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Kommunalpolitik

26.02.2018

Von der Kunst, die Menschen mitzunehmen

Albert Kling kann sich zurücklehnen: Über Jahrzehnte hat er erfolgreich die Geschicke Friedbergs gelenkt.
Bild: Michael Hochgemuth

Friedbergs Altbürgermeister Albert Kling wird am Dienstag 80 Jahre alt. In seiner langen Amtszeit stellte er viele Weichen, die die Stadt noch heute prägen.

Kleine Dinge haben manchmal große Auswirkungen. Als der frisch verheiratete Albert Kling 1960 mit seiner Frau Marianne von Hochzoll nach Friedberg-West zog, gab es im Stadtteil noch keine einzige befestigte Straße. „Ich gehe in den Stadtrat, damit bei uns geteert wird“, sagte der junge Mann, der sich bei der Stadtverwaltung Augsburg gerade die ersten beruflichen Sporen verdiente. Und tatsächlich eroberte er nicht nur auf Anhieb ein Mandat, sondern wurde schon bald zur bestimmenden Kraft der Friedberger Kommunalpolitik. Am Dienstag feiert Kling, der von 1978 bis 2002 als Bürgermeister die Geschicke der Stadt lenkte, seinen 80. Geburtstag.

Freilich waren es nicht nur Staub und Schmutz auf den Straßen im Stadtteil, die Albert Kling aktiv werden ließen. „Ich wollte in der Gesellschaft mitwirken“, sagt der Politiker, der sich früh in der katholischen Jugend engagierte und über die Junge Union zur CSU kam. Im damals recht beschaulichen Friedberg fiel der junge Mann durch Tatkraft und Innovation auf. Er ließ für seinen Wahlkampf professionelles Werbematerial gestalten und zog von Haustür zu Haustür.

Schon sechs Jahre später schickten ihn seine Parteifreunde als Gegenkandidat zum amtierenden Bürgermeister Max Kreitmayr ins Rennen – wohl in der Annahme, dass Kling gegen den populären SPD-Politiker keinen Stich machen würde. Doch auf Anhieb holte Kling über 40 Prozent und eroberte wiederum sechs Jahre später den Chefsessel im Rathaus.

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Sein Amtsantritt als Bürgermeister 1978 fiel zusammen mit der Gemeindegebietsreform. Keine leichte Aufgabe – „man hat uns ja als Besatzungsmacht gesehen“, erinnert sich Kling schmunzelnd. Tatsächlich entsprach manches in den ehemals selbstständigen Gemeinden nicht so ganz den Vorstellungen des Verwaltungsfachmanns: „Da war vieles in Ordnung zu bringen.“

Die Strukturen unter dem neuen gemeinsamen Dach hätten unterschiedlich kaum sein können, erinnert sich Kling. Die Stadtteile im Norden hatten vieles von der Kanalisation bis zum Schulhausbau bereits erledigt und entsprechend hohe Schulden, im Süden waren die Finanzen in Ordnung, aber noch einiges aufzuholen. Albert Kling trieb die Entwicklung unermüdlich voran. Noch spät in der Nacht brannte im Bürgermeisterbüro am Marienplatz oft das Licht, kaum ein Schriftstück verließ die Stadtverwaltung, ohne über Klings Schreibtisch gegangen zu sein. „Meine Frau hat wenig von mir gehabt, und mein Sohn ist als Halbwaise aufgewachsen“, räumt Kling ein.

In seine Amtszeit fielen zahllose Einzelprojekte wie Kindergärten und Feuerwehrhäuser, aber auch die Entwicklung großer Baugebiete, die Umgehungsstraßen und die Ertüchtigung der Innenstadt, die er mit unterirdischen Garagen und umgestalteten Straßenzügen aufwerten wollte. Investiert wurde freilich nicht nur in Asphalt und Beton: Mit der Friedberger Kunstausstellung, mit Rathauskonzerten und dem Altstadtfest setzte Kling auch Akzente bei den weichen Standortfaktoren, die das Leben in Schwabens sechstgrößter Stadt attraktiv machen sollten.

Mit der für ihn typischen Hartnäckigkeit warb er dabei stets um eine möglichst breite Unterstützung, auch über die eigenen Parteigrenzen hinaus. Obwohl überzeugter CSUler, verstand sich Kling nie als Parteisoldat. „Ich wollte auch als Schwarzer in jedes Haus kommen können“, sagt er. Dass sich in Friedberg mancher inzwischen einen wie Albert Kling an die Spitze der Stadt zurückwünscht, hat nicht nur mit Nostalgie etwas zu tun.

Gegen Ende seiner Amtszeit gelang Kling schließlich mit dem Startschuss für den Businesspark am See eine letzte wichtige Weichenstellung, die sich bis heute positiv auswirkt. Schon im ersten Flächennutzungsplan unter seiner Federführung war eine Straße vorgesehen, die – wie die heutige AIC25 – zwischen Friedberg und Augsburg nach Norden zur Autobahn führen sollte. Die Hoffnung, entlang dieser Verkehrsachse neues Gewerbe ansiedeln zu können, scheiterte lange Zeit am Nein des Regionalen Planungsverbands, der den Grüngürtel frei von Bebauung halten wollte. Erst als Kling selbst den Vorsitz in diesem Verband übernahm, wurde der Weg dafür frei.

An die 1000 Arbeitsplätze sind inzwischen im Businesspark neu entstanden. Auch wenn die Nachfolger von den entsprechenden Steuereinnahmen profitierten, stellt der Altbürgermeister und Friedberger Ehrenbürger mit Blick auf die Finanzkraft der Stadt zufrieden fest: „Es beruhigt einen. So wie es jetzt ist, ist es gut.“ Nur ein Projekt hätte er noch gerne verwirklicht – das Thermalbad in der Nähe des Sees, das um die Jahrtausendwende durch die Schlagzeilen geisterte. Die Genehmigung für die Tests lag vor, und selbst die Rohre waren bestellt, als die privaten Partner in der gemeinsamen Bohrungs-GmbH überraschend einen Rückzieher machten.

Zwölf Jahre als Stadtrat, 24 Jahre als Bürgermeister und Kreisrat, aktiv bei der Kommunalpolitischen Vereinigung der CSU und beim Deutschen Städtetag – im Rückblick auf sein Politikerleben stellt Albert Kling fest: „Es war ungeplant, aber ich würde es heute wieder machen.“ Das Amt des Bürgermeisters sei eine umfassende Beschäftigung, man sei für die Menschen da sprichwörtlich von der Wiege bis zur Bahre. Aber das gehe nur im Team, weiß Kling: „Die Kunst ist, dass alle mitmachen.“

Was in seiner Stadt und darüber hinaus passiert, das verfolgt auch der Ruheständler noch aufmerksam. Einmischen will er sich aber nicht mehr, und auch im Stadtrat nahm er nach seinem Rückzug im Jahr 2002 nur einmal noch interessehalber am Pressetisch Platz. Seine sportlichen Leidenschaften wie Skifahren und Segeln hat er wegen der Erkrankung seiner Frau hintangestellt. Und so ist Gesundheit sein größter Wunsch zum 80. Geburtstag. Das werden ihm die Friedbergerinnen und Friedberger sicherlich gönnen, wenn sie ihm am Dienstag Abend bei einem Fest in privatem Rahmen und am Freitag beim offiziellen Empfang der Stadt gratulieren.

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