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Friedberg

05.12.2019

Wie hart trifft das Friedberger Buskonzept den Rothenberg?

Das neue Friedberger Buskonzept bringt zwar viele Vorteile für die Fahrgäste. Besonders für Bewohner am Rothenberg allerdings beinhaltet es auch Ärgernisse.
Bild: Tom Trilges

Plus Bewohner Hansjörg Krazeisen moniert bis zu 30 Prozent weniger Busfahrten am Friedberger Rothenberg. Der ÖPNV-Beauftragte verweist aber auf einen Trick.

Nicht alle Friedberger ziehen nur Verbesserungen aus dem Fahrplanwechsel der Busse am 15. Dezember. Vor allem die Nutzer der Haltestellen Völser Straße und Bozener Straße müssen teils mit Änderungen zu ihrem Nachteil leben. Doch wie drastisch fallen die aus? Hat der Betroffene Hansjörg Krazeisen recht, wenn er teils deutlich weniger Fahrten moniert? Ein Blick auf die Verbindungen zeigt: So einfach ist es nicht.

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Kein 15-Minuten-Takt mehr am Friedberger Rothenberg

„Bei Umsetzung des neuen Fahrplans entfallen in der Hauptverkehrszeit etwa 30 Prozent des Angebots“, meint Krazeisen und legt eine umfassende Analyse mit den einzelnen Abfahrtszeiten vor. „Tatsächlich wurde 2017 zunächst ein 30-Minuten-Takt der Linie 200 statt des bestehenden 15-minütigen Taktes beschlossen“, sagt der Beauftragte für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Friedberg, Manfred Schnell und macht aus seinem Ärger über diese Entscheidung keinen Hehl.

So schlimm kommt es nun doch nicht: Durch die zusätzlichen Stopps der Linie 202 verkehren statt der bisher vier Verbindungen pro Stunde zwischen 5 und 8 Richtung Bahnhof künftig meist (nur in der 5-Uhr-Stunde noch nicht) drei Busse auf direktem Wege von der Völser und der Bozener Straße aus. Gleiches gilt andersherum am Nachmittag zwischen 15 und 20.30 Uhr für die Routen vom Bahnhof zurück zu den beiden Haltestellen am Rothenberg. Schnell räumt ein: „Das ist eine Einschränkung und ich bedaure sie sehr – zumal auch ich in der Gegend wohne und ebenfalls Leidtragender bin.“

Wie hart trifft das Friedberger Buskonzept den Rothenberg?

Von diesem Trick können Fahrgäste am Rothenberg profitieren

Durch einen bisher nur wenigen Leuten bekannten Trick fällt die Verschlechterung – ein Minus von 25 Prozent in den Hauptverkehrszeiten – für die Bewohner allerdings geringer aus. Wenn zum Beispiel an der Bozener Straße zwischen 6.42 und 7.12 Uhr eine 30-minütige Lücke klafft, könne man alternativ um 6.55 Uhr in die Linie 200 in Gegenrichtung ein- und in Friedberg-Ost umsteigen, erklärt Schnell. Dann gelange man mit der Linie 210 bis 7.11 Uhr zum Bahnhof und treffe direkt auf einen Zug – zwölf Minuten früher, als würde man an der Bozener Straße auf die Linie 200 in „richtiger“ Richtung warten.

„Nutzerfreundlich ist das sicher nicht, aber dennoch schneller als zu warten“, sagt Schnell. Der ÖPNV-Beauftragte weist darauf hin, dass die „zugegebenermaßen komplizierten“ Routen über Friedberg-Ost in Zukunft in der App des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbunds (AVV) angezeigt werden.

Zu wenig Fahrgäste in den Friedberger Bussen

Dass die Menschen am Rothenberg ihren Viertelstundentakt verlieren, liegt nicht zuletzt an den schwachen Fahrgastzahlen: Seit der Aufstockung auf vier Verbindungen pro Stunde sind die kaum gestiegen. „Die Änderungen betreffen nach meinen Berechnungen maximal 50 bis 100 Leute am Tag, gleichzeitig profitieren rund 900 Menschen in der Innenstadt“, teilt Schnell mit. „Mir blutet das Herz, wenn ich feststelle, dass die Angebote trotz des zuletzt so guten Takts nicht besser angenommen wurden.“

Allerdings müssen die Nutzer der Busstationen an der Völser und der Bozener Straße nicht ausschließlich Einbußen in Kauf nehmen. In der Zeit von 8 bis 15 Uhr bestehen weiterhin drei Verbindungen stündlich. Diese sind alle an einen Zug angebunden – das war vorher nur bei einer der drei Fahrten der Fall. Auch die Variante über Friedberg-Ost funktioniert in dem Zeitraum – de facto haben Kunden also vier Möglichkeiten pro Stunde, zum Bahnhof zu gelangen beziehungsweise nachmittags vom Bahnhof nach Hause.

Am Wochenende fahren in Friedberg bald mehr Busse

Eine andere Kritik von Krazeisen: An den Samstagen fährt die Linie 202 das letzte Mal um 17.44 Uhr. „Insgesamt gibt es mit dem durchgehenden 30-Minuten-Takt der Linie 200 jetzt mehr Fahrten als davor“, entgegnet Schnell. Die stündlich verkehrende Linie 202 sei von 8 bis 18 Uhr eine zusätzliche Ergänzung. Von einer Verschlechterung samstags könne keine Rede sein, das Gegenteil sei vielmehr der Fall.

Gar keine Nachteile entstünden denjenigen, die einen längeren Fußweg, beispielsweise zum Volksfestplatz, der Hermann-Löns-Straße oder nach Friedberg-Ost, in Kauf nehmen. Gerade ältere Menschen können diese Strecken aber oft nicht zu Fuß zurücklegen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Tom Trilges: Sich über den ÖPNV in Friedberg zu beschweren reicht nicht

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