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Region Augsburg

28.11.2016

Vogelgrippe: Was Halter sagen und Verbraucher beachten sollten

Hühner dürfen nicht mehr ins Freie. Dadurch sollen sie vor der Vogelgrippe geschützt werden.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

In der Region haben sich Tiere angesteckt. Haus- und Nutzgeflügel ist nicht betroffen – darf aber nicht mehr ins Freie. Was Halter dazu sagen und Verbraucher beachten sollten.

Die Vogelgrippe breitet sich weiter aus: Immer mehr Landkreise in Bayern sind betroffen. Auch die Region Augsburg. Bereits vorletzte Woche waren erste Infektionsfälle eines Schwans und zweier Reiherenten bei Thierhaupten festgestellt worden. Im Zuge dessen meldete auch der Landkreis Aichach-Friedberg zwei verendete Wildvögel. Ob sie an der Vogelgrippe gestorben sind, steht noch nicht fest. Die Untersuchungen im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) laufen noch. Für Menschen gilt der aktuelle Erreger als ungefährlich.

Steigt die Zahl infizierter Tiere weiterhin, wären die Folgen für Landwirte und Geflügelhofbetreiber vor allem in den beiden Landkreisen rund um Augsburg dramatisch: Nach Angaben des Veterinäramts halten im Augsburger Land etwa 400 Bauern mehr als 70000 Hühner. Im Landkreis Aichach-Friedberg liefen über 1200 Halter und Züchter Gefahr, mit dem Virus konfrontiert zu werden; 16 von ihnen haben mehr als 1000 Tiere.

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen gilt in Bayern seit einer Woche eine strikte Stallpflicht für Geflügel – sowohl für gewerbliche Züchter als auch für Privatpersonen, die Hühner, Enten, Gänse, Fasane oder sonstiges Haus- und Nutzgeflügel halten. Damit soll verhindert werden, dass die Tiere in Kontakt mit infizierten Wildvögeln kommen.

Brutmeister: Strenge Stallpflicht könnte Infektion begünstigen

Obwohl das Risiko einer Ansteckung für die Tiere hoch ist, blicken viele Betriebe mit kritischem Auge auf das verordnete Wegsperren: „Stallpflicht kann keine Lösung sein“, sagt Oliver Schmidt. Der Diplom-Agraringenieur ist Brutmeister beim Meringer Kleintierzüchterverein und stolzer Besitzer dreier Kampfgänse. Sie seien freiheitsliebende Tiere, die die Enge geschlossener Anlagen auf Dauer nicht aushalten können, sagt Schmidt.

Seiner Ansicht nach sind Wildtiere nicht die einzige Ursache für die Vogelgrippe: „Ich denke, dass die intensive Stallhaltung Stress für die Tiere bedeutet, das Immunsystem wird gehemmt, Keime können sich ausbreiten.“ Demnach könnte aus seiner Sicht die strenge Stallpflicht sogar eine Infektion begünstigen.

Die Dasinger Geflügelhofbetreiberin Xenia Lapperger war das Thema Geflügelpest von Anfang an zu brisant. Schon vor einigen Wochen entschloss sie sich, ihre Hühner zu verkaufen. Den Betrieb nehme sie erst wieder auf, wenn die Epidemie abgeklungen ist. Auch Halter mit nur wenigen Tieren sind betroffen. Peter Rauscher hält seit eineinhalb im Augsburger Stadtteil Inningen fünf Hühner und einen Hahn. Normalerweise genießen sie die Freiheit und sind im Garten unterwegs. Doch nun dürfen sie ihren überdachten „Wintergarten“ nicht mehr verlassen. Rauscher hofft, dass sich das bald ändert.

Mit einem schnellen Ende ist aber weiterhin nicht zu rechnen. Strengere Sicherheitsmaßnahmen sollen das Risiko einer Infektion dennoch mindern. Denn indirekt eingetragen werden kann der Erreger etwa über durch Wildvögel verunreinigtes Futter, Wasser oder Einstreu. Demnach dürfen keine Unbefugten in die Ställe, Tierhalter müssen Schutzkleidung tragen sowie Hände und Stiefel desinfizieren können. Wie das Umweltministerium am Mittwoch mitteilte, sind nun auch Ausstellungen und Märkte mit Geflügel bayernweit verboten.

Erkrankte Tiere leiden unter Atemnot oder Durchfall

Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sind vor allem Wildvögel für den Erreger empfänglich. Aber auch Hühner oder Puten sind stark gefährdet. Nach Angaben von Experten machen erkrankte Vögel einen apathischen Eindruck, leiden unter Atemnot oder Durchfall. Sie schwanken häufig, ihr Gefieder ist gesträubt. Die Infektion kann plötzlich auftreten und die Tiere innerhalb von Stunden dahinraffen. Deshalb sollten aufgefundene Kadaver umgehend dem Veterinäramt gemeldet werden. Das Landesamt hält auch Hundehalter dazu an, Tiere grundsätzlich an die Leine zu nehmen, um einer Ansteckung vorzubeugen.

Die Vogelgrippe beschäftigt aber auch die Verbraucher. Mehrfach meldeten sich besorgte Bürger bei Landrats- und Veterinärämtern der Region. Bislang sind weltweit jedoch keine Fälle bekannt, in denen sich Menschen mit dem aktuellen Erreger H5N8 angesteckt haben, sagt das Friedrich-Loeffler-Institut. Dennoch mahnt Herbert Pfaffenrath vom Veterinäramt Aichach-Friedberg: „Wer einen kranken oder verendeten Wildvogel findet, sollte einen direkten Kontakt unbedingt vermeiden.“ Nach bisherigen Erfahrungen mit anderen Virusvarianten komme es wohl nur in solchen Fällen zu einer Übertragung von Tieren auf Menschen. Und was ist mit rohen Eiern oder Geflügelfleisch?

Das bayerische Agrarministerium gibt Entwarnung – bei Auffälligkeiten würden Lebensmittel gar nicht im Regal landen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es bislang keine Belege, dass sich Menschen über Lebensmittel mit der Vogelgrippe angesteckt haben. Das Institut schließt es aber nicht grundsätzlich aus. Daher empfiehlt es, die allgemeinen Hygieneregeln beim Umgang mit Geflügelfleisch einzuhalten. Gut durcherhitzte Lebensmittel gelten nach Auskunft der Fachleute als unbedenklich, weil das Virus sehr sensibel auf Hitze reagiert und abstirbt.

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