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Gericht

21.08.2020

Verfolgungsjagd mit der Polizei bringt jungen Mann in Aichach vor Gericht

Er saß berauscht hinterm Steuer und floh deshalb vor einer Polizeikontrolle, was zu einer Verfolgungsjagd führte. Unlängst stand der 21-Jährige vor dem Aichacher Amtsgericht.
Bild: Jens Schierenbeck, dpa, gms (Symbolbild)

Plus Ein 21-Jähriger fährt unter Drogen Auto. Als die Polizei ihn kontrollieren will, flieht er. Was folgt, bezeichnet der Verteidiger als filmreif.

Schwere Straftaten habe er begangen, und dazu noch sehr viele – während nur einer Autofahrt. So beschreibt es jedenfalls Eva-Maria Grosse. Die Jugendrichterin am Aichacher Gericht verhandelt den Fall eines 21-Jährigen aus dem südlichen Landkreis.

Dieser hat nach eigener Aussage im Herbst vergangenen Jahres den bisher größten Fehler seines Lebens begangen. Denn der Auszubildende fuhr unter Drogeneinfluss Auto. Als er in eine Verkehrskontrolle geriet, wurde ihm mulmig zumute.

Verfolgungsjagd führte durch Neu-Kissing

Er habe gewusst, wenn er sich nun einem Drogentest unterziehen müsse, wäre sein Leben von nun an ein anderes. Also trat er aufs Gas. Was folgte, war eine Verfolgungsjagd, die auch sein Verteidiger als „fast filmreif“ beschrieb. Sie führte den jungen Mann und die Polizeibeamten durch die zahlreichen Abzweigungen Neu-Kissings, ein Meer aus Polizeisirenen und ein Flüchtiger an deren Spitze. Irgendwann holte ihn die Polizeistreife, die ihn zuvor hatte kontrollieren wollen, aber ein.

Weil er während der Verfolgungsjagd zudem zeitweise die Kontrolle über sein Auto verlor, fuhr der junge Mann in einen Gartenzaun und in ein anderes Auto. Beide wiesen danach erhebliche Schäden auf. Dies alles räumte der 21-Jährige ein, entschuldigte sich und zeigte laut Richterin Grosse glaubhafte Reue.

20-Jähriger schlägt auf Polizisten ein

Zu Ende ist die Geschichte trotzdem nicht. Denn nachdem die Polizisten ihn gestellt hatten, versuchte der damals 20-Jährige, sich mit allen Mitteln aus der Situation zu befreien. Und da er nicht mehr mit seinem Auto fliehen konnte, wurde er handgreiflich, schlug und trat um sich und verletzte dabei einen Polizisten leicht am Knie. Irgendwann konnten die Beamten ihn jedoch bändigen und nahmen den jungen Mann in Gewahrsam.

Seit diesem Vorfall habe er keine Drogen mehr konsumiert, erklärt der Angeklagte, der Bericht einer Pädagogin von der Jugendhilfe im Strafverfahren bestätigt das. In dem Schreiben steht außerdem, dass der Mann ein aufrichtiger Mensch und sozial integriert, der Drogenkonsum demnach auf falsche Freunde zurückzuführen sei. Zudem komme er aus einer intakten Familie und habe ein gutes Elternhaus. Zu dem Zeitpunkt, als ihr Sohn die Tat verübte, befanden sich die Eltern im Urlaub. Dass sie diesen sofort unterbrachen, zeige deren Fürsorge und Pflichtbewusstsein, heißt es im Bericht der Jugendhilfe weiter.

Die Freundin verloren und den Kontakt zu den Eltern abgebrochen

Der Grund für seinen Absturz sei gewesen, dass der junge Mann innerhalb kurzer Zeit zunächst seine Freundin verloren und den Kontakt zu seinen Eltern abgebrochen habe. Während dieser Periode sei er abgerutscht, habe sich mit Drogen konsumierenden Gleichaltrigen abgegeben. Auch deshalb wertet sein Verteidiger die Tat als Eintagsfliege. Denn sein Mandant sei nicht vorbestraft, habe ansonsten ein lauteres Leben geführt und sich mittlerweile von den Drogen abgewandt.

Ein Wochenende im Strafarrest

Zu diesem Entschluss kommen auch Staatsanwaltschaft und Richterin Grosse. Letztere, die bereits angesichts der langen Liste an Straftaten mehrmals die Heftigkeit der Tat betont, verhängt schlussendlich eine eher milde Strafe. So müsse der Angeklagte nicht nur den selbst verursachten Schaden zahlen, sondern sich auch während eines Wochenendes in Strafarrest begeben und sich regelmäßig Urintests unterziehen.

Gestraft sei er außerdem durch den Entzug seiner Fahrerlaubnis und einer einjährigen Sperrfrist. Denn der Auszubildende kann somit nicht mehr bei seinen Eltern wohnen, von wo er mit dem Auto zu seiner Augsburger Arbeitsstelle gefahren war. Er habe sich nun eine Wohnung vor Ort suchen müssen, die trotz der finanziellen Unterstützung seiner Eltern mit dem Ausbildungsgehalt und den auf ihn zukommenden Rechnungen kaum zu bezahlen sei.

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