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Familie

04.05.2017

Wenn Kinder nur am Handy hängen

Handys lenken Kinder und Jugendliche oft vom Lernen ab.
Bild: Bernhard Weizenegger

Das Gymnasium Friedberg bittet Eltern, eine Smartphone-freie Zeit zum Lernen einzurichten. Erziehungsberaterin Friederike Krisch gibt Familien Tipps zu dem Konfliktthema.

Frau Krisch, in vielen Familien ist das Handy Konfliktthema Nummer eins. Das Friedberger Gymnasium hat unlängst einen Brief an Familien geschrieben. Ist es wirklich so schlimm?

Friederike Krisch: Die Konflikte in den Familien nehmen zu. Die Frage danach kommt auch bei uns in für Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Aichach und Kissing immer wieder. Manche Kinder beschäftigen sich tatsächlich nur noch mit dem Handy und vernachlässigen alles andere.

Das Gymnasium bittet Eltern, für ihre Kinder eine handyfreie Zeit zum Lernen einzuführen. Wie viel Zeit mit dem Smartphone ist okay?

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Krisch: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt unter anderem vom Alter, den Schulleistungen und der verfügbaren Freizeit ab. Wichtig ist, dass das Handy weder bei den Hausaufgaben noch in der Nacht dabei ist. Wenn Kinder es mit zum Schlafen nehmen, piepst oder vibriert es eventuell die ganze Nacht über und sie kommen nicht zur Ruhe.

Der soziale Druck spielt eine große Rolle beim Handy

Beim Thema Handy spielt auch der soziale Druck eine Rolle. Man muss auf WhatsApp oder Facebook präsent sein, um dazuzugehören...

Krisch: Das stimmt. Viele Kinder und Jugendliche sagen, die anderen schreiben doch auch. Da wirkt ein extremer Druck – und das auszuhalten, schaffen sie nicht alleine. Übrigens: Facebook ist kaum noch ein Thema bei der Generation U 20 , da sind es eher die Bilderdienste Instagram und Snapchat.

Was sollten Eltern tun, wenn sie das Gefühl haben, es wird zu viel mit dem Handy?

Krisch: Gemeinsam mit den Kindern schauen, welche Ruhezeiten es geben sollte. Klare Vorgaben machen. Das ist wie beim Thema Fernsehen, nur mit einer sozialen Komponente. Das macht es so schwer. Notfalls muss man Kompromisse schließen und sich auf bestimmte Zeiten einigen.

Die Auswirkungen digitaler Medien auf das Gehirn sind umstritten. Wie sehen Sie sie?

Krisch: Eine Effekt sich auf jeden Fall eine Ruhelosigkeit. Man kann sich nicht mehr länger auf eine Sache konzentrieren. Die ständigen Impulse setzen unter Stress und verändern einen jungen Menschen.

Wird nach dem Radio und dem Telefon das Smartphone verteufelt?

Früher wurde das Radio verteufelt, dann das Telefon. Jetzt ist eben das Smartphone an der Reihe, oder?.

Krisch: Ich bin kein absoluter Handy-Gegner. Es gehört zum Wandel dazu. Wie bei allem Neuen muss man aber erst den Umgang damit lernen. Dafür braucht es Vorbilder. Dabei ist es zum Teil so: Die jetzige Elterngeneration hat entweder wenig Bezug zum Handy oder nutzt es manchmal selber sehr stark. Dann ist es schwer für Kinder, sich daran zu orientieren. Das ist auch ein gesellschaftliches Problem.

Gibt es auch eine andere Entwicklung?

Krisch: Ja, es gibt Gegenbewegungen, zum Beispiel Lokale, die Gästen ein Dessert schenken, die beim Essen aufs Smartphone verzichten. Auch ein handyfreies Familienwochenende ist eine Lösung. Da gibt es womöglich erst Widerstand, aber dann wissen es viele Kinder und Jugendliche zu schätzen, dass sich die Familie einmal miteinander beschäftigt. Manche atmen aber vielleicht auch nur auf, wenn es vorbei ist...

Viele sagen schon, die Jugend sei handysüchtig

Krisch: Das ist nur selten der Fall. Es ist wohl eher der soziale Druck – nicht nur bei Mädchen. Außer, dass Handy wird wie ein Computer für Spiele genutzt. Da ist das Handy halt eine einfache Art, sich zu beschäftigen. Dabei wäre es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen sich zum Ausgleich mehr bewegen.

Wie nutzen Sie persönlich Ihr Smartphone?

Krisch: Ich nutze Internet, E-Mail und WhatsApp. Gerade Letzteres ist toll, um schnell Sachen abzusprechen. Aber ich benutze das Handy nur in Pausen und nach der Arbeit. Das finde ich sehr angenehm.

Zur Person

Friederike Krisch leitet die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der Katholischen Jugendfürsorge Aichach und Kissing.

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