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Merching

23.08.2018

Vom Urwald in die Lechauen

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3 Bilder
In Merching und Umgebung gibt die Biologin nun selbst Kindern und Erwachsenen ihr Wissen weiter.
Bild: Christina Riedmann-Pooch

Die Merchinger Diplombiologin Martina Flörchinger hat schon in Kenia und Nicaragua geforscht. Die Liebe zur Natur will sie auch den Kleinsten vermitteln.

In Kenia beobachtete sie Affen und Vögel, in Nicaragua baute sie eine ökologische Finca auf und lehrte an der Universität. Jetzt will die Biologin Martina Flörchinger den Merchinger Kindern ihre Liebe zur Natur näherbringen.

Ein Buch kann ein ganzes Leben verändern: Jane Goodall, die berühmte Schimpansenforscherin, traf mit ihren Worten in „Grund zur Hoffnung“ genau ins Herz der 16-jährigen Martina Flörchinger. Ab diesem Zeitpunkt hatte sie einen großen Traum: in Afrika Tiere zu erforschen – und vor allem harmonisch mit und von der Natur zu leben. Von diesem Zeitpunkt an engagierte sie sich für Naturschutzprojekte vor Ort. Das Buch bezeichnet sie als eine Art Initialzündung.

Nach der Schulzeit – der Traum von Afrika war schon fast vergessen – begann sie in Mainz Biologie zu studieren. Für ihr Hauptpraktikum Ökologie wählte sie Kenia als Ziel. Zwei Monate erforschte sie den Zusammenhang zwischen Baumarten und deren Fruchtverbreitung von Vögeln und Affenarten. Von 7 Uhr morgens bis 14 Uhr war ihre Aufgabe, unter Bäumen in voller Frucht zu sitzen und alle Tiere, die von den Früchten fressen, genau zu notieren und zu beobachten.

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Ihr Traum: Als Selbstversorger im Einklang mit der Natur leben 

Nach dem Studium wurde sie Bildungsreferentin im Weltladen, der Naturschutzjugend Rheinland-Pfalz sowie Naturefund, einer Organisation, die Land kauft, um es für die Natur zu schützen. Im Weltladen lernte sie einen Agrarökonom aus Nicaragua kennen, dessen Traum es war, in seiner Heimat ein Stück Land zu kaufen und es in ein ökologisches Paradies zu verwandeln. Martina Flörchinger beschloss, mit ihm nach Mittelamerika zu gehen. Auf dem besagten Grundstück befand sich bereits eine Plantage mit Mangos, Zitronen, Mandarinen, Avocados, Orangen und Bananen, die sie in eine ökologische Plantage verwandelten. Zusätzlich forsteten sie einige Flächen Land auf.

„Da war er nun, mein Traum, selbstversorgend und im Einklang mit der Natur zu leben“, sagt sie. Aber es habe auch Nachteile, so direkt mit der Einfachheit und Armut konfrontiert zu sein. Es schmerzte sie zu sehen, wie die meisten Nachbarn für wenig Geld harte Arbeit leisteten und die Kinder ohne Hoffnung aufwuchsen. Lichtblicke waren Projekte wie „Artepintura“, bei dem ein Kunstlehrer den Jugendlichen in Form von Malen, Musik und Umwelterziehung Hoffnung brachte.

Selbst unterrichtete Martina Flörchinger an der Universität UNEH in Jinotepe Physikalische Chemie und Pharmazeutische Biologie: Sie ließ die Studenten Heiler und Schamanen nach Heilkräutern befragen, um an die bewährten Mittel zu erinnern, die auch für die Ärmsten erschwinglich und heilsam sind.

„Nicaragua war ein Paradies mit viel Schatten“, sagt sie über ihre Zeit dort. Viele Gründe, politische und persönliche, zogen sie schließlich nach Deutschland zurück. Hier begann sie in der Schule ihrer Mutter als Naturpädagogin zu arbeiten und nahm an Forschungsprojekten über Bienen teil. Die Liebe verschlug sie schließlich nach Merching. Sie absolvierte eine Weiterbildung zur Waldpädagogin und bringt ihr Wissen im Landesbund für Vogelschutz (LBV) und als Naturerlebnispädagogin der Volkshochschule ein.

Langweilig wird Martina Flörchinger nicht

Für den Bund Naturschutz in Merching betreut sie eine Streuobstwiese, eine Feuchtwiese und viele andere Projekte. Langweilig wird ihr dabei nicht. Eine aufregende Safari kann man auch in den Lechauen erleben: „Man muss nicht um den halben Erdball fliegen, um die Natur zu genießen“, sagt sie. Nach der Zeit im Ausland genießt sie beispielsweise ganz besonders den Wechsel der Jahreszeiten. „Wir sollten die Naturräume, die wir hier haben, als Luxus sehen und sie gerne schützen, erhalten und respektieren“, sagt sie.

Martina Flörchinger ist es ein Herzensanliegen, dies von Anfang an ihrem zweijährigen Sohn und anderen Kindern zu vermitteln. Für eine Eltern-Kind-Gruppe sucht sie deshalb noch andere Eltern, die mit ihnen gemeinsam die Natur erleben und erforschen wollen. Sie ist überzeugt: „Wenn mein Sohn die Chance hat, mit anderen Kindern zusammen schon sehr früh diesen Weg zu gehen, entwickelt er einen besonderen Kontakt zur Natur – und dies hilft ihm auch, im Leben zurechtzukommen.“

KontaktWer an dem Eltern-Kind-Projekt teilnehmen will, meldet sich unter kontakt@gartenelfen.de oder 08233/2117183. Weitere Informationen unter www.gartenelfen.de.

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