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Gymnasium Friedberg

23.03.2017

Wenn der Lehrer nicht zur Klasse kommt...

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Am Gymnasium Friedberg hat jetzt jeder Lehrer „sein“ Zimmer.
Bild: dpa

... dann kommt die Klasse zum Lehrer. Das Friedberger Gymnasium hat ein neues Unterrichtskonzept eingeführt. Wie Pädagogen und Schüler es finden.

 Wer stundenlang büffelt, wird nicht nur schlau, sondern auch müde. Die Schüler des Friedberger Gymnasiums haben jetzt nach jeder Stunde Erfrischung in Form von Bewegung. Sie haben keine festen Klassenzimmer mehr. Zum Schuljahresbeginn führte die Schule das Lehrerraumprinzip ein. Bei diesem Konzept hat jede Lehrkraft - bei Teilzeitkräften mehrere gemeinsam – ein Zimmer. Die rund 900 Schüler kommen zu ihren Lehrern. Nach der Anlaufphase ziehen Schüler und Lehrer Bilanz: Es funktioniert.

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Personalratsvorsitzender Florian Schmid berichtet, die Idee sei von Lehrern ausgegangen. Sie wünschten sich Räume, in denen die Unterrichtsmaterialien bereit liegen, in denen die Technik auf sie abgestimmt ist, in denen sie Wände fachbezogen gestalten können. Lange gab es ein Hindernis: die Schülerzahl von weit über 1000. Das Raumkonzept war so eng gestrickt, dass nicht genug Zimmer in einer Größe vorhanden waren, in die jede Klasse hineinpasst. Doch mit dem achtstufigen Gymnasium und der Eröffnung des Gymnasiums Mering änderte sich das.

Schüler diskutierten lange

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Die Lehrer trugen ihren Wunsch den Schülern vor. Schülersprecherin Dominique Gregor erinnert sich: „Wir haben auf dem Klassensprechertag stundenlang darüber diskutiert.“ Schließlich wollten Klassen ihre Räume selber gestalten, Fünftklässler könnten sich verlaufen, die Spinde könnten fern von den Unterrichtsräumen liegen – und überhaupt: Laufen? Alle 45 Minuten? „Am Anfang haben ein paar gemault“, erzählt Dominique.

Inzwischen fänden es aber alle gut. Ein bisschen Bewegung zwischendrin wecke einen auf, sagt die Elftklässlerin. Schülersprecher Johannes Grundler, achte Klasse, sieht einen weiteren Vorteil: „Man muss keine Bücher mehr mitnehmen.“ In jedem Zimmer liegen die notwendigen Materialien im Schrank. Außerdem sei die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden jetzt „etwas ruhiger“, sprich friedlicher.

Es ist viel sauberer

Auch die 80 Lehrer seien fast alle zufrieden, so Schmid. Sie können sich ihre Zimmer einrichten wie sie wollen, was bei manchen die Kreativität geweckt hat. Im Idealfall stellt die Optik aufs Fach ein. Außerdem sei es sauberer. „In 45 Minuten macht man halt nicht so viel Müll“, sagt er. „Und jeder sieht, was auf dem Platz liegen bleibt, wenn man geht“, meint Dominique. Auch Unterrichtszeit gehe nicht verloren.

Die Entscheidung wurde auf eine breite Basis gestellt, vor der Einführung und zum Halbjahr alle Klassen befragt. Probleme wurden im Vorfeld geregelt. So wurden alle Räume mit eigenen Büchersätzen ausgestattet, die Vergabe der Spinde ist neu geregelt, es gibt sogar die Überlegung, Lehrer nach Fächern in bestimmten Trakten zusammenzufassen. Sie können sich dann einen Schrank mit Materialien teilen. Die Bewegung auf den Gängen sei nicht viel höher als zuvor, so Schmid. Denn zu Fachräumen, etwa für Physik oder Biologie, mussten die Schüler bereits vorher laufen. Nur im Gang zwischen Alt- und Neubau werde es manchmal eng. Und am Anfang, so Dominique, mussten sich die Älteren zwischen ratlosen Fünftklässlern hindurchzwängen, die verwirrt im Gang standen. Dieses Problem bekam man jedoch mithilfe der Tutoren in den Griff.

Vorbild Königsbrunn

Das Gymnasium Königsbrunn zieht das Prinzip seit fünf Jahren durch und gab Friedberg Rat bei der Einführung. Die Königsbrunner Schulleiterin Eva Focht-Schmidt sagt: „Die Schüler finden das Konzept gut, weil sie nichts mehr tragen müssen. Und die Lehrer haben ihre Fachräume im Lauf der Jahre weiterentwickelt.“ Königsbrunn ist mit über 1250 Schülern viel größer als Friedberg - trotzdem sei das Konzept problemlos durchführbar. Und auch in Friedberg wird es weiterhin heißen: Kommt nicht der Lehrer zur Klasse... 

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