Andreas Schmidt

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Die Turnhalle des Friedberger Gymnasiums dient ab den Herbstferien wieder dazu, in Deutschland neu ankommende Flüchtlinge die ersten Tage unterzubringen. Längerfristig werden mehr Asylbewerber als bisher bekannt im Gewerbegebiet an der Marquardt- und Engelschalkstraße untergebracht. Bis zu 173 Personen sollen dort in drei verschiedenen Gebäuden unterkommen. 100 Plätze sind am bisherigen Firmenstandort von mobiheat vorgesehen. Dies zählt zu den Neuigkeiten, die Landrat Klaus Metzger und Bürgermeister Roland Eichmann zur Infoveranstaltung über Asylbewerber in Friedberg mitgebracht hatten.

Die Sitzplätze in der Schulmensa reichten nicht aus – so groß war das Interesse. Und groß sind auch die Herausforderungen, die auf Friedberg zukommen. Bürgermeister Eichmann bestätigte seine Schätzungen, dass im nächsten Sommer 1000 Asylbewerber im Stadtgebiet leben könnten. Derzeit sind es 203. „Nicht jeder muss helfen“, sagte Eichmann. Aber er rief dazu auf, „wenigstens nicht dagegen zu arbeiten. Fremdenfeindliche Äußerungen, die sich der Bürgermeister zu Beginn verbeten hatte, waren in der Mensa nicht zu hören.

Und schon wieder tritt der Notfall ein

Ein Schülervater beschwert sich

Kritische Wortmeldungen blieben nicht aus beispielsweise zur erneuten Nutzung der Gymnasium-Turnhalle als Notfall-Erstaufnahmeeinrichtung. Ein Schülervater beschwerte sich: „Der Landkreis hat einiges verschlafen.“ Es gäbe andere Turnhallen, die weniger genutzt werden. Nach Ansicht des Kritikers wurde bei der Infoveranstaltung wenig über Menschen und ihre Ängste gesprochen. „Kommunizieren sie offener“, lautete der Vorwurf an den Landkreis.

Vehement widersprach Landrat Metzger. Die Gymnasium-Halle habe sich bei einer frühzeitigen Überprüfung als bestmögliche Lösung herausgestellt. Und der Landkreis gehe offensiv mit dem Thema Unterbringung von Asylbewerbern um. In Sachen Gymnasium pochte auch ein anderer Friedberger auf das Recht von tausend Gymnasiasten, die Sporthalle im Rahmen des Schulunterrichts zu nutzen.

Sorge vor einer Gettobildung 

Vor einer Gettobildung im Gewerbegebiet an der Engelschalkstraße warnte ein Anwohner. Ein Bauherr sah sich an der Marquardtstraße benachteiligt, während seiner Ansicht nach für die Genehmigung von Asylunterkünften beide Augen zugedrückt werden. „Es gibt keine Extrawürste“, betonte hingegen Eichmann. Und die dort angedachten 174 Personen seien „noch zumutbar“. Mit etwa 200 auf einem Fleck ist für Bürgermeister und Landrat eine Obergrenze erreicht.

So viele sollen in einem Neubau an der Seestraße unterkommen (wir berichteten). Eine Mutter machte sich Sorgen um ihre jugendlichen Töchter, wenn sie dort beispielsweise auf dem Weg zum See vorbeimüssen. Bürgermeister Eichmann verwies darauf, dass es bisher keine Probleme mit Asylbewerbern gegeben hat. Sollte sich das ändern, sei angedacht, Security einzusetzen.

Viele Fragen rund um die Asylsuchenden wurden beantwortet an diesem Abend und auch Missverständnisse ausgeräumt. Nein, es gibt kein staatlich organisiertes Reinigungspersonal für Asylunterkünfte. Und der Freistaat zahlt dafür ortsübliche Miete und Zuschlag von 10 bis 20 Prozent für eine abschließende Renovierung.

Viel war an diesem Abend die Rede davon, wie gut es bisher läuft mit den Asylbewerbern in Friedberg. Dies liegt auch an den bisher 110 Ehrenamtlichen. Eine von ihren sprach darüber: „Es ist eine schöne, herzerwärmende Tätigkeit – von Mensch zu Mensch.“

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