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Aichach-Friedberg

02.09.2010

Vogel des Jahres ist Anglern und Züchtern ein Dorn im Auge

Der Kormoran, zum "Vogel des Jahres 2010" gewählt, frisst täglich etwa ein halbes Kilogramm Fisch. Archivfoto: Kaya

In der Ach und der Paar gibt es in den Wintermonaten meist wenig Fische. Schuld daran ist angeblich der Kormoran, der Vogel des Jahres 2010. Die Vögel erscheinen in Schwärmen und verlassen ein Gewässer meist erst wieder, wenn sie dort kein Futter mehr finden. Aber schon im Moment bereiten die Vögel den Anglern großes Kopfzerbrechen. Von Christian Gall

Aichach-Friedberg In der Ach und der Paar gibt es in den Wintermonaten meist wenig Fische. Schuld daran ist angeblich der Kormoran, der Vogel des Jahres 2010. Die Vögel erscheinen in Schwärmen und verlassen ein Gewässer meist erst wieder, wenn sie dort kein Futter mehr finden. Aber schon im Moment bereiten die Vögel den Anglern großes Kopfzerbrechen. "Der Kormoran ist überall ein Problem. Jeder Vogel frisst täglich etwa ein halbes Kilogramm Fisch, ein ganzer Schwarm verdrückt also jede Menge", erzählt Herbert Lipp, Vorsitzender des Fischereivereins Friedberg. Die Vögel seien an allen Gewässern im Landkreis anzutreffen, vor allem im Winter. "Das Problem ist, dass sich die Vögel auch von bedrohten Fischarten ernähren. Mittlerweile kann man schon von einer Plage sprechen", sagt Lipp.

Doch nicht nur bei den Anglern tauchen Probleme auf, auch die Wirtschaft leidet darunter. Ludwig Berger von der Kissinger Fischzucht weiß gut über die Verluste bescheid: "Jedes Jahr verlieren wir mehr als 30 Prozent der Fische durch Vögel. Die machen uns noch pleite." Berger sieht für das Problem nur eine Lösung: "Man sollte 50 bis 70 Prozent der Vögel erschießen, dann hätten wir unsere Ruhe."

Nahrung im Winter

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Der Kormoran ist in den Sommermonaten meist an großen Gewässern beheimatet. Wenn diese jedoch im Winter zufrieren, suchen sich die Vögel neue Futterquellen. Oft kommen hierfür fließende Gewässer infrage, da diese auch in der kalten Jahreszeit Nahrung bieten. So ist auch die Paar von den Kormoranen betroffen. Fischzüchter Armin Endhart weiß, dass die Fischzucht in Egling große Schwierigkeiten mit den Vögeln hat: "Dort kann nur mit überspannten Becken gearbeitet werden. Das behindert zwar die Arbeit, aber es ist notwendig." Egling sei besonders betroffen, da die Ortschaft nur etwa 20 Kilometer vom Ammersee entfernt ist. Dort sei ein großer Brutplatz der Vögel.

In natürlichen Gewässern reguliert sich der Bestand

Allerdings ist die Meinung der Fischer und Züchter nicht unumstritten. Gustav Herzog, Kreisgruppenvorsitzender vom Landesbund für Vogelschutz, sieht beim Kormoran kein gravierendes Problem: "Der Vogel gefährdet den Fischbestand nicht. In natürlichen Gewässern reguliert sich der Bestand nach einer gewissen Zeit von selbst." Das Problem seien unnatürliche Gewässer, die Fischer regelmäßig mit neuem Besatz füllen.

Beim Abschuss des Vogels sieht Herzog auch weitere Schwierigkeiten: "Dadurch werden auch andere Arten vergrämt, zum Beispiel verschiedene Entenarten." Der Kormoran werfe einen grundlegenden Konflikt auf: der Konflikt zwischen der Nutzung der Natur und dem Schutz der Vögel. Da müsse man Kompromisse eingehen, beispielsweise könne man durch Überspannungen aus Draht den Vogel abhalten.

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