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Region Augsburg

13.08.2019

Warum die Kliniken in der Region plötzlich ums Überleben kämpfen

In die Krankenhäuser der Region wurde in den vergangenen Jahren viel Geld investiert (im Bild die Wertachklink Schwabmünchen), trotzdem haben die Einrichtungen mit Problemen zu kämpfen.
Bild: Carmen Janzen (Archivbild)

Plus Aichach, Friedberg, Bobingen, Schwabmünchen: Erst wurde investiert, dann schließen Stationen, Chefärzte gehen. Was ist mit den Kliniken in der Region los?

Die kommunalen Krankenhäuser haben es schwer. 6,5 Millionen Euro Defizit legte die Stadt Memmingen bei ihrem Klinikum im vergangenen Jahr drauf, 4,8 Millionen der Landkreis Weilheim-Schongau, und auch der Landkreis Aichach-Friedberg musste 4,5 Millionen zuschießen. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Wertachkliniken im Augsburger Land. Der Jahresabschluss 2018 weist ein Plus von 73.000 Euro aus, nach knapp 57.000 Euro im Jahr zuvor. Doch auch dort ist die Lage angespannt – aus anderen Gründen.

Auch für 2019 hatte der Kreis Aichach-Friedberg angesichts der schwierigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen mit hohen Verlusten gerechnet. Doch die kalkulierten 6,5 Millionen Euro reichen bei Weitem nicht aus. Anfang Juni schlug die Klinikleitung Alarm: Weil Patienten ausblieben, fiel allein im ersten Quartal das Defizit um eine Million Euro höher aus als erwartet. Aus Sicht von Landrat Klaus Metzger (CSU) war dies eine Folge der Negativ-Schlagzeilen, in die die Kliniken durch die Probleme bei der Geburtshilfe geraten waren. „Wir bekommen die Patienten nicht mehr, wenn ein Krankenhaus stigmatisiert ist. Dann gehen die Leute eben woanders hin“, glaubt er.

Ein Sinnbild für die kleineren Kliniken in der Region? Die Geburtshilfestation im Krankenhaus in Aichach ist verwaist.
Bild: Christoph Lotter

Friedberg wartet auf Trendwende - bisher vergeblich

Doch obwohl die Entbindungsstation in Friedberg seit Anfang Mai wieder läuft und in eine Hauptabteilung mit fest angestelltem Personal umgewandelt wurde, ergab sich bis zur Jahresmitte keine Trendwende. Geht es bis Jahresende so weiter, müsste der Landkreis einen Verlust von elf Millionen Euro ausgleichen. Dies sei, so Metzger, für ein oder zwei Jahre zu schultern – nicht aber dauerhaft. Konsequenz: Der Kreistag hat ein von den Chefärzten erarbeitetes Konzept für eine strategische Neuausrichtung und Aufgabenteilung der beiden Häuser beschlossen.

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Kurz gefasst: Aichach wird zum Schwerpunkt für die Innere, Friedberg für die Operative Medizin. Dazu müssen Patienten zum Teil weitere Wege in Kauf nehmen oder sie werden verlegt. Auch einige Ärzte müssten wechseln. Pflege- und medizinisches Fachpersonal ist davon weniger betroffen.

Von den Befürwortern wird dies als letzte Chance gesehen, beide Standorte zu halten. Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann (SPD) lehnt die Aufgabenteilung aber strikt ab. Er befürchtet, dass das erst im Herbst 2018 eröffnete, 50 Millionen Euro teure Aichacher Krankenhaus abgehängt werden könnte. Es könne nicht wirtschaftlich sein, wenn in einem topmodernen Krankenhausneubau zwei von drei Operationssälen ungenutzt seien, kritisiert er. Dass es in Aichach gar keine Geburtshilfe mehr gibt, hält er für politisch gewollt. Wenn in Aichach wieder Kinder geboren werden, fehlten die in Friedberg und machten die dortige Hauptabteilung mit ihren Fixkosten unwirtschaftlicher.

Schwabmünchen rätselt, warum Chefärzte gehen

(Noch) nicht ums Geld dreht sich hingegen die Diskussion bei den Wertachkliniken im Augsburger Land mit ihren beiden Standorten Schwabmünchen und Bobingen. Dort kämpft man derzeit um den guten Ruf und hofft, dass Negativmeldungen am Ende nicht auch auf die aktuell noch gute Finanzlage durchschlagen. Auslöser war auch hier die Schließung der Geburtshilfe im März vorigen Jahres. Dann kamen wohl im Zuge des Landtagswahlkampfes Gerüchte um eine Klinikschließung auf, worauf Landrat Martin Sailer (CSU) um klärende Worten bemüht war: „An den Behauptungen um eine Schließung ist null Komma null dran.“

Doch trotz einiger Erfolgsmeldungen wie vom Einsatz „intelligenter Liegen“ oder dem Organspendepreis kamen die Wertachkliniken nicht aus dem Tief: Der eklatante Mangel an Fachkräften im Pflegebereich wurde auch mit einem „Speeddating“ offenbar nicht behoben. Und Ende Juli wurde zuerst bekannt, dass eine Station während der Sommerferien geschlossen bleibt. Tage später wurde auf einer Betriebsversammlung dann verkündet, dass mit Dr. Pavel Zonca und Dr. Gordon Hoffmann gleich zwei Chefärzte gehen.

Warum die beiden Ärzte das Schwabmünchner Haus verlassen haben, ist nach wie vor unklar. Klinikvorstand Martin Gösele hält sich auf Anfrage bedeckt: „Ich kann zu den Gründen nichts sagen, weil wir als Arbeitgeber auch eine Treuepflicht gegenüber unseren Mitarbeitern haben.“

Zu wenige Pflegekräfte in Schwabmünchen

Dagegen äußerte sich Gösele zu den Ursachen für die Schließung der interdisziplinären Station B1, in der bis zu 30 Patienten untergebracht werden können. Zwar gebe es in Schwabmünchen einen Mangel an Pflegekräften. Zur Schließung habe man sich aber entschieden, weil in den Ferien weniger Menschen ins Krankenhaus kommen: Nicht sofort nötige Operationen würden die Patienten lieber auf einen anderen Zeitpunkt verlegen. Nach den Sommerferien soll die Station wieder geöffnet werden. So sei man auch schon in der Vergangenheit verfahren. Patienten müssten nicht abgewiesen werden. Wie viele Stellen aber in Schwabmünchen und Bobingen im Pflegebereich immer noch unbesetzt sind, will Gösele nicht sagen: „Zahlen möchte ich in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren.“

Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller (CSU) bemüht sich angesichts kritischer Aussagen von Beschäftigten auf der Betriebsversammlung um versöhnliche Worte: „Ich werde weiter das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen und wir arbeiten daran, dass die Schließung der Station nur vorübergehend ist.“ Aber auch diesmal sah sich Landrat Sailer veranlasst zu betonen, dass Gerüchte über eine Schließung eines oder gar beider Standorte jeglicher Grundlage entbehren.

Lesen Sie dazu auch: Das sind die Krankenhäuser der Region - und ihre Angebote

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