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Friedberg

10.06.2016

Wie der Rhythmus den Organisten gepackt hat

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Zu Hause bei Roland Plomer hängen Erinnerungen an viele Konzerte.
Bild: Plomer

Roland Plomer hat in 40 Jahren für sich viele neue Musikströmungen entdeckt. Er lernt von den Jungen weiter dazu.

40 Jahre ist es her, dass Roland Plomer erstmals in der Friedberger Stadtpfarrkirche die Orgel spielte. „Im Herzen bin ich ein klassischer Kirchenmusiker geblieben“, sagt der 64-Jährige. Die Kirchenmusik will er nicht missen. Immer wieder sonntags orgelt er daher in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh. Doch im Laufe der Jahrzehnte hat sich sein musikalischer Kosmos geweitet. Ihn haben die Rhythmen gepackt, die beispielsweise die Gospelmusik zu bieten hat. Als Gegenpol zur genau durchgetakteten klassischen Musik hat Plomer die Spontanität bei Gospelkonzerten schätzen gelernt. Die beiden musikalischen Welten von Plomer vereinen sich beim Konzert „Gospel meets Klassik“ am Sonntag, 12. Juni, ab 18 Uhr in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg.

Für Plomer spiegelt das die Entwicklung während seiner 40 Jahre als Berufsmusiker wieder. Er habe „gewaltige musikalische Umwälzungen“ miterlebt. „Nicht mehr die schöne Harmonie ist es, die die Menschen bewegt, der Rhythmus ist gefragt“, sagt der Friedberger.

Die Füße reichten nicht zu den Pedalen

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Das war noch anders, als Roland Plomer als zehnjähriger Klavierschüler in seinem kleinen bayerischen Heimatdorf Sallach bei Geiselhöring erstmals zum Organisten wurde. Seine Füße reichten nicht bis zu den Fußpedalen. „Das waren ganz bescheidene Anfänge“, erinnert sich Plomer. Seine Mutter sang im Kirchenchor. Kirche und Fußballverein waren Dreh- und Angelpunkt im Dorf. Von nun an sollte ihn die Kirchenmusik begleiten. Er studierte das Fach an der Hochschule in Regensburg und ließ sich an der dortigen Uni zum Fachlehrer ausbilden. Es folgte ein wiederum musikalischer Wehrdienst beim Heeresmusikkorps in Regensburg.

Als 24-Jähriger kam Plomer als hauptamtlicher Kirchenmusiker in die Friedberger Pfarrei St. Jakob. „Der Kirchenchor war damals völlig überaltert“, sagt Plomer und ergänzt schmunzelnd: „So alt, wie ich heute bin.“ Als junger Mann sorgte er für eine Verjüngung des Chors und baute ein Orchester sowie einen Jugendchor auf. Auch neue geistliche Lieder hielten Einzug in St. Jakob.

Nach 20 Jahren kündigte Plomer – wie er sagt „aus freien Stücken“. Der vorherige Dekanatskirchenmusiker wollte einen beruflichen Neuanfang beim Bayerischen Rundfunk in München wagen. Im Nachhinein betrachtet, ist Plomer froh darüber, dass das nicht geklappt hat. Seitdem ist er als freischaffender Künstler tätig. Das habe ihm den Blick geöffnet für die Vielfalt der Musik. Kirchenmusik sei der Liturgie untergeordnet. Und als Kirchenmusiker zeige er nicht groß Emotionen – zumindest nicht nach außen.

Der Funke springt über

Bei Gospelkonzerten hat Plomer oft miterlebt, wie der Funke überspringt. Dazu bedarf es aus seiner Sicht musikalischer Persönlichkeiten, die das Gefühl dafür verkörpern. So jemand ist für ihn die Augsburger Jazz- und Gospelsängerin Alexandrina Simeon, die seit 16 Jahren eine musikalische Partnerin von Plomer ist. Sie darf auch beim Konzert „Gospel meets Klassik“ nicht fehlen. Nachwuchs wie diesmal ein Musikstudent am Schlagzeug wirken ebenfalls mit – wie oft bei Plomer. Er lernt von den Jungen und hofft, dass sie umgekehrt von seiner Erfahrung profitieren.

Immer wieder hat Plomer sich Musikrichtungen angeeignet, die für ihn davor Neuland waren. Beim Musik-Kabarett von Kaktus & Co entführte er über zehn Jahre zusammen mit Sänger Reiner Philipp Kais mit Evergreens zurück in die 1920er bis 1940er Jahre. Zu seinen Lieblingskindern zählte mehr als ein Jahrzehnt das Collegium Vocale, das beispielsweise die anspruchsvolle zeitgenössische Friedberger Friedensmotette aufführte. Über 1000 Zuhörer lauschten dem Chor bei einem Klassik-Openair auf Gut Mergenthau im Jahr 1998.

Pop-Songs halten Einzug auch bei Beerdigungen

Die musikalischen Haupttätigkeiten des freiberuflichen Musikers spielen sich aber eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Plomer spielt oft gemeinsam mit weiteren Mitwirkenden bei Privatfeiern, Firmenfesten und bei Beerdigungen. Da werden mittlerweile auch Pop-Songs gewünscht. Zu den Favoriten zählt „Time to say goodbye“. Egal mit welchen Liedern, Plomer findet es wichtig, dass Musik in so einem Moment berührt.

Das versucht Roland Plomer auch bei den von ihm organisierten durchschnittlich jährlich sechs Konzerten in Herrgottsruh. Seit 20 Jahren ist für ihn dort das Silvesterkonzert „ein schönes Muss“. Dazu sagt Plomer: „Das neue Jahr beginnt für mich erst richtig, wenn am nächsten Tag die Podeste weggefahren sind.“ Er wird auch künftig kurz vor dem Jahreswechsel in der Wallfahrtskirche musizieren. „Noch möchte ich das nicht missen“, sagt Plomer.

Das Konzert „Gospel meets Klassik“ mit Alexandrina Simeon and Friends findet am kommenden Sonntag, 12. Juni, ab 18 Uhr in der Friedberger Wallfahrtskirche Herrgottsruh statt.

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