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Friedberg

31.01.2019

Wulfertshauser Kirche wird unter Denkmalschutz gestellt

Die Kirche St. Radegundis in Wulfertshausen wird unter Denkmalschutz gestellt.
Bild: Mareike König

St. Radegundis wurde erst Ende der 1970er gebaut. Warum das Landesamt für Denkmalpflege den Bau im Friedberger Ortsteil Wulfertshausen für außergewöhnlich hält.

Wulfertshausen Bei Baudenkmälern denken Laien meist an alte Gebäude, das Friedberger Schloss zum Beispiel. Nun stellt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege jedoch einen Bau in Wulfertshausen unter Schutz, der noch keine 40 Jahre alt ist, nämlich das Kirchenzentrum St. Radegundis. Es habe sowohl hohe geschichtliche, künstlerische als auch städtebauliche Bedeutung, heißt es in dem Papier von Bayerns obersten Denkmalschützern, das nun dem Planungs- und Umweltausschuss des Friedberger Stadtrates zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde.

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St. Radegundis.
Bild: Mareike König


Wer in den Friedberger Ortsteil kommt, erkennt schnell, dass St. Radegundis ein besonderer Bau ist. Das Zentrum wurde Ende der 1970er Jahre vom Architekten Josef Wiedemann geplant und errichtet, der als Sieger aus einem Wettbewerb des Bistums Augsburg hervorgegangen war. Die Kirche wurde 1980 geweiht. Der Münchner Professor, der auf Kirchen und Gemeindebauten spezialisiert war, plante in mehreren Bauabschnitten keine einzelne Kirche, sondern eine ganze Gebäudegruppe um einen Innenhof mit Brunnen: Kirche, Kindergarten und Pfarrzentrum mit Messnerwohnung, die allerdings im Jahr 2014 zu einer Kinderkrippe umgebaut wurde. Allein schon der Grund für den Kirchenneubau war ungewöhnlich.

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Wulfertshausen hatte nach dem Krieg nur 150 Einwohner

Wulfertshausen, das Ende des Zweiten Weltkriegs nur 150 Einwohner zählte, wuchs in der Nachkriegszeit rasant. Laut Denkmalamt galt es damals als das größte Neubaugebiet in Bayerisch-Schwaben. Heute hat der Ort über 2200 Einwohner. Durch das Wachstum wurde eine neue Kirche nötig, die an die Schnittstelle zwischen altem Dorfkern und den neuen Wohnsiedlungen positioniert wurde.

St. Radegundis.
Bild: Mareike König


Die vierseitige Anlage mit dem freistehenden Kirchturm und den Pultdächern ist sehr markant, auch durch die Kombination aus Putz und Holz-Glas-Elementen. Im Innenhof verbindet ein Umgang die einzelnen Bauten. Kirche und Gemeinderäume sind durch eine Halle verbunden, die in beide Richtungen geöffnet werden kann. Der Kirchenraum mit viel Holz senkt sich zur Mitte, wo die Altarinsel platziert ist. Das Kirchenzentrum habe eine hohe baukünstlerische Qualität, so das Denkmalamt. Außerdem habe der Architekt damit einen städtebaulichen Ankerpunkt gesetzt und es geschafft, eine Art neue Ortsmitte zu schaffen. Das Kirchenzentrum sei außerdem zu einem „Motor für den Wandel Wulfertshausens von einem bäuerlich geprägten Dorf zu einer Vorstadt Augsburgs“ geworden – wobei der Begriff „Vorstadt von Augsburg“ dem Wulfertshauser Stadtrat Manfred Losinger nicht so ganz behagt, wie in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses deutlich wurde. Ansonsten hatten die Stadträte die Ausführungen der Denkmalschützer nur zur Kenntnis zu nehmen, Einwände können sie gegen die Einstufung von St. Radegundis als Denkmal nicht erheben. Auf jeden Fall sei die Kirche ortsteilprägend, merkte Roland Fuchs an.

Die Stadt erweitert allerdings die Ausführungen des Denkmalamtes um die Ergänzung, dass zur Sicherstellung der Kinderbetreuung in Wulfertshausen im Jahr 2012 Sanierungen und Ergänzungen im Bereich Kindergarten vorgenommen bzw. 2014 eine Krippe in die Messnerwohnung eingebaut wurde und man davon ausgehe, dass solche Baumaßnahmen auch in Zukunft möglich sein werden. Baureferent Carlo Haupt erläuterte, dass Denkmalschutz bei „jungen“ Bauten anders gesehen werde als zum Beispiel bei Häusern in der Friedberger Altstadt. „Bei einer Sanierung geht es mehr um die Optik, weniger um das Material.“

St. Radegundis.
Bild: Mareike König


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