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09.03.2017

Völlig überraschend schießt sie sich zum Titel

Auf die Technik kommt es an: Die Kühbacherin Jessica Gamböck gehört beim Stockschießen zu den besten Spielerinnen Deutschlands. Nach der Babypause kehrte die 35-Jährige zurück und holte gleich den deutschen Meistertitel.
Bild: Sebastian Richly

Jessica Gamböck holt nach zehnjähriger Kinder-Pause mit dem TSV Kühbach die Deutsche Meisterschaft im Eisstockschießen. Wie die 35-Jährige zu ihrer Lieblingssportart zurück fand und sich gegen Vorurteile wehrt.

Wenn Jessica Gamböck ihren Arbeitskollegen erzählt, welchen Sport sie ausübt, dann muss sich die Eisstockschützin meist gegen Vorurteile wehren. „Entweder sie verwechseln es mit Curling oder verweisen darauf, dass das doch ein Sport für alte Männer sei“, erzählt die 35-jährige Industriekauffrau. Im Gegensatz zum Curling benutzen die Stockschützen aber keinen Besen. Es geht schlichtweg darum, den Stock so nah wie möglich an die sogenannte Daube, ein kleiner runder Gummikreis, zu schießen. Wer näher dran an der Daube, also dem Ziel ist, gewinnt.

Gamböck schießt seit ihrem elften Lebensjahr beim TSV Kühbach die Stöcke. Vater Anton Stadlmair, der heutigen Abteilungsleiter, nahm sie einst zum Training mit. „Wir waren sehr viele Kinder und Jugendliche.“, erinnert sich Gamböck. Sie spielte über Jahre im Junioren-Nationalkader. Mit 24 wurde sie dann mit der deutschen Mannschaft im österreichischen Linz Weltmeister.

Ihren schönsten Titel feierte sie aber elf Jahre später, im Januar 2017. Zusammen mit dem ersten Frauenteam des TSV Kühbach holte Gamböck in Ruhpolding die deutsche Meisterschaft. „Ich habe nach dem Sieg geweint. Es war der schönere Titel, auch weil er so unerwartet kam“, erinnert sie sich. Damit gerechnet habe sie nicht. Denn lange Zeit pausierte die 35-Jährige zuvor. Grund war die Geburt von Sohn Felix, der mittlerweile zehn Jahre alt ist. „Ich wollte eigentlich gar nicht wieder anfangen“, sagt Gamböck. Schuld an ihrer Rückkehr war ein anderer Sport. „Ich habe mit Tennis angefangen und schnell gemerkt, dass ich nicht so gut bin. Ich wollte aber einen Sport machen, den ich auch gut kann.“ Und so kehrte sie vor rund einem Jahr zurück zum Stockschießen.

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Das war nicht einfach, denn beim Stockschießen komme es in erster Linie auf Training und Technik an. „Die ganze Automatik im Bewegungsablauf war weg. Früher musste ich gar nicht groß nachdenken und habe fast immer getroffen“, erzählt sie. Nach der Kinder-Pause fing die Kühbacherin also wieder fast von vorne an. Eigentlich sollte sie die neu gegründete zweite Mannschaft führen, doch dann kam alles ganz anders. Eine Teamkollegin verabschiedete sich in die Kinder-Pause und eine andere verletzte sich. Also sprang Gamböck bei der Kühbacher Bundesligamannschaft ein: „Ich war total nervös. Ich wollte es nur nicht vermasseln.“ Am Ende fand sie ihre Rolle und trug ihren Teil zum Titel bei: „Ich bin nicht die beste Spielerin, aber von der Taktik verstehe ich viel. Also habe ich hier meine Stärken eingebracht.“

Während der Eisstocksaison sind die Kühbacher Frauen viel unterwegs. Die meisten Wettkämpfe finden in Bayern statt, doch Gamböck war auch schon bei Turnieren in Krefeld und Hamburg. Unterstützt wird sie dabei stets von Ehemann Jörg, der sich im Vorstand des Vereins engagiert. „Wir haben hier im Kühbacher Sportheim das Finale der Deutschen Meisterschaft geschaut und kräftig die Daumen gedrückt.“ Früher begleitete er seine Frau fast auf jeden Wettkampf: „Heut passe ich meist auf unseren Sohn auf.“ Trotz ihrer Erfolge wird Jessica Gamböck in der nächsten Saison voraussichtlich wieder in der zweiten Mannschaft spielen. Für die 35-Jährige kein Problem, dennoch hat sie ehrgeizige Ziele: „Mir fehlt jetzt noch der Europacup in meiner Sammlung. Das ist aber ein langfristiges Ziel.“

Der sportliche Erfolg steht nämlich nicht an erster Stelle. Gamböck gefällt vor allem die Kameradschaft unter den Sportlern. Während im Winter rund zehn Wochen die Meisterschaften und Pokale ausgespielt werden, stehen im Sommer viele Freundschaftsturniere an. „Eisstockschießen ist die Königsklasse, auf Asphalt im Sommer geht es viel lockerer zu. Eigentlich spiele ich dann lieber.“ Das liegt aber nicht nur an den wärmeren Temperaturen: „Auf Eis ist es viel schwieriger. Die Technik spielt eine noch größere Rolle.“

Überhaupt gehe es beim Stockschießen nicht nur um Kraft. „Natürlich haben die Männer da einen Vorteil, aber man braucht viel Gefühl und der Bewegungsablauf muss stimmen.“ Ansonsten würde der Stock nicht dort landen, wo er soll. Laut der 35-Jährigen ist auch die Auswahl der Bodenplatte, auf der der Stock über das Eis beziehungsweise den Asphalt gleitet, wichtig: „Es gibt über 100 unterschiedliche Platten, die sich vor allem in der Geschwindigkeit unterscheiden.“ Der Rest sei Konzentration: „Bei der Deutschen Meisterschaft musst du den ganzen Tag lang fokussiert sein. Das schlaucht ganz schön“, berichtet Gamböck, die als Ausgleich am liebsten Skifahren geht.

Die meiste Zeit verbringt sie aber mit der Familie. Sohn Felix hat das Stockschützen-Fieber derweil noch nicht gepackt, wie sie erklärt: „Dafür ist er noch etwas zu jung. Aufhalten würde ich ihn aber bestimmt nicht, denn es ist ein toller Sport.“ Und nicht nur für alte Männer gedacht. Das beweisen die Kühbacher Frauen um Jessica Gamböck seit vielen Jahren.

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