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Konzert in Mering

13.12.2016

„Wer will den no hör’n, den oiden Schmarrn?“

Burgi Well und ein Teil ihrer Enkel und Urenkel erfreuten mit dem bairischen Traditionsstück ihres Vaters Hermann Well die Senioren in St. Theresia.
Bild: Heike John

Bevor die Well-Familie in Hergottsruh spielt, gibt sie bei Senioren in St. Theresia auf diese Frage eine Antwort

 Wie berühmt die Well-Familie nicht nur in Musikerkreisen ist, das wissen die Bewohner im Caritas Seniorenzentrum St. Theresia nicht oder haben es längst vergessen. Die hochbetagten Zuhörer genießen einfach den Besuch und die hellen Stimmen der Gruppe um Burgi Well mit acht ihrer Enkel und Urenkel.

„Griaß di Gott, Christkindl“ heißt das Stück, das Hermann Well einst vor über 50 Jahren als Günzlhofener Dorfschullehrer für seine 15 Kinder geschrieben hat. Genauso wie es seither Tradition ist, jedes Jahr diesen altbayerischen Advent in der Friedberger Wallfahrtskirche Herrgottsruh aufzuführen, ist es auch guter Brauch, noch zusätzlich in einem Altenheim aufzutreten. Und so kommen in diesem Jahr die Senioren neben dem Theresienkloster in den Genuß, einen Teil dieser musikalischen Familie zu hören. „Des is ä echte Uraufführung und mir müassn improvosiern, denn ned olle Madln und Buam hom Zeit ghobt mitzumgehn“, erklärt Burgi Well. Sie ist eine der Wellschwestern, die als Wellküren Karriere gemacht haben und bayerisch ist ihre Sprache.

Ihre Enkel und Urenkel und die ihrer zahlreichen Geschwister, die sie ins Seniorenheim mitgebracht hat, müssen größtenteils das Bayerische wieder erlernen. Wie viele Jugendliche heutzutage sprechen sie eher hochdeutsch. Doch für ihren Auftritt haben sie vom Jüngsten bis zum 14-jährigen Jakobo und seiner älteren Cousine Annemarie sich eingearbeitet. „Wir sprechen euch jetzt die kloane Gschicht, wie’s gwesen sei kunnt’“, so kündigen sie ihren Auftritt an.

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Die Senioren freuts und es gibt beifälliges Nicken, wenn die Madln im Zwei- oder Dreigesang von Christi Geburt verkünden, die Buam Sprücherl aufsagen und alle miteinander zu Burgis Gitarrenklängen singen. Diese passt den Urtext ihres Vaters jedes Jahr auf die heutige Zeit an. Und so hockt dann der Pokemon auf dem Balkon, statt den Engel Gabriel hören viele lieber Justin Bieber und die Hirten fragen sich: Wer suacht no des Kripperl, wenn Deutschland sucht den Superstar? Wer will ihn no hearn, den oiden Schmarrn, fragen sich Burgi und ihre Enkel und Urenkel. Die begeisterten Gesichter der Senioren geben die Antwort. Sie freuen sich an den Reimen, Versen und Liedern, klatschen aber erst zum Schluss. Denn Burgi erklärte ihnen zu Beginn „I sog eich dann, wanns klatschen sollts!“

Dass die Sprösslinge der Well-Familie eine unverkrampften Umfang mit alten Leuten lernen, ist der Burgi genauso viel wert wie das Singen und Musizieren. Und so genießt man in St. Theresia den Besuch als kleinen Vorgeschmack auf den großen Auftritt am vierten Advent, wenn traditionell die Well-Familie mit noch viel mehr Geschwistern sowie Kind und Kegel und vielen Instrumenten zum altbairischen Advent in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh auftritt. Am kommenden Sonntag, 18. Dezember, um 15 Uhr ist es wieder soweit. Der Eintritt ist frei.

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