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Kaltwasser-Grill-Challenge

16.02.2018

Von der Spendenwelle „eiskalt“ erwischt

Eiskalte Füße stehen im Wasser, Würste liegen auf dem Grill, Spenden für einen guten Zweck: Das sind die „Zutaten“ für die sogenannte Kaltwasser-Grill-Challenge, die durch die Region rollt.

Die Kaltwasser-Grill-Challenge rollt durch den Landkreis Aichach-Friedberg. Davon profitieren soziale Einrichtungen, die  Spendengelder bekommen. Wie lässt sich der Boom erklären?

 Schuhe runter und rein mit den nackten Füßen ins eiskalte Wasser zum Grillen: Die Kaltwasser-Grill-Challenge zieht immer weitere Kreise. Denn sie funktioniert nach dem Schneeballsystem: Wer die Herausforderung gemeistert hat, nominiert die nächsten drei Vereine. Werden die nicht innerhalb von sieben Tagen aktiv, dann ist eine Brotzeit fällig für die Herausforderer. Inzwischen sind es nicht mehr nur Sportvereine oder Feuerwehrleute, die mitmachen.

Auch Mitarbeiter von Firmen und Behörden wie Stadtverwaltung Friedberg und Landratsamt haben sich schon barfuß im Wasser ablichten lassen und Videos ins Internet gestellt. Dabei geht es den Teilnehmern nicht nur um den Spaß. Meist wird auch gespendet. Und darüber freuen sich soziale Einrichtungen.

Darunter die Lebenshilfe Aichach-Friedberg, die sich für Menschen mit geistiger Behinderung einsetzt. Fünf bis sechs Spenden kamen seit Januar über die Challenge herein, sagt Geschäftsführer Konrad Schwegler.

Die Hauptspendezeit ist eigentlich Weihnachten

Spender waren unter anderem die Volksbühne Affing oder die Feuerwehr Oberschneitbach. Die Beträge liegen jeweils im Bereich von 150 bis 600 Euro – in der Summe sind das bisher 2000 bis 3000 Euro. Geld, mit dem die Lebenshilfe so nicht gerechnet hatte. „Der Zeitpunkt ist ungewöhnlich, die Hauptspendezeit ist ja häufig vor Weihnachten.“

Für die Lebenshilfe sei dieser Geldsegen gleich zu Jahresbeginn beachtlich: „Das sind bereits jetzt zehn bis 15 Prozent der Spendensumme, die wir sonst pro Jahr etwa zur Verfügung haben“, sagt Schwegler, der etwas Vergleichbares nach eigenem Bekunden noch nicht erlebt hat.

Auch die Kartei der Not freut sich über die „eine oder andere Spende“ aus der Kaltwasser-Challenge, wie Geschäftsführer Arnd Hansen sagt. Die Kartei der Not ist das Leserhilfswerk unserer Zeitung, das unverschuldet in Not geratene Menschen in der Region unterstützt. 400 Euro für diesen Zweck spendeten beispielsweise die Griller vom Musikverein Haunswies (Gemeinde Affing).

Das Prinzip Schneeballsystem

 Dass sich der Trend schnell verbreitet, lässt sich auch am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr Wulfertshausen beobachten: Sie wurde von der Wehr in Stätzling herausgefordert und nominierte nach einer nasskalten Grillparty die Feuerwehren in Friedberg, Rederzhausen und Ottmaring.

Die obligatorische Spende gibt dem Jux einen gemeinnützigen Aspekt. Die Rederzhauser Feuerwehr beispielsweise sammelte Geld für den örtlichen Kindergarten St. Thomas. Dort freut sich Yvonne Schreck über den willkommenen Geldsegen: „Gerade jetzt können wir das gut brauchen. Wir haben erst seit September 2017 geöffnet und müssen noch viele Dinge kaufen. Turngeräte, Bastelmaterial, Spielzeug…“, berichtet sie. Das Kaltwassergrillen hält sie für eine tolle Idee. „Vor allem für kleine Organisationen, die sonst nur selten Spenden bekommen, ist das Geld sehr hilfreich.“

Kindergarten Rederzhausen profitiert

„Gerade diesen Freitag haben wir sogar noch eine zweite Spende durch das Kaltwassergrillen erhalten“, berichtet Schreck. Die EKK Anlagentechnik aus Friedberg suchte sich ebenfalls Sankt Thomas aus. Damit hat die Challenge Schreck und ihren Kolleginnen bereits über 700 Euro beschert.

Der Geschäftsführer von EKK Anlagentechnik, Josef Lechner, lobt die schräge Idee vom Grillen im kalten Wasser ebenfalls. „So werden die Leute angehalten, sich Gedanken zu machen, wo sie helfen können“, meint er. „Es ist bestimmt für viele ein guter Anlass für eine Spende.“ Etwas beschämt gibt er zu, dass sein Unternehmen die Challenge nicht angenommen habe. Stattdessen habe man die Herausforderer, den benachbarten Malerbetrieb Wolf, zum gemeinsamen Grillen ohne kaltes Wasser eingeladen und sich so von der frostigen Angelegenheit freigekauft. „Gespendet haben wir aber trotzdem“, beteuert er.

„Es steht Druck dahinter“

Das ist auch der einzige Kritikpunkt am Kaltwassergrillen: Der soziale Zwang. Sabine Wolf vom gleichnamigen Friedberger Malerbetrieb bestätigt das: „Wir waren anfangs sehr überrascht, als wir nominiert wurden. Die Aktion selbst war dann wirklich amüsant. Aber es ist schon ein Druck dahinter, man will sich schließlich nicht bloßstellen.“ Jedoch sei das Ganze letztendlich für einen guten Zweck.

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