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Realschule

10.06.2015

Vortrag gegen Vorurteile

Wer ist Asylbewerber, wer Schüler, wer Lehrer? Im Gespräch konnten die Meringer Realschüler schnell Vorurteile gegenüber den Menschen aus anderen Nationen abbauen.
Bild: Patrick Six, Realschule Mering

Asylhelfer werben in den achten Klassen um Verständnis für Flüchtlinge

Es ist schwer vorstellbar, was es bedeutet, Heimat, Familie, Freunde, einfach alles zurückzulassen und sich oft unter Lebensgefahr auf den Weg zu machen, um einen Neuanfang in der Fremde zu wagen. Davon erfuhren nun Schüler aller achten Klassen an der Meringer Realschule. Zu Gast war Maria Finger, eine Studentin, die in Friedberg Asylbewerbern über fünf Wochen Sprachunterricht gegeben hat. In ihrem Vortrag berichtete sie über die Arbeit in einem Flüchtlingshelferkreis. Sie versuchte dort, erwachsenen Leuten aus Bosnien, Syrien, Afghanistan und der Ukraine die deutsche Sprache näherzubringen. Erschwerend kam hinzu, dass einige davon Analphabeten waren und die fehlende gemeinsame Sprache einen Unterricht nur mit Gesten und Symbolen ermöglichte.

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Besonders eindrucksvoll für die Realschüler war der ergänzende Bericht ihrer „Schülerin“ Marina, die über ihre traumatischen Erlebnisse im ukrainischen Krisengebiet und die Fluchthilfe durch eine Schlepperbande berichtete.

Der Besuch dieser beiden Referentinnen war einer von zwei Vorträgen an der Schule, mit denen Verständnis für das Schicksal der Flüchtlinge geschaffen werden soll. Bereits Anfang des Jahres hatte Kathrin Stachon vom Caritas-Verband Aichach-Friedberg der zehnten Jahrgangsstufe im Rahmen des Ethik- und Religionsunterrichts über ihre Arbeit als Sozialberaterin und Koordinatorin für die Asylbewerber berichtet. Dabei lernten die Schüler auch Hussein Nawras kennen. Der Student kam erst im Januar aus Syrien nach Deutschland und berichtete aus eigenen Erfahrungen von der zerstörerischen Macht des Krieges und schilderte die gefährliche Flucht aus seiner Heimatstadt über das Mittelmeer nach Europa.

Das Lehrerkollegium hofft, mit diesem Angebot bei den Schülern Vorurteile abbauen zu können. Nachfragen hatten ergeben, dass vorschnelle Urteile oft nicht begründet werden können. Meist beruhen Vorurteile auf fehlenden eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen oder auf Meinungen von Dritten. „Vorurteile sind zunächst einmal gar nicht so schlecht“, lernten die Schüler in der Nachbereitung zu den Veranstaltungen. Zumindest weckten sie die Neugier für ein bestimmtes Thema. Wichtig sei allerdings dabei, es nicht bei Vorurteilen zu belassen, sondern sich selbst zu informieren. (jojo)

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