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13.06.2017

Verwirrung im Produktdschungel

Schluss mit der Verwirrung im Produktdschungel: Michael Wollny, Marktleiter Edeka in Friedberg und Ernährungsberaterin Barbara Straub (von links) zeigen der Kundin Doris Knotl, welches Gemüse besonders gesund ist und woher es kommt.
Bild: Sabine Roth

Was heißt Fett i. Tr., wo versteckt sich überall Zucker und was bedeuten die Bio-Siegel? Verbraucher finden sich im Supermarkt oft schwer zurecht. Ein Rundgang bei Edeka Wollny informiert

Gerade ist eine frische Lieferung regionaler Bio-Produkte im Edeka-Supermarkt Wollny eingetroffen. Die Nachbarin Doris Knotl steht an der Gemüsetheke und greift zu einem Kopfsalat. Sie kocht jeden Mittag frisch und legt Wert auf saisonales Obst und Gemüse. „Ich nehme mir die Zeit. Und ich habe festgestellt, dass es auch nicht teurer ist, wenn man frische Zutaten verwendet anstatt Fertigkost zu kaufen“, sagt die 70-Jährige. Sie ist eine der Kundinnen, die Ernährungsberaterin Barbara Straub einen Vormittag lang gemeinsam mit Edeka-Chef Michael Wollny durch den Produktdschungel im Laden begleitet, um ihnen Anregungen für eine gesundheitsförderliche Ernährung zu geben.

Die Zahlen sind erschreckend. „Jedes sechste Kindergarten- und Schulkind im Landkreis Aichach-Friedberg ist übergewichtig“, erklärt Straub. Sie weiß um die Situation in modernen Familien: „Oft sind beide Elternteile berufstätig, zum gemeinsamen genussvollen Essen kommt man immer seltener. Stattdessen werden mehr Fertigprodukte mit nicht definierbaren Inhaltsstoffen und Fast Food konsumiert.“

Nicht jedes Biosiegel steht für einen guten, ökologischen Fußabdruck

Wollny beobachtet dagegen, dass die Leute wieder mehr auf die Gesundheit und die Qualität achten. Er bezieht sein Gemüse und Obst überwiegend aus der Region – mit Biosiegel. Aber nicht immer bedeutet solch ein Siegel automatisch einen guten ökologischen Fußabdruck. Dieser sagt aus, wie viele Schadstoffe und andere Formen der Umweltbelastung entstehen, bis zum Beispiel ein Apfel beim Verbraucher landet. Deshalb sollte man den Fokus immer auf saisonale und regionale Produkte legen. „Einen Apfel sollte man im Moment nicht kaufen. Jetzt ist Beerenzeit!“, sagt die Ernährungsexpertin Straub.

„Heidelbeeren wirken zum Beispiel entzündungshemmend und positiv auf die Signalübertragung der Gehirnnerven.“ Die Avocado biete mit ihren gesunden Fetten eine gute Ergänzung im Salat. Straub greift zu einer Pastinake und erklärt, dass diese sehr mild sei und wenig Kohlenhydrate enthalte, dafür aber viele Mineralstoffe und Vitamine. Um die optimale Menge an Vitaminen zu erzielen, empfiehlt sie, jeden Tag fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen.

Doch was bedeutet das Bio-Siegel eigentlich genau? Straub erklärt es am Bio-Regal anhand der Obstgläser. Man unterscheide drei Siegel: Erstens das EU-Siegel, das von den Auflagen immer noch besser sei als gar keines. Zweitens das Bioland-Siegel, bei dem die Auflagen strenger sind. Und drittens das Demeter-Siegel. Hier sei der Bio-Gedanke besonders ganzheitlich ausgeprägt. Die Erzeuger leben laut Straub im Einklang mit der Natur.

Bio ist jedoch nicht das Einzige, was Verbraucher beschäftigt. Viele wollen auch zuckerarm leben. Was das Thema betrifft, hat Wollny in seinem Supermarkt Alternativen zu bieten. Straub empfiehlt, als Süße mit Mehrwert lieber Honig zu verwenden, am besten einen aus der Region. Er enthalte viele Enzyme. Auch getrockneten und gemahlenen Zuckerrohrsaft, der als Vollrohrzucker angeboten wird, empfiehlt Straub.

Birkenzucker als gesunde Alternative zum herkömmlichen Zucker

Ein neu entdecktes Süßungsmittel ist Birkenzucker. Er wird aus der Birkenrinde gewonnen, ist chemisch gesehen ein Zuckeralkohol und hat die gleiche Süßkraft wie normaler Zucker – nur 40 Prozent weniger Kalorien. Birkenzucker greift laut Straub den Zahnschmelz nicht an, kann aber in größeren Mengen abführend wirken.

Eine gesunde Alternative zum herkömmlichen Zucker sei auch Kokosblütenzucker. Er lässt den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen. Weiter geht es zum Kühlregal. Die Kunden nehmen ein 500- Gramm-Glas Fruchtjoghurt unter die Lupe: In diesem Glas sind laut der Ernährungsberaterin mindestens 25 Stückchen Zucker „versteckt“ – doch nur wenige Früchte. Mindestens sechs Prozent Fruchtanteil müsse jedoch enthalten sein. Der Tipp der Expertin: „Kaufen Sie Naturjoghurt und schneiden Sie das Obst selbst hinein.“

Als Nächstes geht es zum Käse. Hier steht Fett i. Tr. auf der Verpackung. Der Fettgehalt bezieht sich hier auf die Trockenmasse, das ist die Masse ohne das Wasser im Produkt. Straub erklärt, dass Weich- und Frischkäse viel Wasser enthalten, Parmesan weniger.

Wird Fett mit Wasser angegeben, fällt dieser Wert absolut natürlich niedriger aus. Das sollte man wissen. Und welche Milch soll man verzehren? H-Milch ist zwar länger haltbar, hat aber wenig Vitamine. Deshalb der Tipp der Expertin: „Greifen Sie lieber zu Frischmilch.“ So können Doris Knotl und die anderen Kunden gut informiert nach Hause gehen – zu einem gesunden Mittagessen.

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