Newsticker

Mehr als eine Million Corona-Infektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Unterschriftenliste für geschlossene Geburtshilfe

Aichach-Friedberg

23.11.2018

Unterschriftenliste für geschlossene Geburtshilfe

Ist die Geburtenstation in Aichach noch nicht verloren?

Aichachs Bürgermeister will nicht aufgeben. Aichach-Friedbergs Landrat schreibt an die Gesundheitsministerin. Ist die Geburtshilfe Aichach noch zu retten?

Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann will die Schließung der Geburtenstation in seiner Stadt nicht hinnehmen. Bei der Bürgerversammlung bat er um Unterstützung. Die Schließung komme zur Unzeit, weil das vom Landkreis als Träger zugesagte Unterstützungspaket wie auch die von der Staatsregierung zugesicherten Maßnahmen zur Stärkung kleiner Häuser noch nicht ziehen konnten. „Kein erfolgreiches ,Krisenmanagement‘ seitens der Klinikleitung, wenn ich das mal vorsichtig so ausdrücken darf“, so Habermann. Es werden voraussichtlich ab nächster Woche Unterschriftenlisten im Rathaus und im Verwaltungsgebäude I am Tandlmarkt ausliegen.

Landrat Klaus Metzger wendet sich in einem offenen Brief an die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Die Schließung sei ein „nicht hinnehmbarer Schlag“ für die Bürger und vor allem für die werdenden Mütter. Der gesamte nördliche Landkreis und der südliche Kreis Neuburg-Schrobenhausen sei nun ohne diese im wahrsten Sinne des Wortes „lebensnotwendigen“ Einrichtungen. Nicht nur die Bevölkerung sei schockiert, sondern auch die kommunalen Familie, die seit Jahren versuche, den Standort mit allen Mitteln zu halten, so Metzger.

Es könne nicht im Sinn der Ministerin sein, dass Geburtshilfen in den Krankenhäusern im ländlichen Raum geschlossen werden, weil die Rahmenbedingungen für Beleghebammen und -ärzte uninteressant sind. Metzger nennt Arbeitszeiten, Haftpflichtversicherungsbeiträge und Verdienstmöglichkeiten. Wenn für Vor- und Nachsorge der Verdienst besser seien als für die Geburt, zeuge dies von grundsätzlichen Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem. Viele Hebammen würden sich inzwischen gegen die Arbeit im Kreißsaal entscheiden. „Diese Entwicklung muss dringend umgekehrt werden“, so Metzger.

Gesundheitsministerin soll Druck machen

Er bittet Huml und die Staatsregierung, „unverzüglich und mit allem Nachruck gegenüber den zuständigen Stellen“ – Bundesgesundheitsministerium, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigung Bayern – auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Belegärzte und -hebammen zu drängen. „Sollten die hierfür erforderlichen Veränderungen nicht schnellstmöglich gelingen, sehe ich für die kleinen Geburtshilfen im ländlichen Raum bayernweit keine Perspektive.“

Grünen-Landtagsabgeordnete Christina Haubrich, soeben zur gesundheitspolitischen Sprecherin ihrer Fraktion gewählt, sagt: „Aus Sicht der Politikerin und Mutter ist der Wegfall der Geburtshilfestation ein enormer Verlust. Ich möchte das so nicht stehen lassen und werde im Landtag das Thema aufgreifen.“ Eine Geburt sei für Mutter und Kind eine besondere Situation, in der sie auf einfühlsame Betreuung angewiesen seien. Kleine Häuser, in denen in der Regel eine ganz besondere Atmosphäre herrsche und die Frauen sich wohlfühlten, seien entscheidend für junge Familien.

Strohmayr fordert Finanzspritze

SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr hat einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben. Sie fordert, die Zukunft der Kliniken mit Geburtsstation im ländlichen Raum zu sichern. „Dafür muss eine ausreichende Finanzspritze an die kleinen Geburtskliniken erfolgen, um deren Existenz zu sichern“, so die dreifache Mutter. Außerdem müsse der Berufsstand der Hebammen mit einer verlässlichen Finanzierung ausgestattet werden, ebenso mit Belegärzten.

Die Aichacher CSU hat sich an Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko und Landrat Metzger gewandt. Die Leute würden fragen, warum die Chance nicht ergriffen wurde, Söder bei der Einweihung des Krankenhauses öffentlichkeitswirksam auf das Problem anzusprechen. 

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren