Newsticker

Teil-Lockdown bis 10. Januar 2021 verlängert - Söder deutet Verschärfung an
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Vogelgrippe macht Züchtern das Leben schwer

Landwirtschaft

21.11.2016

Vogelgrippe macht Züchtern das Leben schwer

Oliver Schmidt aus Mering St. Afra züchtet Enten und Gänse. Die Steinbacher Kampfgänse sind aus der Eigenzucht.

Die Stallpflicht gilt nun auch im Landkreis Aichach-Friedberg gilt. Oliver Schmidt hat Angst, dass seine Gänse im Stall eingehen. Xenia Lappberger hat ihre Hühner verkauft .

Xenia Lapperger hat ihre letzten Hühner verkauft. Ihr sei die Ansteckungsgefahr zu hoch, sagt die Geflügelhofbetreiberin aus Dasing. Daher hat sie sich entschieden, abzuwarten und den Winter auszusitzen. Hähne und Hennen gibt es erst wieder im Frühjahr. Schließlich will sie kein Risiko eingehen. Denn die Vogelgrippe könnte auch bald das Wittelsbacher Land betreffen. Auch der Meringer Brutmeister Oliver Schmidt berichtet darüber, wie sehr die Tiere unter der Stallpflicht leiden, die seit Samstag gilt.

Gut zehn Jahre ist es her, da die Aviäre Influenza oder Vogelgrippe mit krankem Geflügel in Südostasien begann. Immer wieder steckten sich auch Menschen an, viele davon starben. Dann wurde es wieder ruhig um das Virus. Erstmals war die hochansteckende H5N8-Variante der aktuellen Epidemie bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein, nun hat das Virus Bayern erreicht. Infizierte Vögel wurden unter anderem am Ammersee und in Thierhaupten gefunden.

Über 1200 Halter und Züchter betroffen 

 Die Folgen des Fundes in der Region könnten für Landwirte und Geflügelhofbetreiber im Landkreis Aichach-Friedberg dramatisch sein. Nach Angaben des Veterinäramts gibt es im Wittelsbacher Land 1213 Halter und Züchter, darunter 16 Betriebe mit mehr als 1000 Tieren.

Nach Expertenmeinungen wurde die Geflügelpest von Zugvögeln aus Russland eingeschleppt. Allerdings könne man bei Wildvögeln kaum Vorsichtsmaßnamen ergreifen, sagt Wolfgang Gutmann vom Bayerischen Bauernverband. Um die Vogelgrippe einzudämmen, galt in einigen Gebieten Bayerns seit einiger Zeit die Stallpflicht. Nun hält der obligatorische Hausarrest für Hennen, Hähne und sonstiges Geflügel auch im Wittelsbacher Land Einzug. Mittels dieser Zonen soll die Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Besorgte Bürger rufen im Landratsamt an

Die Infektionsdynamik, mit der das H5N8-Virus einhergeht, beunruhigt die Menschen. Mehrfach hätten sich verunsicherte Bürger beim Landratsamt gemeldet, berichtet Herbert Pfaffenrath, Leiter des Veterinäramts. Allerdings sei der Virus-Subtyp H5N8 seit einigen Jahren bekannt und für Menschen nicht gefährlich. „Bisher hat sich weltweit noch niemand angesteckt“, betont Pfaffenrath. Nichtsdestoweniger rät er, direkten Kontakt mit toten Vögeln zu vermeiden. „Nach bisherigen Erfahrungen mit anderen Virusvarianten scheint es nur in solchen Fällen zu einer Übertragung von Tieren auf Menschen zu kommen.“

Oliver Schmidt, der bei den Meringer Kleintierzüchtern als Brutmeister aktiv ist, bedauert es sehr, dass seine Steinbacher Kampfgänse Snow Flake, Bonny und der Ganter Clyde sowie die vier Enten seines kleines Sohnes Jamie nun die ganze Zeit im Stall sitzen müssen: „Dafür sind weder die Unterkünfte geeignet, noch können die freiheitsliebenden Tiere das lange aushalten.“ Dabei werden von den Züchtern viele Rassen gezüchtet, die auf der Roten Liste bedrohter Geflügelrassen stehen. Schmidt fürchtet, dass viele nun aussteigen werden. „Entweder die Tiere verenden, weil sie diese Form der Haltung nicht gewöhnt sind oder sie werden getötet.“ Ein weiteres Problem stelle die Einstreu dar, sie darf nicht mehr im Freien auf dem Kompost ausgebracht werden. „Wohin also nun damit?“, fragt Schmidt.

Ist die Massentierhaltung schuld?

Der Diplom-Agraringenieur glaubt nicht daran, dass ausschließlich Wildtiere die Ursache für die Vogelgrippe sind: „Ich denke dass die intensive Stallhaltung Stress für die Tiere bedeutet, es kommt zu Immunsuppression, Keime können sich ausbreiten.“ Momentan reicht es nicht aus, wenn der Auslauf des Hausgeflügels mit einem engmaschigen Netz versehen ist. Doch das wäre für den Geflügelzüchter eine gute Alternative. „Stallpflicht kann keine Lösung sein“, so Schmidt. Die Kleintierzüchter leiden ohnehin schon unter Nachwuchsmangel, wobei im Wittelsbacher Land noch einige Jugendliche in den Vereinen engagiert sind. „Diese Verordnungen schrecken aber ab“, ist Schmidt überzeugt.

Er selbst hat beim Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung beantragt, da er um das Wohl seiner Steinbacher Kampfgänse und der Rouen- bzw. Aylesburyenten fürchtet. „Mal sehen, wie die Behörden sich entscheiden.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren