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Immobilien

29.11.2017

Was wird gebaut, was wird gebraucht?

Überall wird wie hier an der Afrastraße in Friedberg gebaut – aber entsteht auch das Richtige?
Bild: Elisa Glöckner

Während es an Wohnungen mangelt, herrscht an Familienhäusern Überschuss. Dies ergab eine deutschlandweite Studie. Doch so eindeutig ist die Lage nicht.

Ob in Friedberg, Eurasburg oder Schmiechen – überall im Landkreis–Süden entstehen derzeit neue Baugebiete. Meist liegt der Schwerpunkt auf Einfamilien- und Doppelhäusern. Aber gehen diese Planungen in die richtige Richtung? Nein, sagt Kreisbaumeister Andres Richter. Er drängt die Gemeinden dazu, den Geschosswohnungsbau wieder stärker zu berücksichtigen.

Anlass zu der Diskussion gab kürzlich eine Sitzung des Gemeinderats Schmiechen. Wie berichtet, soll dort ein weiteres Baugebiet erschlossen werden, das größtenteils Gebäude mit maximal zwei Wohneinheiten vorsieht. Unter Berufung auf eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) äußerte sich Kreisbaumeister Richter kritisch. Dieser Studie zufolge ist der Bedarf großflächiger Immobilien mit 226 Prozent mehr als ausreichend gedeckt, während Zwei-Zimmer-Einheiten dringend benötigt werden. „Die Studie wurde flächendeckend durchgeführt“, gibt er im Gespräch mit unserer Zeitung zu bedenken. Sie gelte demnach für Bayern, die Regionen und den Landkreis. Richter räumt freilich ein, dass pauschale Aussagen für das Wittelsbacher Land schwierig zu treffen seien und jede Kommune für sich den Bedarf ermitteln müsse.

So gab es für die Neubaugebiete in Friedberg-Süden eigene Workshops der Bauinteressenten. Und die hätten sich vorrangig Einzel- und Doppelhaushälften gewünscht, sagt Frank Büschel von der Stadt Friedberg. Ein größeres Neubaugebiet entsteht derzeit in Stätzling. Dort könnten nach Angaben der Stadt 28 Einzel- und Doppelhäuser entstehen. Ein zweites Gebiet findet sich an der Afrastraße unterm Berg. Das Areal bietet Platz für etwa 19 Reihenhäuser und vier private Mehrfamilienhäuser mit rund 70 Wohnungen. Dazu kommen 65 städtische Wohnungen.

Auch auf Kissing lassen sich die Kenntnisse der IW nicht in vollem Umfang übertragen. „Egal ob Wohnung oder Einfamilienhaus, Nachfragen gibt es in jede Richtung“, bekräftigt Bürgermeister Manfred Wolf. Binnen kürzester Zeit sei das Neubaugebiet Oberland vergeben gewesen. Nachverdichtung innerhalb der Ortsgrenzen soll nun weiteren Platz für Reihenhäuser schaffen. „Eines ist bereits fertiggestellt, das andere befindet sich in Planung“, sagt Wolf.

Ähnliche Tendenzen zeigen sich in Ried. Auf Nachfrage bestätigt Bürgermeister Erwin Gerstlacher einen Baubedarf sowohl für Wohnungen als auch für Häuser. Momentan in der Erschließung befindet sich ein Baugebiet in Baindlkirch. „14 Einzelhäuser und drei Plätze für den Wohnungsbau sind vorgesehen“, erklärt er. In der Ortsmitte gebe es zudem ein privat finanziertes Projekt mit 22 Wohneinheiten.

„Alles wird gewünscht“, berichtet Gerhard Failer vom Königsbrunner Bauunternehmen Dumberger, das zurzeit auch in Mering tätig ist. Kleinere Wohnungen würden insbesondere von älteren Herrschaften gesucht, die sich verkleinern und barrierefrei leben möchten. Gerade hier herrscht „graue Not“, weiß der Experte. „Diese Wohnungen sind sehr beliebt, weil wenige existieren.“ Dagegen gingen in ländlicher strukturierten Regionen – speziell in Mering – Häuser sehr gut. Doch würde auch hier nach Wohnungen gefragt.

Vergleichbare Erfahrungen hat der Friedberger Bauträger Friedrich Ottens gemacht. „Die Nachfrage an kleinen Wohnungen von ein bis zwei Zimmern ist sehr groß“, sagt er. Aus seiner Sicht ist der Bedarf hier nicht gedeckt. Größere Objekte seien vor allem i in Ortsteilen wie Stätzling und Wulfertshausen sehr gewünscht. „Das betrifft vor allem Reihenhäuser in der Preislage von 300000 bis 400000 Euro.“

Die Diagnosen um den Wohnungsmarkt im Wittelsbacher Land driften auseinander. In einer Sache scheint sich die Expertise dennoch einig – die vorhandene Nachfrage übersteigt das Angebot. Auch für Kreisbaumeister Andreas Richter steht fest: „Wir müssen Wohnraum schaffen. Aber richtig.“ In seinen Augen liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, zunächst keine neuen Baugebiete auszuweisen und stattdessen die Innenentwicklung zu fördern. „Gerade im ländlichen Raum ist die Ortsmitte wichtig“, so der Experte. Die vorhandene Infrastruktur soll strategisch genutzt, Neubauten an den Abriss alter Häuser gekoppelt werden. Ansonsten drohe der sogenannte Donut-Effekt: „Leerstände in der Ortsmitte, während außen herum gebaut wird.“

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