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Friedberg

15.04.2016

Von der Bambushütte ins Rektorat

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2 Bilder
Vor 20 Jahren entstand dieses Bild der damals 16-jährigen Inderin Mithu Barua. Ihr Weg sollte von einer Bambushütte in ein Rektorat führen.
Bild: Pradip-Hilfe

Für eine chancenlose Inderin ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Möglich gemacht hat dies eine Friedberger Lehrerin. Was sie nach 20 Jahren immer noch schockiert.

Mit einem optimistischen Lächeln blickt die junge Inderin Mithu Barua auf einem 20 Jahre altem Foto in die Zukunft. Dabei konnten die Lebensumstände der damals so hageren 16-Jährigen in Kalkutta kaum widriger sein. Sie stammte aus einer kleinen Bambushütte. Für ihren Vater, einen extrem armen Tagelöhner, wären Sanitäranlagen oder eine Toilette unbezahlbar gewesen. Doch schon damals wusste Mithu: „Ich will Lehrerin werden.“

Den Lebensweg der jungen Inderin hat eine deutsche Lehrerin seitdem bei jährlichen Begegnungen mitverfolgt. Es ist Anja Fischer, die derzeit vom Friedberger Gymnasium für den Auslandsschuldienst an die Europäische Schule im spanischen Alicante „ausgeliehen“ ist. Das Gymnasium unterstützt über den Einen-Welt-Kreis weiterhin die von Anja Fischer gegründete Spendeninitiative „Pradip – Partner Eine Welt“. Deren Anfänge gehen zurück auf Begegnungen mit Menschen wie Mithu.

Fasziniert und tief berührt

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Die damals 22-jährige Anja Fischer reiste vor 20 Jahren zum ersten Mal nach Indien, um die Entwicklungszusammenarbeit kennenzulernen. Einerseits war sie fasziniert von Land und Leuten, andererseits tief berührt von unfairen Bedingungen, unter denen dort viele Menschen leben. Die indischen Partnerorganisationen von Anja Fischers Hilfsaktion haben seitdem etwa 2000 Leuten geholfen. Dazu zählen Straßenkinder, Behinderte, Opfer von Menschenhandel und Kinder, die im Rotlichtviertel aufwachsen.

Jahr für Jahr verschafft sich Anja Fischer an Ort und Stelle einen Überblick darüber, wie sich die Projekte entwickeln und wie es den Menschen geht. Bei jedem Indienaufenthalt hat sie Mithu getroffen. Die Inderin hat die Deutsche dann oft als Übersetzerin zu den Projekten begleitet.

Selbst nach 20 Jahren erlebt Anja Fischer wie auch diesem Jahr nach wie vor Schockierendes. An das Rotlichtviertel Sonagachi in Kalkutta mit etwa 10000 Zwangsprostituierten kann sie sich nicht gewöhnen. Die unhygienischen Bedingungen, unter denen Frauen dort arbeiten und leben, seien hierzulande unvorstellbar.

Ein Rückzugsort im Rotlichtviertel

Die Initiative betreibt in dem Viertel ein kleines Center. Dort geben Mütter, die sich prostituieren müssen, während ihrer Arbeit die Kinder ab. Diese können Hausaufgaben machen, bekommen Extra-Unterricht und Essen und werden medizinisch versorgt. Dass das Center ein geschützter Raum ist, „in dem sie einfach Kind sein können“, findet Anja Fischer am wichtigsten. Allen dort betreuten Kindern ist ein Leben in der Prostitution erspart geblieben. Teilweise sind sie inzwischen erwachsen. Und manche von ihnen, die früher als chancenlos galten, haben sogar den Absprung aus dem Viertel geschafft.

Auch viele Straßenkinder haben dank „Pradip“ ein Zukunft. Früher mussten sie als Müllsammler, Tagelöhner arbeiten bzw. stehlen oder betteln statt in die Schule zu gehen. Mittlerweile zeigen Kinder und Lehrer der deutschen Initiatorin stolz die Zeugnisse von Schulabschlüssen.

Eltern mussten erst überzeugt werden

Mithu zählt zu denen, denen der Aufstieg aus einfachsten Verhältnissen gelungen ist. Dabei waren ihre Eltern zunächst skeptisch gewesen und mussten erst in vielen Gesprächen überzeugt werden. Die „Pradip“-Initiative ermöglichte ihr wie auch anderen Mädchen das Studium. Der Traum von Mithu, Lehrerin zu werden, ist Wirklichkeit geworden. Die verheiratete Mutter eines vierjährigen Sohns leitet seit vergangenem Jahr sogar eine Mädchen-Highschool. Sie ist mittlerweile etwas rundlicher geworden. Eines hat sich nicht verändert. Ihr Blick auf einem aktuellen Foto zusammen mit Anja Fischer wirkt fröhlich wie vor 20 Jahren.

Mehr Infos zu der Pradip-Hilfe hier

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