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Hilfsprojekt

15.05.2015

Wo der Gehsteig das Zuhause ist

Die Leiterin des Hilfsprojekts Anja Fischer hat diesmal Rajkumar und seine Eltern in dessen winzigen Teeladen besucht.
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Die Leiterin des Hilfsprojekts Anja Fischer hat diesmal Rajkumar und seine Eltern in dessen winzigen Teeladen besucht.

Friedberger Lehrerinnen sind in Slums in Kalkutta Menschen begegnet, die Erfolgsgeschichten schreiben

Gestank, Lärm, Müll und Hitze waren teilweise kaum zu ertragen. Und dann fröhliche Gesichter, die in diesem schwierigen Umfeld im indischen Kalkutta zeigen: Auch Straßen- und Slumkinder können etwas erreichen. Erlebt hat dies die Friedberger Gymnasiallehrerin Julia Asmussen, als sie gut eine Woche lang ihre Kollegin Anja Fischer zu deren Hilfsprojekten nach Indien begleitet hat. Theoretisch kannte Asmussen die ehrenamtliche Spendeninitiative „Pradip – Partner Eine Welt”, die die Partnerorganisationen in Kalkutta unterstützt. Nun hat es die Lehrerin mit eigenen Augen gesehen: „Man kann mit wenig Geld so viel erreichen.“

Für Julia Asmussen war es wie in einer komplett anderen Welt. Schwer fällt es ihr Worte zu finden beispielsweise für die unsäglichen Wohnverhältnisse in kleinen Bretterverschlägen in einem Prostituiertenviertel. Auch in anderen Slums hätte die Lehrerin am liebsten gar nicht hingeschaut angesichts des Schmutzes in Gangeskanälen, die als Waschgelegenheit dienen.

Trotzdem sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Pradip fördert, den beiden Friedberger Lehrerinnen ganz sauber gegenübergetreten. Sogar richtig adrett wirkt die 21-jährige Studentin Mamta. Neben dem Studium arbeitet sie acht Stunden lang in einem Kaufhaus, um ihre Familie zu unterstützen.

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Wenn man sie sieht, kann man kaum glauben, dass sie in einem illegalen Slum ohne sanitäre Einrichtungen wohnt. Es gibt nur einen Wasserhahn, der morgens und abends genutzt werden kann. „Es wird viel Wert auf Körperhygiene gelegt“, erklärt Anja Fischer. Die Pradip-Partnerorganisationen geben Hygiene- und Gesundheitstipps. Auch dies ermöglicht Straßen- und Slumkindern die Chance zu einer besseren Zukunft.

Das Duo aus Friedberg hat sich viel Zeit genommen für Besuche bei unterstützten Projekten. Julia Asmussen hat sie als geschützte Räume erlebt. Ein Beispiel ist das Zentrum für Kinder von Leichenverbrennern. Dort wird Unterstützung für Schüler geboten, es werden aber auch traditionelle Tänze gelehrt.

Bei Rajkumar haben Anja Fischer und Julia Asmussen zu Hause vorbeischaut. Er ist einer von denen, die dabei sind, eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Im Vorjahr hat er als Slumkind den mittleren Schulabschluss geschafft (wir berichteten). Wobei das Zuhause für ihn und seine Großfamilie nach wie vor der Gehsteig ist. In der Nacht hat die Familie zumindest das Dach einer Tankstelle über dem Kopf. Beim Gespräch hat Rajkumar zufrieden gewirkt. Der 19-Jährige will jetzt noch das Abitur schaffen und danach Polizist werden.

Es bleiben Eindrücke von Menschen in Slums

Seit mittlerweile 15 Jahren erlebt Anja Fischer, wie Kinder aus den Projekten groß werden und ihren Weg gehen. Die Gymnasiallehrerin schaut nicht weg vor dem nach wie vor vorhandenen Elend, sondern versucht dies in positive Energie umzuwandeln: „Ich weiß, es ist möglich, den Menschen zu helfen.“ Anja Fischer nennt Beispiele dafür: Eltern müssen nicht mehr mühsam von den Vorteilen der Schulbildung für ihre Kinder überzeugt werden. Kinderarbeit ist stark zurückgegangen. Und kein Mädchen aus dem Projekt prostituiert sich.

Auch nach der Rückkehr bleiben bei Julia Asmussen starke Eindrücke haften von Menschen in Slums, die Lebensfreude ausstrahlen.

Nähere Informationen über „Pradip – Partner eine Welt“ im Internet unter www.pradip.de

Das Spendenkonto lautet Ev. Pfarramt Simbach Konto-Nr.: 3251047

BLZ 740 618 13, VR-Bank Rottal-Inn

Verwendungszweck: Pradip

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