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Aichach-Friedberg

28.06.2020

Wirtschaft im Landkreis Aichach-Friedberg im freien Fall

Dieter Weidner, IHK-Vizepräsident, Jens WaIter, IHK-Regionalgeschäftsführer und Thomas Sixta, IHK-Regionalvorsitzender (v. l.) stellten die Details der Umfrage in Friedberg vor.
Bild: Sabine Roth

Plus Die Corona-Krise trifft die meisten Branchen hart. Jetzt stellt die IHK Schwaben die Ergebnisse fürs Wittelsbacher Land vor. Was aus der Krise helfen kann.

Vom steilsten Absturz seit zwei Jahrzehnten sprach der Regionalgeschäftsführer der IHK Schwaben, Jens Walter. Er stellte nun die Ergebnisse der Konjunktur-Umfrage für den Landkreis im Golden Amber in Friedberg vor.

Von Anfang bis Mitte Mai 2020 wurden dafür über 1000 Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistung befragt. Neben der wirtschaftlichen Lage standen die Auswirkungen der Corona-Krise und der Re-Start der Wirtschaft im Vordergrund.

Corona-Krise hat Wirtschaft im Landkreis schwer getrofffen

Doch wie sieht es im Wittelsbacher Land aus? Die Corona-Krise hat die Wirtschaft im Landkreis schwer getroffen, die Auswirkungen sind bereits jetzt auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Die Konjunktur-Umfrage macht das Ausmaß deutlich: Der Konjunkturindex ist abgestürzt, die lange Phase der Hochkonjunktur ist vorerst beendet.

In Zahlen ausgedrückt: Der IHK-Konjunkturindex in Aichach-Friedberg lag im Herbst 2019 bei dem Wert 130,8 und liegt jetzt bei 82,5. „Die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen fürs kommende Jahr sind im Keller. Und das mit Ausnahme der Bauwirtschaft quer über alle Branchen hinweg“, brachte es Marc Lucassen, der Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben auf den Punkt.

Im Landkreis Aichach-Friedberg vertreten 29 gewählte Unternehmer ehrenamtlich die Interessen von rund 12000 Unternehmen. Viele erfolgreiche Mittelständler und ein guter Branchenmix prägen die Region, darunter viele Familienunternehmen und exportstarke Hidden Champions. Fast zwei Drittel der Unternehmen sind nun vom Umsatzrückgang betroffen, 17 Prozent haben echte Liquiditätsengpässe.

Der IHK-Regionalvorsitzende Thomas Sixta erklärte: „Die ausgewogene Struktur unserer Unternehmen wirkt in der Krise stabilisierend, obgleich auch wir einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um rund 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen, das sind 580 mehr Arbeitslose als im Mai 2019.“

Einbruch im Ausbildungsbereich bereitet der IHK Sorgen

Den aktuellen Einbruch bei den neuen Ausbildungsverhältnissen beobachtet er mit Sorge. Denn es werden nach der Krise umso dringender gut ausgebildete Fachkräfte benötigt. Sixta appelliert an die Unternehmer, weiterhin auf die duale Ausbildung zu setzen. Fast 40 Prozent aller Betriebe sind in Kurzarbeit, gut ein Drittel der Belegschaft ist betroffen.

 

Im Wittelsbacher Land sei die Geschäftslage im Frühjahr 2020 noch stärker gefallen als in ganz Schwaben. Über 46 Prozent beurteilen laut Umfrage ihre Lage aktuell als schlecht – im Vergleich mit gerade einmal 3 Prozent im Herbst ein steiler Absturz. „Und wenn dazu noch mehr als ein Drittel der Unternehmen von schlechten Zukunftsaussichten sprechen, bereitet uns das große Sorgen“, so Sixta.

Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle werden genutzt, um die Stammbelegschaft zu halten und schnell durchstarten zu können, wenn es wieder aufwärts geht. Dafür brauche man aber wieder funktionierende internationale Lieferketten, Zugang zu den Märkten sowie weniger Bürokratie, um schnell wieder Anschluss zu finden.

Tourismus und Gastronomie in Aichach-Friedberg leiden besonders

Der IHK-Vizepräsident Dieter Weidner hat es mit seinem Unternehmen aus Friedberg vor allem beim Air Caterer und dem Restaurant Golden Amber am eigenen Leib zu spüren bekommen. Der Tourismus und die Gastronomie sowie der Handel seien die Branchen, die besonders hart getroffen wurden, das machen die Zahlen deutlich. „Praktisch allen Betrieben wurde hier mit den Corona-Maßnahmen im März von einem Tag auf den anderen die Geschäftsgrundlage entzogen“, so Weidner.

Um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, seien für die Unternehmen dringende Maßnahmen notwendig. Am wichtigsten sei eine rückwirkende Senkung der Unternehmenssteuern. „Darüber hinaus helfen uns Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region und unseres Landes im Blick haben“, sagte Weidner.

 

Als Beispiel nannte er Investitionen in digitale Infrastruktur durch die öffentliche Hand, niedrigere Strompreise und ein wettbewerbsfähiges Unternehmenssteuersystem. Aber auch ganz bodenständige Maßnahmen würden schon helfen, wie zum Beispiel einige verkaufsoffene Sonntage in diesem Jahr, die dem Handel die Chance geben könnten, verlorene Umsätze aufzuholen. „Wir stehen nun vor der riesigen Herausforderung, mit zukunftsorientierten und branchenübergreifenden Programmen die Stimmung wieder zu drehen“, so Jens Walter.

In einem sind sich alle drei Vertreter der IHK Schwaben einig: Ein zweiter Lockdown wäre das Verheerendste, was passieren könnte und auch nicht mehr finanzierbar.

Alle aktuellen Informationen zur Konjunktur und den Auswirkungen der Corona-Krise gibt es im Internet auf www.schwaben.ihk.de.

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