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Technik

26.05.2017

Wenn der Akku in Flammen aufgeht

Der Roller von Ralf Wagner steht in Flammen. Die Lithium-Batterie hatte sich selbst entzündet.
Bild: Ralf Wagner

Handys, Laptops, Elektro-Roller: Geräte, die mit einer Lithium-Batterie betrieben werden, können brandgefährlich sein. Wie man Risiken vermeidet

Der Schock saß tief, als Ralf Wagner morgens in seine Garage kam. Dichter Qualm und ein beißender Geruch von verbranntem Plastik schlugen ihm entgegen. Sein geliebter, türkiser E-Roller stand in Flammen. Der Lithium-Akku hatte sich selbst entzündet. „Ich hatte schon so ein komisches Gefühl, weil der Roller immer wieder Probleme gemacht hat“, so Wagner. Aber das sich der Akku entzünden und der Roller in Brand geraten würde, damit hatte der 35-Jährige aus Wulfertshausen nicht gerechnet.

Doch gerade das ist keine Seltenheit. Immer wieder fangen Geräte, die mit Lithium-Akkus betrieben werden, Feuer, darunter Handys, Laptops, Elektrofahrräder oder E-Roller. Laut eines Berichts des Instituts für Schadenverhütung und Schadensforschung enthielten 2015 zwei Drittel aller Produkte, die wegen Brandgefahr zurückgerufen wurden, einen Lithium-Akku. Erst im September vergangenen Jahres nahm Samsung zweieinhalb Millionen Smartphones der Serie Galaxy Note 7 vom Markt, weil sich zahlreiche Akkus entzündet hatten. Die Zahl der Brände, bei denen Lithium-Akkus eine Rolle spielten, hat sich zwischen 2005 und 2013 mehr als verfünffacht.

Brennende Lithium-Akkus sind mit Wasser kaum zu löschen

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Wie häufig die Feuerwehr im Landkreis wegen eines brennenden Akkus ausrücken muss, ist unklar. Doch es gebe immer wieder Probleme, erklärt Alexander Schmid von der Kreisbrandinspektion Aichach-Friedberg. Der Landesfeuerwehrverband Bayern habe eine Empfehlung an alle Feuerwehren zum Umgang mit brennenden Akkus herausgegeben. Denn aufgrund des enthaltenen Leichtmetalls Lithiums, das stark mit Wasser reagiert, erfordere die Löschung eines in Brand geratenen Akkus besondere Maßnahmen.

Das hatte Wagner bei seinem brennenden Roller selbst erlebt. Mit einem Gartenschlauch versuchte der 35-Jährige die Flammen zu löschen. „Das hat nicht wirklich etwas gebracht“, so Wagner. Ein Nachbar eilte mit einem Feuerlöscher herbei, die Feuerwehr war nach wenigen Minuten vor Ort. Doch selbst als der Brandherd schon gelöscht zu sein schien und der Roller auf der Einfahrt stand, schossen zwei Stichflammen empor, erinnert sich Wagner.

„Die Akkus sind sehr schwer zu löschen“, erklärt Kreisbrandmeister Schmid. Am besten ließen sich die Flammen mit Löschsand, Pulverschaum oder Löschdecken bekämpfen. „Wasser sollte man vermeiden“, betont Schmid. Das helfe nicht viel und berge die Gefahr von erneutem Aufflammen oder gar einer Explosion des Akkus. Es sei höchste Vorsicht geboten. „Man sollte sich nicht gleich entfernen, sondern abwarten, ob der Brandherd tatsächlich gelöscht ist“, sagt Schmid.

Die hohe Energiedichte macht die Akkus brandgefährlich

Trotz der erhöhten Brandgefahr finden die Akkus eine immer breitere Anwendung. Denn sie sind leicht und weisen eine hohe Energiedichte und damit Leistungsfähigkeit auf. Das ist gerade bei Smartphones oder E-Bikes wichtig. Doch die viele Energie macht sie auch brandgefährlich. Produktionsfehler oder eine falsche Nutzung können dazu führen, dass sich der Lithium-Akku selbst entzündet.

Wagner hat das selbst erlebt. Von seinem E-Roller ist nicht mehr viel übrig. Erst vor vier Jahren hatte er ihn direkt vom Hersteller gekauft. Doch es gab immer wieder Probleme. Plastikstecker seien geschmolzen, im Akku sei die Sicherung durchgeschmort und bei feuchtem Wetter sei der Roller gar nicht erst angesprungen. „Ich habe eigentlich gehofft, dass ich ihn acht oder zehn Jahre fahren kann“, sagt Wagner. Stattdessen sei der Roller nun ein wirtschaftlicher Totalausfall.

Den Hersteller scheint Wagners persönlicher Schaden ebenso wenig zu interessieren wie der Grund, weshalb der Roller in Flammen aufging. „Ich habe angeboten, denen den Roller zu schicken, damit sie die Brandursache untersuchen können, aber darauf haben sie nicht wirklich reagiert“, so Wagner. Stattdessen habe man ihn gebeten, das Serviceheft des Rollers zu schicken. „Das ist nur leider zusammen mit dem Roller abgebrannt ist“, sagt Wagner.

Anstatt Verantwortung zu übernehmen, habe ihm die Firma ein eher schlechtes als rechtes Angebot gemacht. „Ich bin immer noch vom Elektro-Roller überzeugt, aber ob ich von denen wieder einen kaufe, weiß ich nicht“, betont Wagner.

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