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Karl-May-Festspiele

26.06.2018

Warum Winnetou nicht sterben darf

Winnetou-Darsteller Matthias M. probt noch ohne sein berühmtes Kostüm für die Karl-May-Festspiele.
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Winnetou-Darsteller Matthias M. probt noch ohne sein berühmtes Kostüm für die Karl-May-Festspiele.
Bild: Peter Stöbich

Elf Monate nach dem Brand in der Western-City wird für die neue Saison geprobt

Michael Englert schlüpft heuer zum dritten Mal ins Kostüm des kauzigen Sam Hawkens. Nicht nur diese, sondern auch viele andere Rollen hat er in den vergangenen zehn Jahren in der Dasinger Western-City verkörpert. Der 58-Jährige arbeitet als Verbund-Zusteller bei der Post und hat keine professionelle Ausbildung als Schauspieler, war aber von 1985 bis 1991 Nebendarsteller am Stadttheater Augsburg und ist Ensemblemitglied einer Volkstheatergruppe.

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Englerts Leidenschaft für den Wilden Westen hat auch seine Kinder Annika (21) und Stefan (25) angesteckt. Dieses Jahr wagen sich die drei ins „Tal des Todes“; so heißt die neue Inszenierung von Peter Görlach, die am Freitag, 27. Juli, Premiere hat. 2008 war das Stück schon einmal in Dasing zu sehen, damals mit Western-City-Gründer Fred Rai in einer Hauptrolle. Dieser starb 2015, zehn Jahre, nachdem er die Süddeutschen Karl-May-Spiele ins Leben gerufen hatte.

„Ein Vierteljahr lang jedes Wochenende auf der Freilichtbühne zu stehen, ist schon anstrengend“, räumt Stefan ein, der bereits seit 13 Jahren zum Ensemble gehört. „Aber es ist auch eine Riesengaudi, weil wir alle wie eine große Familie sind.“ Dieser gemeinsame Spaß wird spürbar, wenn man dem 80-köpfigen Darstellerteam beim stundenlangen Proben zusieht. Bei sommerlichen 29 Grad haben sich die meisten etwas zum Trinken und Essen mitgebracht, auch Kostümteile wie karierte Hemden, Jeans und Stiefel stammen aus dem häuslichen Kleiderschrank. Denn der Festspiel-Fundus war beim verheerenden Brand vor elf Monaten vernichtet worden, ebenso Fred Rais ehemaliges Wohnhaus und sämtliche Gebäude der Westernstadt.

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Dem Augsburger Winterland verdankt es Organisator Volker Waschk, dass die Zuschauer wieder bewirtet werden können: „Die Hütten auf unserem früheren Marktplatz dienen sonst als Verkaufsbuden auf dem Weihnachtsmarkt.“

Bevor Regisseur Peter Görlach die Szenen seines Stücks probt, hat ein Teil der Darsteller das Gelände hergerichtet, in der Hitze Büsche geschnitten und gezeigt, dass es trotz der schwierigen Situation weitergeht im Wilden Westen von Dasing. Dafür sorgen unter anderem auch die 15 und 17 Jahre alten Schwestern Daniela und Michaela aus Schrobenhausen, die über das Rai-Reiten zum Theater kamen. In den Massenszenen werden sie als Teil des Indianervolks im Hintergrund stehen, von der Premiere am 27. Juli bis zum 9. September jeden Samstag um 16 und 20 Uhr, sonn- und feiertags um 16 Uhr.

Neu im Team ist Profi-Schauspieler Sven Kramer; er übernimmt die Rolle des skrupellosen Senators Walker, den vor zehn Jahren Fred Rai im schönsten Schwäbisch gespielt hatte.

Es war eine einschneidende Situation in Kramers Leben, die seine Liebe zum Schauspielberuf entfachte: „Beim Besuch der Karl-May-Spiele in Elspe 1977 blieb mein Treffen mit Pierre Brice im imposanten Winnetou-Kostüm unvergesslich, damals war ich neun Jahre alt.“ Die Fernsehzuschauer kennen ihn unter anderem aus seinen Auftritten in den „Rosenheim-Cops“ sowie „Alarm für Cobra 11“.

Kramer und die übrigen Hauptdarsteller proben bereits seit Anfang Mai. „Das beginnt mit dem Text für die Sprechrollen, später kommen dann die Statisten sowie Reiter- und Kampfszenen dazu, bis das Ganze nach vielen Wochen aus einem Guss ist“, schildert Peter Görlach. Bei seiner Inszenierung hält sich der Autor, Regisseur und Darsteller nicht akribisch an die Buchvorlage, „aber der Geist Karl Mays muss spürbar sein“. Sein „Tal des Todes“ hat nichts mit dem Film „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ zu tun, mit dem 1968 die erfolgreiche Reihe der deutschen Karl-May-Verfilmungen endete. In seine aktuelle Inszenierung lässt Görlach immer wieder philosophische Erkenntnisse einfließen, aber auch spannende Kämpfe setzt er eindrucksvoll in Szene. Diese Stunts werden ohne das komplette Team separat geprobt, „denn was bei der Vorstellung drei Minuten dauert, muss mindestens 30 Minuten geübt werden, damit sich niemand verletzt“. Das gilt auch für Winnetou-Darsteller Matthias M., der in der Schlussszene von einer hohen Brücke zu stürzen droht.

Doch der Regisseur weiß, was er seinem Publikum schuldig ist und warum Winnetou nicht sterben darf: „Die Zuschauer sollen gut unterhalten und gut gelaunt nach Hause gehen und nicht in Trauerstimmung!“ Aus diesem Grund wird in Dasing auch nie „Winnetou III“ zu sehen sein, denn am Ende der Trilogie muss der edle Indianerhäuptling in die ewigen Jagdgründe eingehen.

Das Bayerische Fernsehen berichtet heute in der Abendschau ab 17.30 Uhr vom neuen Programm der Karl-May-Festspiele.

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