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Geburtshilfe Friedberg

24.11.2018

„Wir machen als Belegärzte in Friedberg weiter“

Die Belegärzte der Friedberger Geburtshilfe: (von links) Dr. Radu Rizea, Klaus Wiegand und Boris Kargol. Das Aus der Geburtshilfe in Aichach habe auch die werdenden Mütter in Friedberg verunsichert, berichten sie.
Bild: Mareike König

Die Mediziner der Geburtshilfe am Friedberger Krankenhaus glauben, dass die Station Zukunft hat.

Dass der Kreißsaal am Krankenhaus Aichach vorläufig geschlossen wurde, hat auch viele werdende Mütter in Friedberg verunsichert. Das berichten die drei Belegärzte des Krankenhauses. Die Probleme rund um die Station in Aichach hätten sich über das Jahr hinweg so hingezogen, dass viele Frauen nicht mehr wüssten, wie die Situation jetzt aktuell sei, sagt Klaus Wiegand. Dazu hätten sich im September Gerüchte um ein mögliches Aus der Geburtshilfe in Friedberg gemischt. Dr. Radu Rizea ergänzt, dass viele Frauen in seiner Praxis angerufen und gefragt hätten, ob es überhaupt noch die Möglichkeit gibt, im Friedberger Krankenhaus zu entbinden. Rizea betont: „Wir machen hier bis auf Weiteres als Belegärzte weiter.“

Die teure Haftpflichtversicherung ist ein Problem

Das bestätigen seine beiden Kollegen Wiegand und Boris Kargol. Die Mediziner sagen jedoch ganz klar: Die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit müssen besser werden. Die drei Ärzte sind selbstständig. Um entbinden zu dürfen, müssen Gynäkologen, so wie auch die Hebammen, eine teure Haftpflichtversicherung abschließen. Nur um die Beiträge hierfür zu erwirtschaften, müssen sie jährlich 120 Frauen entbinden. Anfang November beschloss der Werksausschuss des Kreistags, 60 Prozent (maximal 30000 Euro) der auf die Geburtshilfe entfallenden Kosten für die Haftpflichtversicherung der Belegärzte zu übernehmen. Die rechtliche Prüfung für die Kostenübernahme war zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Bisher wurde aber noch kein Geld ausgezahlt. „Wir brauchen auch in Zukunft die Unterstützung der Politik hier vor Ort und der Krankenkassen“, sagt Rizea. Wenn andere Gynäkologen merken, dass in Friedberg die Geburtshilfe unterstützt werde, dann könnten vielleicht auch neue Kollegen gewonnen werden.

Den Vorschlag, mit der neuen Uniklinik Augsburg zu kooperieren, sehen die Ärzte skeptisch

Momentan sei die Station mit drei Ärzten zwar ausreichend, aber knapp besetzt. Längere Zeit ausfallen darf keiner der Mediziner. Den Vorschlag von Landkreisführung und Klinikchef Krzysztof Kazmierczak, dass die neue Uniklinik Augsburg den Kreißsaal als Außenstelle betreiben könnte, sehen die drei skeptisch. Ihrer Erfahrung nach hätten auch die großen Häuser mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen und könnten womöglich nicht einfach acht Mediziner abgeben.

Bevor er als Belegarzt in Friedberg anfing, arbeitete Boris Kargol in der Geburtshilfe in Prenzlau (Brandenburg). Auch dort musste die Station schließen. Daraufhin sei auch der Rest der Einrichtung „ausgestorben“. Kargol erklärt sich das so: Vor und während der Entbindung hätten viele junge Eltern zum ersten Mal wirklich intensiv Kontakt mit einer Klinik. Wenn sie dort dann gute Erfahrungen machen würden, kämen sie für andere Eingriffe wieder, sagt Kargol. Die familiäre Atmosphäre und die persönliche Betreuung seien die Gründe, warum Patienten in kleinere Krankenhäuser wie Friedberg kämen. Und das würden sie zum Beispiel bei der Geburt ihres Kindes erleben können.

Lesen Sie dazu einen ausführlichen Hintergrund: Wird es jetzt eng auf der Friedberger Geburtsstation?

Einen Kommentar von Mareike König finden Sie hier: Für Friedberger Geburtsstation kam Hilfe rechtzeitig

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