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29.12.2008

Wie viele gute Taten braucht man für das Paradies?

Ottmaring Ewald Deckel, ein Friedberger Stadtrat, hat in seinem bisherigen Leben wohl kaum etwas getan, das ihm nicht einen persönlichen Vorteil brachte. Er betrügt den Wirt bei der Rechnung, spielt dem Musikverein einen Streich nach dem anderen, veruntreut Gelder der Stadt und auch mit der Treue in seiner Ehe hat er es nicht immer so genau genommen.

Zum Glück handelt es sich dabei nicht wirklich um einen örtlichen Politiker, sondern um die Hauptfigur aus dem Stück "Himmel und Hölle - Eine himmlische Komödie mit teuflischer Spannung" von Dietmar Steimer, das die Theatergruppe Ottmaring erstmalig inszenierte. Herbert Menzinger, ein langjähriges Mitglied der Theatergruppe, spielte die Figur des egozentrischen und gerissenen Ewald Deckel mit unglaublicher Überzeugung.

Dieser kam trotz all seiner Untaten nach einem Stromschlag in den Himmel, wo der Engel Ordnikus zunächst sein Tatenregister überprüfen muss, um zu entscheiden, ob Ewald auch im Himmel bleiben darf. Doch auch die "Konkurrenz" in Form des Höllengesandten Arthur sucht bereits nach ihm. Dort ist Ewald mit all seinen Streichen schon zur Legende geworden. Mit einem erneuten Trick schafft es Ewald, der unbedingt im Himmel bleiben will, seine guten und schlechten Taten auf Gleichstand zu bringen, sodass die nächste Tat nach seinem Tod entscheidet, wo er hin soll. Über dieses Schicksal sollen vor allem Ewalds Frau Anna, ihre Cousine Martha und deren Mann Albert sowie Ewalds verhasste Schwiegermutter Marlies entscheiden.

Ewalds Schutzengel, der bei seinem Tod wohl geschlafen hat, kann deren Gewissen zum Leben erwecken. So muss Ewald mit anhören, was seine Verwandten wirklich über ihn denken. Am Ende scheint es wohl fast so, als hätte es Ewald geschafft, seine viele schlechten Taten zu vertuschen, doch hat er seine Rechnung ohne den Gesandten der Hölle gemacht.

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Benedikt Gerstmaier, der diesjährige Spielleiter, musste das ursprünglich schwäbische Stück zunächst ins Bayerische umschreiben, um dann seit September mit der Gruppe zu proben. Das Publikum in der ausverkauften Premiere des Stücks verfolgte gebannt den Weg des Ewald Deckel, der trotz seines schlechten Charakters mit so viel bayerischem Charme und Witz gespielt wurde, dass er fast schon wieder sympathisch wirkte. Für viele Lacher sorgte auch der Engel Ordnikus, gespielt von Sandra Binder, der fast genauso viel flucht wie Deckel selbst. Besonders gelungen ist auch die Darstellung der Gewissen, die nicht wie ursprünglich vorgesehen von den Personen selbst gesprochen werden, sondern ihre eigenen Darsteller haben. Mit tollen Lichteffekten wird der Kontrast noch hervorgehoben.

Und im Himmel wie auf Erden

Auf humorvolle Weise wird dem Zuschauer letztendlich gezeigt, dass es auch in Himmel und Hölle nicht anders zugeht als auf der Erde, denn auch dort gibt es eine Bürokratie, auch dort wird geschimpft, gemauschelt und sogar gewettet.

Ob Ewald am Ende selbst ein Opfer einer Wette geworden ist und ob er im Himmel oder doch der Hölle landet, das zeigt die Theatergruppe Ottmaring noch bis zum 4. Januar in der Turnhalle der Johann-Peter-Ring-Volksschule. Karten gibt es unter Telefon 08 21/78 41 71.

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