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Landwirtschaft

03.04.2018

Wie es mit dem Schweinestall bei Ried weitergehen soll

Der Schweinemastbetrieb der Familie Gelb in Steinach gefällt Michael Leberle. Trotz Baugenehmigung zögert er mit einer Verwirklichung eines ähnlichen Projekts.
Bild: Ulrich Wagner

Seit einem Jahr hat Michael Leberle eine Genehmigung für sein Vorhaben bei Hörmannsberg.   Was der Landwirt plant und was die Bürgerinitiative dazu sagt.

 Viele Diskussionen gab es über den geplanten Schweinemaststall zwischen Ried und Hörmannsberg. Es befassten sich sogar Gerichte in mehreren Instanzen mit dem Projekt. Doch seit einiger Zeit ist es ruhig um das Vorhaben des Kissinger Landwirts Michael Leberle geworden. Dabei hat er die Baugenehmigung seit März vergangenen Jahres in der Tasche.

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Aufgegeben hat er sein Projekt nicht. Jedoch hadert Leberle mit der allgemeinen Situation der Schweinehaltung in Deutschland. „Es gibt keine Richtlinie von der Bundesregierung. Es ist alles noch in der Findungsphase“, sagt er. Leberle sieht nicht, wie er unter diesen Bedingungen einen Stall planen soll, der zukünftig Bestand hat und auf lange Sicht wirtschaftsfähig betrieben werden kann. Er informiert sich zurzeit auf Messen und hat sich auch in der Umgebung umgeschaut. Zum Beispiel gefällt ihm das Konzept der Familie Gelb in Steinach. In deren Stall liegen die Schweine in großzügigen Boxen auf Stroh, durch Türen gelangen sie selbstständig nach draußen. „Dann bekomme ich aber wieder Probleme mit den Emissionen“, gibt Leberle zu bedenken.

Es gab stets Widerstand

Gegen sein Projekt bei Hörmannsberg gab es stets Widerstand in Ried. Eine Bürgerinitiative hatte sich vor zwei Jahren gebildet und mit verschiedenen Aktionen protestiert. Unter anderem hingen in Ried große Plakate, auf denen Menschen zu sehen waren, die sich die Nase zuhalten. Die Auseinandersetzung um den Stall reicht aber noch viel weiter zurück. Auch die Gemeinde lehnte die Anträge des Landwirts stets ab. Zwei Mal ging es deswegen vor Gericht. Am Ende entschied der Verwaltungsgerichtshof in München zugunsten des Bauern.

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Leberle sagt, dass es keine Alternative für den von ihm ins Auge gefassten Standort gebe. Andere, auch vom Landratsamt ins Gespräch gebrachte Varianten kommen seiner Aussage nach nicht in Frage. „Sie sind zu nah am Wald oder zu nah an einem Biotop“, sagt er. Leberle betont, dass ihm sowohl das Menschen- als auch das Tierwohl am Herzen liege. „Ich will keine Probleme mit der Bevölkerung haben.“ Stets wies er darauf hin, dass seine Pläne eine Filteranlage vorsehen, die Geruchsbelastung verhindern sollte. Nun habe er zwar die Genehmigung, aber seine Pläne seien acht Jahre alt. Um einen Stall zu bauen, mit dem er für die Zukunft gewappnet ist, brauche er Zeit. „Hier sprechen wir nicht von Jahren, aber von mehreren Monaten“, sagt er. Insgesamt gelte die Baugenehmigung vier Jahre, davon sei nun gerade mal eines vergangen.

Qualität und Tierwohl

Leberle hat bereits in Kissing einen großen Hof. Dabei handelt es sich aber um eine Schweinezuchtanlage. Zwischen Ried und Hörmannsberg soll ein Maststall entstehen, wo Ferkel auf ihr Schlachtgewicht hochgezogen werden. In der Landwirtschaft hat sich diese Arbeitsteilung durchgesetzt. Als Erzeuger wäre Leberle gerne von den Mastbetrieben und deren Preisdruck unabhängig. „Mir geht es darum, die ganze wirtschaftliche Kette in der Hand zu haben.“ So könne er mehr Qualität bieten, aber auch das Tierwohl besser im Blick halten.

Derweil behalten die Gegner das Projekt genau im Auge. „Wir haben bisher keine neuen Erkenntnisse“, sagt Johann Weiß von der Bürgerinitiative für einen Alternativstandort. Grundsätzlich bleiben die Mitglieder aber bei ihrer Kritik. Sie fürchten die Nitrat- und Geruchsbelastung aufgrund der zusätzlich ausgebrachten Gülle. Dadurch sei das gesamte Gemeindegebiet betroffen. In der Umgebung des geplanten Mastbetriebes rechnen sie mit sinkenden Immobilienpreisen, sollte das Projekt verwirklicht werden.

Zudem befinden sich das erweiterte Kinderhaus und die Schule in Windrichtung des geplanten Schweinmaststalls. Auch werde die Erweiterung der bereits geplanten Wohnbebauung im Rieder Westen und Süden eingeschränkt. Das habe Auswirkungen auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde.

500 Unterschriften gesammelt

Fast 500 Unterstützer hat die Bürgerinitiative bei einer Unterschriftensammlung in der Gemeinde und im Internet gewonnen. Laut Weiß sind zurzeit keine neuen Aktionen geplant. „Wir werden dann entscheiden, wenn uns etwas vorgelegt wird“, sagt er.

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