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Kissing

06.09.2017

Was die Bahngruben einzigartig macht

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2 Bilder
Peter Claus vom Bund Naturschutz fürchtet um den Erhalt der Kissinger Bahngrube.
Bild: Philipp Schröders

In der Nähe der Kissinger Hede hat sich ein weiterer artenreicher Raum gebildet. Eigentlich sollen beide Gebiete verbunden werden. Doch mit der Osttangente wird das schwierig.

Peter Claus sind seine 79 Jahre kaum anzumerken. Mit schnellem Schritt und Kennerblick zieht er durch die Kissinger Heide. Er zeigt auf eine Silberdistel, bewundert, wie die Spinnennetze im Gras in der Morgensonne schimmern, und bedauert gleichzeitig, dass das Jahr bereits weit fortgeschritten ist und die Orchideen nicht mehr blühen.

Seit vielen Jahren engagiert sich der pensionierte Lehrer für das Naturschutzgebiet in der Nähe des Weitmannsees. Mit Helfern mäht er bestimmte Flächen der Heide, um ihren typischen Charakter zu erhalten. Diese Aufgabe teilt sich die Ortsgruppe mit dem Landschaftspflegeverband. Die Kissinger Heide ist bekannt für ihre natürliche Vielfalt. Hier leben viele hundert Pflanzen- und Tierarten, darunter 18 verschiedene Orchideen. In früheren Zeiten transportierte der Lech riesige Kies- und Schottermassen aus den Alpen in die Region. Auch mitgeführte Pflanzen und Samen setzten sich dort fest. Davon zeugt heutzutage die Kissinger Heide auf etwa 42 Hektar.

Claus betont, wie einzigartig dieser Raum inzwischen ist, auch abgesehen von den seltenen Arten. „Wenn ich an meine Kindheit denke, dann kann ich mich noch an Wiesen erinnern, wo wir zum Muttertag Blumen gepflückt haben.“ Heutzutage werde die Landschaft durch monotone Grassflächen geprägt.

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Nicht weit entfernt von der Heide befinden sich die Bahngruben, die weniger bekannt sind. Sie entstanden um 1840 mit dem Bau der Linie von Augsburg nach München. Den Kies für den Unterbau holten die Arbeiter neben der Strecke. In den Gruben, die eine Fläche von rund eineinhalb Hektar umfassen, entwickelte sich eine artenreiche Heidevegetation. Claus nennt als Beispiel den Spinnen-Ragwurz in der südlichen Grube. Es gebe in Bayern nur noch eine Handvoll Orte, wo diese Orchideenart wächst. Allerdings stellte Claus zuletzt fest, dass auch in der Grube nur noch wenige Orchideen zu finden sind. Das Problem: Spaziergänger graben sie aus. Das ärgert Claus. Schließlich könne jeder bei einem Spaziergang die Blütenvielfalt vor Ort genießen. „Diese Orchideen sind an ganz bestimmte Bedingungen gebunden. Es ist überhaupt nicht gewährleistet, dass sie in einem Garten überhaupt blühen.“

In aktueller Zeit liegt Claus und den Naturschützern in der Region aber vor allem die geplante Osttangente schwer im Magen. Der Teil, der als Umgehungsstraße für Kissing vorgesehen ist, führt unmittelbar an der Heide vorbei. Dabei hat die Bahn in den vergangenen dort immer wieder Flächen aufbereitet – als Ausgleich für den viergleisigen Ausbau der Strecke Augsburg-München. Vor ein paar Monaten waren Arbeiter noch weiter südlich im Lechfeld zugange, aber auch in der Nähe der Bahngruben ist bereits vor mehren Jahren Magerrasen angelegt worden. Sollte die Osttangente kommen, müssen diese Bereiche wieder an andere Stelle ausgeglichen werden. Claus fürchtet sogar um die Bahngruben selbst. Seit 1982 sind als Naturdenkmal ausgewiesen.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes heißt es, dass die Bahngruben die „gleiche Schutzqualität“ wie die Heide haben. Auch sehen die laufenden Straßenplanungen des Staatlichen Bauamts dort keine Flächeninanspruchnahme vor.

Jedoch läuft das Projekt eindeutig einem anderen von der Behörde ausgegebenen Ziel entgegen – und zwar beide Bereiche miteinander zu verbinden. Im Internet auf einer Seite des Landschaftspflegeverbands heißt es, dass die Entwicklungsflächen von der Bahn eingerichtet wurden, „um einen Biotopverbund zwischen den Bahngruben und der Kissinger Heide herzustellen.“ Wer durch das Naturschutzgebiet spaziert, findet am Eingang ein großes Schild, auf dem ebenfalls von einer geplanten Verbindung beider Gebiete die Rede ist. Das wird aber schwierig, wenn zwischen Heide und Bahngruben eine mehrspurige Straße verläuft.

Die Untere Naturschutzbehörde bestätigt, dass das „Ziel Biotopverbund“ von den Planungen betroffen ist. Auf eine Anfrage, wie sie dazu steht, heißt es im Behördendeutsch: „Ansprüche daraus und Kompensationen wären durch die Planfeststellungsbehörde, die Regierung von Schwaben, im Verfahren zu bewerten und zu erforschen.“

Claus und seine Helfer sehen also einer ungewissen Zukunft entgegen. Doch erst einmal stehen praktische Fragen an. Bald beginnt die Herbstmahd und da werden noch Helfer gesucht.

Kontakt Wer die Mitglieder bei der Herbstmahd unterstützen will, soll sich bei Peter Claus, Telefon 08233/20277, oder bei Petra Hofberger, 08233/6577, melden.

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