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Parteien in Friedberg

18.05.2019

Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus?

Auf dem Friedberger Volksfestplatz als einem der „Mobilitätshotspots“ machten die SPD-Mitglieder auf der Rundfahrt mit Bürgermeister Roland Eichmann (Dritter von links) Station. 
Bild: Peter Stöbich

Eine Veranstaltung der Friedberger SPD zeigt: Auch Fachleute haben keine Patentlösung, wie die Probleme zunehmender Mobilität zu lösen sind

Elektroroller, Flugtaxis oder Hybridfahrzeuge – womit werden wir uns im Jahr 2030 fortbewegen? Diese Frage beschäftigte den SPD-Ortsverein Friedberg bei einer Bustour und Diskussionsrunde mit Fachleuten. Das Ergebnis: Niemand hat eine Patentlösung für die Verkehrsprobleme der Zukunft parat und es sind noch viele kleine und größere Schritte erforderlich, um sie zu lösen. Wie so oft hängt auch beim Thema Mobilität alles vom Geld ab.

Bürgermeister Roland Eichmann fungierte als Reiseleiter im Bus, der vom Bahnhof über den Park& Ride-Platz an der Endhaltestelle der Tramlinie 6 sowie das Gewerbegebiet Derching zum Friedberger Volksfestplatz fuhr.

Pendlerparkplatz im Derchinger Gewerbegebiet

Dabei lenkte er den Blick der Teilnehmer auf diverse Mobilitätsprojekte wie zum Beispiel den geplanten Pendlerparkplatz im Derchinger Industriegebiet. Dort wäre es ein großer Vorteil für die Bürger, wenn es künftig eine direkte Schnellbuslinie ins Augsburger Zentrum gäbe.

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Das größte Entwicklungspotenzial, aber auch den höchsten Investitionsbedarf hätte aus Sicht der SPD der Volksfestplatz: Über einem tiefergelegten Busbahnhof könnte ein Parkdeck entstehen, auf dem bis zu 500 Pkw und künftig auch das Fest Platz finden, so die ebenso kühne wie kostspielige Vision. Denn um sie zu realisieren, wäre wohl ein zweistelliger Millionenbetrag nötig.

Jeder Dritte Friedberger ist 60 Jahre und älter

In der Diskussion ging es unter anderem um die „letzte Meile“, die Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu ihrer Wohnung zurücklegen müssen, weil Bahn und Bus in den wenigsten Fällen vor der Haustür halten. Für dieses Problem wussten Experten wie der Friedberger Mobilitäts-Berater Manfred Schnell keinen Rat, denn nicht jedermann und jede Frau verfügt über ein Fahrrad beziehungsweise die körperliche Konstitution, es auch im Winter zu nutzen. „Schließlich ist fast ein Drittel unserer Bürger 60 Jahre und älter“, gab der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, Roland Fuchs, zu bedenken.

Das bayerische Radverkehrsprogramm sieht vor, dass im Jahr 2025 rund 20 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt werden sollen. Deshalb drückt jetzt auch der Kreis Aichach-Friedberg aufs Tempo und beschäftigt Ulrike Schmid als Ansprechpartnerin für alle Belange des Radverkehrs. Ein Konzept, das der Landkreis derzeit erstellt, listet eine ganze Reihe von Problemen auf: Radwege enden abrupt im Nirgendwo, Beschilderungen fehlen, die Einsicht in Kurven ist schlecht, es gibt zu wenig Ladestationen für E-Bikes und vieles mehr.

Elektroräder und -roller, die man auch im Zug mitnehmen darf, könnten in Zukunft mithelfen, die endlosen Autokolonnen zu verringern, wie sie Tag für Tag auch durch Kissing rollen. Der Umstieg aufs Zweirad sei mit Kindern und bei einer langen Anfahrt zur Arbeitsstelle freilich nicht immer praktikabel, stellte Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr fest. Sie plädierte für eine bessere Vernetzung im Nahverkehr, gerade auch für ältere Menschen. „Bei uns in Bayern fließt das Geld vor allem in die Straßen!“ Ihr Vorschlag: Der ÖPNV solle kostenfrei werden.

Car-Sharing für Schmiechen und Zillenberg?

Dass sich mehrere Nutzer einen Mietwagen teilen, sah Schnell als gute Alternative zum eigenen Auto sowie für alle, die sich ein eigenes Fahrzeug nicht leisten können. Für das sogenannte Car-Sharing brauche man an den Standorten der Fahrzeuge aber auch das entsprechende Kundenpotenzial, betonte Jürgen Biedermann von den Augsburger Stadtwerken; für Bürger in Schmiechen oder Zillenberg kommt diese Lösung also kaum infrage.

Die Mobilität der Zukunft sei keineswegs nur für Friedberg ein Thema, sagte Bürgermeister Eichmann: „Das ist für unsere gesamte Region eine Riesenherausforderung!“ Um sie bewältigen zu können, brauche man neue Konzepte ohne negative Begleiterscheinungen. Dass der Verkehr weiter zunehmen werde, berücksichtige man heute bereits bei der Städteplanung, zum Beispiel bei der künftigen Bebauung des Bauhof-Geländes. Für fahrradfreundliche Maßnahmen habe Friedberg in den Haushalt 40000 Euro eingestellt, in denen Investitionen für neue Radwege noch nicht enthalten sind.

Zwei Stunden von Eurasburg bis Augsburg

Ein Teilnehmer der Diskussion schilderte sein Problem, ohne Auto von Eurasburg nach Augsburg in die Reichenberger Straße zu kommen: „Ich war eine Stunde lang unterwegs und musste mehrmals umsteigen – da gäbe es einiges zu verbessern!“ Wie diese Verbesserungen aussehen könnten, dazu gibt es viele Vorschläge und Visionen: Ausbau der Radl-Infrastruktur im Landkreis in einer einheitlichen „Handschrift“, Verknüpfung von Radverkehr mit ÖPNV-Angeboten sowie Aktionen und Kommunikation, um das Rad als Verkehrsmittel attraktiver zu machen. Allerdings, so waren sich die Fachleute einig, müsse für all diese Maßnahmen auch das Geld da sein. Manchmal verhindere auch das Bau- und Planungsrecht die Verwirklichung guter Ideen, so Eichmann.

Termin Zwei öffentliche Arbeitskreise zum neuen Radwegekonzept des Landkreises finden am Montag, 20. Mai, im Aichacher Landratsamt und am Dienstag, 21. Mai, in der Mensa des Friedberger Gymnasiums statt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, interessierte Bürger können ihre Vorstellungen mit einbringen. Welche Handlungsvorschläge und Projekte konkret umgesetzt werden sollen, muss in einem weiteren Schritt der Kreistag entscheiden.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Friedberg – ein Markt für Carsharing?

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