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Aichach-Friedberg

24.06.2019

Weniger Spargel und höhere Preise in Aichach-Friedberg

Am Johannitag, dem 24. Juni, wird traditionell zum letzten MalSpargel gestochen. Jetzt dürfen die Triebe ins Kraut schießen, damit die Pflanzen im Boden für das nächste Jahr Kraft tanken können.
Bild: Ingo Wagner, dpa

Spargelbauern im Wittelsbacher Land haben eine durchschnittliche Saison hinter sich. Nach dem trockenen Jahr 2018 sind sie zufrieden. Ein Problem macht ihnen Sorgen.

Aichach-Friedberg Spargelliebhaber schauen gerade ungern in den Kalender. Denn am Montag endete die Saison. Zu Johanni hören die Spargelbauern auf zu stechen. Einige verkaufen noch ein paar Tage, bei anderen war schon am vergangenen Wochenende oder zu Beginn der Pfingstferien Schluss.

Normalisierung beim Spargelverkauf nach Extremjahr 2018

So zum Beispiel bei Claudia Westner auf dem Gut Haslangkreit in der Marktgemeinde Kühbach. Dort war bereits am 9. Juni der letzte Verkaufstag. „Die späte Anlage war eine junge Anlage, da kann man nicht so lange stechen“, sagt Westner. Die gebürtige Rheinländerin ist seit März Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Südbayern und trat damit die Nachfolge von „Spargelpapst“ Josef Plöckl an.

Im Großen und Ganzen sei die Saison normal verlaufen, sagt Westner. Nach einem extremen Jahr wie 2018 darf das als gute Nachricht gelten. Damals machte auch den Spargelbauern die große Hitze zu schaffen. Der Spargel schoss geradezu aus dem Boden. Das brachte nicht nur in sehr kurzer Zeit sehr viel Arbeit mit sich, sondern ließ auch die Preise fallen. „Letztes Jahr haben wir draufgezahlt“, sagt Westner über sich.

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Heuer sei die Saison besser verlaufen. Das bestätigt Peter Strobl, Geschäftsführer des Spargelerzeugerverbands Südbayern. Es sei keine Rekordernte zu verzeichnen gewesen, aber eine zufriedenstellende Ernte. Die Preise seien stabil gewesen. Im vergangenen Jahr hingegen war das Überangebot so groß, dass die Bauern den Spargel zum Teil gar nicht loswurden und stellenweise sogar während der Saison aufhörten zu stechen.

Spargelverkauf: Kritik an Supermärkten

Deutliche Kritik übt Strobl an der Preispolitik großer Supermarktketten. Gerade zu Saisonbeginn nutzten manche von ihnen den Schrobenhausener Spargel mit sehr niedrigen Preisen als Lockmittel und setzten so die Erzeuger unter Druck. Diese könnten ihre Ware am Spargelstand nicht mehr zu ihren Preisen verkaufen. „Das hat uns sehr aufgestoßen“, so Strobl. Auch Claudia Westner kritisiert dieses Vorgehen: „Es bürgert sich leider ein, dass große Supermarktketten vor Ostern Saisonprodukte dazu nutzen, um Kunden zu ziehen.“

Gerade wenn die Nachfrage groß sei, verkauften sie Waren wie Spargel oder Erdbeeren extrem günstig. Eine Supermarktkette habe für das Kilo Spargel beispielsweise 5,90 Euro verlangt. Auch wenn die Qualität nicht vergleichbar sei – „die Leute haben diesen Preis dann im Kopf“, sagt Westner. Dass der Spargelanbau für einige Landwirte nicht mehr so lukrativ ist, macht Strobl auch daran fest, dass die Anbaufläche nicht mehr ausgeweitet wird: „Wir sind an den Grenzen des Absatzmarktes angekommen.“

Während der Preis über diese Saison dann doch einigermaßen gehalten werden konnte, waren die Erntemengen wechselhaft: Während sie anfangs bei Westner gut ausfielen, wurden sie zur Mitte der Saison aufgrund einer Kältephase geringer. „Leider auch kurz vor dem Muttertag“, wo die Nachfrage meist hoch sei, bedauert Westner.

Den Spargelbauern gehen die Erntehelfer aus

Was immer mehr Spargelbauern zu schaffen macht, ist der Arbeitskräftemangel. „Wir bekommen nicht mehr so leicht gute Leute zum Stechen“, berichtet Strobl. „Das ist ein Thema, das die Spargelwirtschaft umtreibt.“ Hier mache sich der Mindestlohn bemerkbar. Die Leute arbeiteten inzwischen lieber woanders, wo sie ebenfalls den Mindestlohn erhielten, und nicht mehr saisonal. So gebe es in Polen inzwischen zum Teil bessere Verdienstmöglichkeiten. Das habe dazu geführt, dass vermehrt Kräfte aus Rumänien auf den Spargelfeldern im Einsatz seien.

Um den Personalmangel aufzufangen, hoffe man auf Arbeiter aus dem früheren Jugoslawien. Verhandlungen dazu liefen, so Strobl. Nicht nur für die körperlich anstrengenden, sondern auch für die einfacheren Tätigkeiten sei es schwer, Leute zu finden, erzählt auch Claudia Westner. Ihr eigener Betrieb habe diese Probleme zum Glück nicht. 16 Erntehelfer stechen den Spargel auf der rund 15 Hektar großen Fläche. Dazu kommen zwei bis drei Aushilfen und die eigene Familie.

Hof in Steinach: Schlechte Erfahrungen mit rumänischen Helfern

Leonhard Schmelcher vom Lenzbauer in Steinach musste in diesem Jahr erstmals auf Rumänen als Erntehelfer setzen. „Die waren in diesem Fall leider nicht so zuverlässig und sind bereits früher als vereinbart wieder abgereist“, sagt Schmelcher. Mit Polen hatte er in den vergangenen Jahren bessere Erfahrungen gemacht. Insgesamt beurteilt er die Spargelsaison auf seinem Hof als durchwachsen: „Bis Mai lief es richtig gut, dann kam uns das Wetter in die Quere.“ Die Bilanz sei ähnlich wie im vergangenen Jahr.

Einen immer größeren Anteil macht der grüne Spargel aus. „Früher hatten wir zwei Reihen, jetzt ist es fast ein Hektar“, erzählt Westner. Doch auch hier machte ihr das Wetter zu schaffen. Ende April, Anfang Mai wehte der Wind die Folien weg, dann folgte Bodenfrost. „Da war der Grünspargel gleich mal kaputt.“ Eine Woche sei so verloren gegangen. Zuletzt, mit schönerem Wetter, sei die Nachfrage gestiegen, weil die Menschen grillten und sommerlichere Gerichte kochten.

Lesen Sie auch den Kommentar: Spargel: Warten lohnt sich

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