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Mering

15.11.2019

Was wird aus dem Meringer Archiv?

Helmut Rischert (links) war die Seele des Meringer Gemeindearchivs.

Vor allem die Autoren des Heimatbuches profitieren vom Archiv in Mering. Nach dem Tod von Helmut Rischert muss sich die Gemeinde nach einem neuen Archivar umsehen.

Die ihm zugedachte Auszeichnung mit dem Goldenen Ehrenring der Marktgemeinde für seine langjährige ehrenamtliche Archivtätigkeit konnte Helmut Rischert nicht mehr entgegennehmen. Der Kreisarchivpfleger starb nach langer Krankheit Anfang des Monats im Alter von 85 Jahren. Mering verdankt ihm einiges, denn in den vergangenen Jahren ordnete er wertvolle Unterlagen aus der Geschichte der Marktgemeinde.

Lange fristeten sie im Keller des Rathauses ein stiefmütterliches Dasein. Teilweise wiesen die Unterlagen bereits Feuchtigkeitsschäden auf. Froh war man, als mit dem Raum im Dachgeschoss der Fahrzeughalle im Meringer Bauhof ein Platz für das neue Archiv gefunden war. „Dann suchten wir auch händeringend jemanden, der die archivarische Arbeit übernehmen würde“, erinnert sich Stefan Nerlich, Geschäftsführer der Gemeindeverwaltung.

2006 begann Rischert die Arbeit im Meringer Archiv

Mit dem Augsburger Diplomarchivar im Ruhestand wurde ein kompetenter Fachmann gefunden. Im Mai 2002 fand bereits die erste Ortsbesichtigung im Meringer Bauhof statt, so entnimmt Nerlich seinen Unterlagen. Es dauerte noch ein wenig, bis es richtig los ging. „Im April 2006 haben wir angefangen“, erinnert sich Hilde Kolbeck. Sie stand Helmut Rischert von Anfang an zur Seite und arbeitete ihm zu. „90 große und noch einmal gut 45 kleine Umzugskartons mit Ordnern und Schriftstücken waren es, die wir im Laufe der Zeit katalogisierten und einordneten“, erzählt Hilde Kolbeck. „Es war unglaublich viel Arbeit und man musste jedes Blatt in die Hand nehmen. Herr Rischert hat alles hervorragend geordnet und ich bin ihm dabei zur Hand gegangen“.

Die beiden waren ein eingespieltes Team. Jeden Donnerstag fuhr Helmut Rischert von Augsburg aus mit dem Zug nach Mering, Hilde Kolbeck holte ihn am Bahnhof ab und dann legten sie für rund acht Stunden los und ordneten das Archiv. „Das ging bis letztes Jahr im Frühsommer so, danach konnte Herr Rischert krankheitsbedingt nicht mehr kommen“, bedauert Hilde Kolbeck.

Autoren der Ortschronik profitieren vom Archiv in Mering

Seit 1973 war er Archivpfleger im Landkreis Aichach-Friedberg und kümmerte sich ehrenamtlich um die Erfassung, Erschließung und Pflege des Schrifttums der Gemeinden und Schulen. Seit 1999 war Rischert auch im südlichen Teil des Wittelsbacher Landes im Einsatz und verwaltete beispielsweise auch die Archive in Merching, Steindorf oder Schmiechen.

„Seine Archivarbeit hier in Mering ist hervorragend gelungen“, lobt Hans Weber. „Früher konnten man nicht in den Gemeindeakten forschen“, weiß der Heimathistoriker. „Nun ist es im tadellosen Zustand“. Froh ist man darüber in Mering vor allem wegen der bevorstehenden Veröffentlichung einer Ortschronik zum 1000-jährigen Bestehen der Marktgemeinde. „Für dieses Heimatbuch haben doch viele Autoren im Meringer Gemeindearchiv geforscht“. Hilde Kolbeck kann dies nur bestätigen. Als Helmut Rischert krankheitsbedingt nicht mehr vor Ort sein konnte, sperrte sie das Archiv nur noch auf Anfrage auf und legte den Interessenten die gewünschten Unterlagen vor. Auch aus München kamen Autoren wie etwa der Historiker Dr. Stefan Breit, der auch als Herausgeber des geplanten Sammelwerks zum Jubiläum fungiert.

Das Meringer Archiv ist soweit fertig geordnet. Lediglich das sogenannte Findbuch, das Verzeichnis der Archivalien, ist laut Hilde Kolbeck noch nicht fertig gestellt. Eingearbeitet werden müssen auch Neuzugänge wie Nachlässe oder etwa das Archiv von Franz Knittel, der im Laufe der Jahre sukzessive seine heimatkundlichen Schätze übermittelt wie beispielsweise im vorigen Jahr die von ihm erstellten Meringer Jahreschroniken.

Ein Nachfolger für den verstorbenen Rischert ist in Aussicht

„Herr Rischert hätte sich auf jeden Fall sehr über die Ehrung gefreut“, ist sich Hilde Kolbeck sicher. Geplant war die Verleihung des goldenen Ehrenrings an Rischert und sie selbst im Rahmen einer offiziellen Archiveröffnung. „Wir planen gerade, wie es mit dem Archiv weiter geht“, gibt Stefan Nerlich Auskunft. Ein Nachfolger für den verstorbenen Helmut Rischert sei in Aussicht.

Es entscheidet sich in den nächsten Wochen. „Ich habe immer gesagt, wenn Herr Rischert aufhört, dann mache ich auch nicht mehr weiter. Es reicht nun auch“, sagt die 81-jährige Hilde Kolbeck. Sie erklärt sich jedoch bereit, noch bis zur Übergabe eines neuen Archivpflegers und während dessen Einarbeitung zur Verfügung zu stehen.

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