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Aichach-Friedberg

12.02.2010

Wohnbau-Kapital: Kuh scheint endlich vom Eis zu sein

Seit sieben Jahren schwelt das Thema Neuordnung des Eigenkapitals bei der Wohnbau GmbH des Landkreises. Jetzt scheint die Kuh vom Eis zu sein - der Kreisausschuss hat einer Neuordnung zugestimmt. Von Christian Lichtenstern

Aichach-Friedberg. Seit sieben Jahren schwelt das Thema Neuordnung des Eigenkapitals bei der Wohnbau GmbH des Landkreises. Jetzt scheint die Kuh vom Eis zu sein - der Kreisausschuss hat einer Neuordnung zugestimmt. Die Vorgeschichte: Von drei Gesellschaftern (Kreis, Kissing, Mering) waren sich der Hauptgesellschafter Landkreis und die Kommune Kissing nicht einig, ob die eingebrachten Werte im Stammkapital (insgesamt 10,5 Millionen Euro, Verteilung: 92 zu sieben Prozent) und bei den Gesellschafterdarlehen (insgesamt 4,9 Millionen Euro, Verteilung; 51,6 zu 48,4 Prozent) gerecht sind.

Insbesondere Landrat Christian Knauer (CSU) und Bürgermeister Manfred Wolf (SPD) fochten in dieser Angelegenheit so manchen - öffentlichen und nicht öffentlichen - Strauß aus (wir berichteten). Knauer sah den Landkreis durch das Ungleichgewicht zwischen Stammkapital und Gesellschafterdarlehen benachteiligt. Die Kissinger Immobilien seien zu hoch bewertet. Wolf wollte dagegen die vor Jahren durch Wohnungen und Grundstücke eingebrachte "Haut" seiner Gemeinde möglichst teuer verkaufen. Ende 2005 eskalierte der Streit zwischen Wolf und Knauer mit Schlagabtausch im Kreistag, einige Leserbriefe, Parteipolitik und Polemik folgten. Kurzzeitig war sogar ein Verkauf der Gesellschaft, neben den Baugenossenschaften in Aichach und Friedberg einer der größten Wohnungseigentümer und Vermieter im Kreis (siehe Infoartikel), im Gespräch. Das ist aber Geschichte.

Denn jetzt scheint die Sache gegessen, der Kreisausschuss segnete eine Umwandlung der Gesellschafterdarlehen des Landkreises in Eigenkapital ab. Seit 2006 waren mehrere Konzepte entwickelt und beraten worden und jeweils am Veto der Gemeinde Kissing gescheitert. Eine im Herbst 2009 eingeschaltete Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeitete einen neuen Vorschlag aus, der vom Aufsichtsrat der Wohnbau GmbH im Dezember unterstützt und den Gesellschaftern empfohlen wurde. Demnach werden die Darlehen ganz aufgelöst und damit das Eigenkapital (aufgeteilt in Stammkapital und Kapitalrücklage) gestärkt.

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Wertberichtigungsbedarf: rund 3,5 Millionen Euro

Das Stammkapital bleibt bei 10,5 Millionen Euro: Der Anteil von Kissing erhöht sich auf 19,9 Prozent, der Darlehensrest der Kommune wird der Kapitalrücklage (820 000 Euro) zugeschlagen. Der Anteil des Landkreises am Stammkapital verringert sich auf 79,4 Prozent, dafür fließen 3,86 Millionen in die Kapitalrücklage und der Markt Mering hält jetzt einen Anteil von 0,7 Prozent an der Gesellschaft (bislang ein Prozent). Damit diese neue Struktur umgesetzt werden kann, müssen nach dem Kreisausschuss jetzt auch noch die Gesellschafter Kissing und Mering zustimmen. Parallel zur Neuordnung der Kapitalstruktur der Gesellschaft wurden auch die Gebäude und Grundstücke der Wohnbau neu bewertet. Ergebnis: Die Immobilien sind deutlich zu hoch bewertet - der Berichtigungsbedarf beläuft sich laut Gutachtern auf 3,5 Millionen Euro. Ein Geburtsfehler der 1991 gegründeten Gesellschaft. Die jetzt im Jahresabschluss 2009 notwendigen außerordentlichen Abschreibungen sollen über Entnahmen aus der Kapitalrücklage gedeckt werden. Das heißt unterm Strich: Die Anteile der drei Gesellschafter werden neu aufgeteilt, die früheren Darlehen werden zur Rücklage und dabei zu einem großen Teil vom Wertberichtigungsbedarf aufgefressen. Laut Geschäftsführer Max Rössle hat die Gesellschaft 2009 im operativen Geschäft Gewinn gemacht. Davon profitieren aber nicht die Gesellschafter, sondern die Wohnungen oder die Mieter. Der Gewinn wird, wie seit Jahren, in die Modernisierung der Wohnanlagen gesteckt. Insgesamt hat die Wohnbau seit ihrer Gründung rund 30 Millionen Euro investiert, berichtet Rössle.

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